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Freitag, 27. März 2015

Wie kommt's, dass du noch nicht tot bist?

Memories
"Memories" by broombesoom (Flickr)
Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0
Dieser Beitrag ist eine deutsch-sprachige Übersetzung des Artikels How Come You Ain’t Dead? von Rebecca Mott. Rebecca ist Prostitutions-Überlebende, Aktivistin, Abolitionistin und Bloggerin.

Meine Vergangenheit ist zersplittert, meine Vergangenheit besteht aus Löchern.

Wenn ich die vielen Jahre, die ich prostituiert wurde, streife, bleibt nur ein stiller Schrei des Schmerzes zurück.

Ich weiß, dass die Prostitution mir meine Jugend zerstört hat und meine 20er zu einem Grab gemacht hat.

Jetzt bin dabei, in meine 50er zu kommen und ich habe endlich gelernt zu akzeptieren, dass es immer große Strecken meines Lebens geben wird, die ich niemals kennen oder verstehen werde.

Was schmerzt, ist, dass die schönen Teile meiner Vergangenheit ebenfalls ausgelöscht sind, ich kann so tun, als ob ich mich erinnere, wenn ich von Leuten, die da sind, umgeben bin.

Aber Erinnern ist ein Akt, und zu oft stolpere ich über bekannte Details.

Ich möchte ein Hirn schaffen, das die Hölle der Prostitution so schmälert, dass es dafür reicht, zu wissen, was schlimm war, aber dass es nicht Tag für Tag in mein Leben eingreift - sodass Platz für schöne Erinnerungen bleibt.

Aber das ist keine Realität, das ist ein Traum.

Stattdessen hängt mein Hirn am Grauen fest, an dem Gefühl leer und verloren zu sein; der physische Schmerz, das war die Welt, aus der Prostitution gemacht ist.

Es sind keine eindeutigen Erinnerungen – keine schlüssigen Geschichten, an denen eine festhalten kann und die eine aussprechen kann, es gibt kein richtiges Gefühl von Raum und Zeit.

Ich erinnere viele Vergewaltigungen als eine Vergewaltigung.

An den Freiern sehe ich keine Gesichter, nur eine Art Hohlraum nicht endender Vergewaltigungen, endloses Einschlagen auf meinen Körper und meine Seele.

Ich erinnere meinen Körper, wie er nicht entrinnen kann – kein Teil meines Körpers war nicht durch Freier verseucht.

In meinen Ohren war eingepflanztes Sperma, meine Ohren wurden geschlagen, wenn ich mich angemessen entkleidet hatte.

Mein Kopf schmerzte permanent, weil ich versuchte, diese ganze Realität abzublocken.

Mein Mund und mein Rachen verlernten, wie man isst, weil mich der Geschmack von Hass erstickt hatte.