Samstag, 21. Juni 2014

Amnesty International - Aufruf an Mitglieder

Amnesty International Protestplakat
Free Ressource
(Protest Resources)
Vor einigen Tagen - über Pfingsten - stimmten die Vorsitzenden Amnestys verschiedener Länder über das Thema Prostitution und den seit spätestens 2008 immer wieder auftauchenden Vorschlag der völligen Legalisierung aller Aspekte der Prostitution außer derjenigen für unter 18-jährige ab.

In den meisten Ländern wurden die Mitglieder, die Städte- oder Ortsgruppen nicht einbezogen.

Während Amnesty-Mitglieder nach wie vor Menschenhandel und Zwangsprostitution ablehnen und sich dagegen engagieren, begibt sich das Internationale Sekretariat in London auf einen Weg, der beides absolut befördern wird. Da mit Gegenwind auch aus den eigenen Reihen gerechnet wird, wird die endgültige Entscheidung möglicherweise auf August 2015 verschoben. Allerdings ist es nicht einmal für Amnesty Mitglieder leicht, verbindliche Informationen zu bekommen.

Stand der Dinge offenbar:

Einige Länder, Israel, Schweden, Dänemark - haben sich gegen diese Politik der völligen Entkriminalisierung ausgesprochen. Bei anderen erfahren wir (und die jeweiligen Mitglieder) nicht, wie die Entscheidung ausgefallen ist. In den USA haben die Legalisierer des big business wohl gewonnen, in Australien findet die endgültige Entscheidung Anfang am 4. Juli statt, zumindest was die Mitglieder angeht. Hier werden Mitglieder immerhin in einer landesweiten Entscheidung gefragt und Sprecherinnen indigener Gruppen und Aussteigerinnen wie Überlebender des Systems der Prostitution werden wenigstens angehört, wenn auch in sehr eingschränkter Weise.

Der jetzige von Amnesty verhandelte und vom International Secretariat in London weitgehend angenommene Vorschlag geht weit über die dringend gebotene Entkriminalisierung der Prostituierten - the prostituted - Frauen und anderer in der Prostitution hinaus. Wenn behauptet wird, Zuhälterei oder Menschenhandel würden nicht entkriminalisiert, so gilt das nur insofern, als hier begriffliche Verschiebungen vorgenommen werden, die den Begriff der "Sexarbeit" bewusst auf Bordellbetrieb (aller Art), auf Zuhälterei und seit einiger Zeit auf bestimmte Formen des Menschenhandels ausdehnen. "Sexarbeit" ist bei Teilen Amnestys und bei den vielen Organisationen, die immer wieder als "sex worker rights'" Gruppen genannt werden, eben nicht nur eine "sexuelle Handlung" zwischen z.B. der Frau in der Prostitution und dem Mann, der sich den Zugang zu ihrem Körper erkauft - und schon hier wird das Thema jeglicher Machtbeziehung und der Blick auf die Art der "sexuellen Handlung" sehr bewusst ausgeblendet. "Sexarbeit" bezieht auch "Vermittlungstätigkeiten" aller Art mit ein. 

Es geht um den gezielten Versuch einer Unterwanderung Amnestys zur umfassenden Legalisierung eines riesigen menschen- und dabei vor allem frauenverachtenden Geschäftszweigs.

Der momentane Stand der Diskussion kann (gleicher Text) an verschiedenen Stellen im Netz nachgelesen werden, z.B.:

und hier:

Zur Vorgeschichte und zur Diskussion besonders bei indigenen Frauen vgl. vorangegangenen Artikel auf diesem Blog:

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