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Donnerstag, 4. September 2014

Diskriminierungsstudie zu Roma und Sinti in Deutschland

Antidiskriminierungsstelle des Bundes-Logo en
By cfaerber [Public domain], via Wikimedia Commons
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat eine Studie dazu gemacht und am 3. September vorgestellt. Die Tagesschau berichtete.

Die Ergebnisse sind deprimierend, aber nicht überraschend.

Aus der Einleitung:

"Im Vergleich zu anderen Minderheiten wird Sinti und Roma die mit Abstand geringste Sympathie entgegengebracht, wie die Studie ergab. Jede/r zweite Befragte denkt, dass Sinti und Roma durch ihr Verhalten Feindseligkeit in der Bevölkerung hervorrufen."
"Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung bilden zusammen eine fatale Mischung, die Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma den Boden bereiten", warnteADS-Leiterin Christine Lüders bei der Vorstellung der Studie. Sinti und Roma würden von einem beträchtlichen Teil der deutschen Bevölkerung nicht als gleichberechtigte Mitbürgerinnen und Mitbürger wahrgenommen. Die Befunde seien dramatisch und der Handlungsbedarf von Politik und Gesellschaft erheblich."

Fazit 1: Die Diskriminierung findet nicht nur in Osteuropa statt.

Fazit 2: Wir lassen ein Beispiel sprechen. Vergleiche dazu auch die Zuschreibung von Berufen unten.

"Vielleicht fühlt es sich aus der Perspektive einer Romafrau, die im Elend lebt und rassistisch verfolgt wird tatsächlich selbstbestimmt an, in Deutschland als Sexarbeiterin zu arbeiten?"
(Zitat von Stefanie Lohaus in FAZ Blog vom 15.11.2013,07:55 Uhr. Das schwedische Modell wird dort übrigens falsch dargestellt. die Romafrau – oder jede andere Frau – wird dadurch nicht illegal.) 
 

Mittwoch, 7. Mai 2014

Prostitution, Postfeminismus und Neoliberalismus


End Misogyny

Dieser Beitrag erschien erstmals am 4. April 2014 als Gastbeitrag im Internetblog "Die Freiheitsliebe"*

Je länger diese Prostitutionsdebatte andauert, umso mehr wundere ich mich über so manche Argumentation. Hier ein paar besondere Stilblüten: 

• Amnesty International London veröffentlicht ein Positionspapier und reklamiert ein Recht auf sexuelle Befriedigung jenseits konventioneller Möglichkeiten (Perspektivwechsel: vorher ging es immer um das Recht sich prostituieren zu dürfen)
• Eine Bordellbetreiberin propagiert ein Menschenrecht (Männerrecht?) auf Sex
• Auf einer Konferenz zu Sorgearbeit wird Sexarbeit unter “Care-Arbeit” subsumiert, in einer Reihe mit „Gesundheit, Pflege, Assistenz, Erziehung, Bildung, Wohnen, Haushaltsarbeit“

Auffällig ist auch eine neoliberale Argumentation in Bezug auf Prostitution/Sexarbeit. Diese wird deutlich in der Aufforderung “Gefühle” und “Moral” (oder auch “Ethik”) doch bitte in der Diskussion außen vor zu lassen und bitteschön “rational” zu diskutieren. Wie Meghan Murphy[1] richtig bemerkt ist es doch eigentlich der Kapitalismus der keine Gefühle kennt und dem Moral und Ethik bei der maximalen Gewinnmaximierung absolut im Wege stehen. Aber Linke (und LINKE) argumentieren in der Regel so nicht und treten ein für Arbeitsschutz und gegen Ausbeutung, moderne Sklaverei (Leiharbeit), teilweise für ein bedingungsloses Grundeinkommen, mitunter sogar gegen den Lohnarbeitsfetisch (Stefan Grigat) oder gar für ein “Recht auf Faulheit”[2] (Paul Lafargue, 1883, Schwiegersohn von Karl Marx).

In der Prostitutionsdebatte gilt es jedoch plötzlich auch in linken Kreisen für legitim jemanden aus egoistischen Motiven auszubeuten, weil diese Person beispielsweise in einer schwierigen ökonomischen Situation ist – und deshalb Sex gegen Geld “freiwillig” zugestimmt hat.

Für die freiwilligen Sexarbeiterinnen, die sagen für sie handele es sich um einen “Beruf wie jeden anderen” und eine bewusst und frei gewählte Tätigkeit, wird mit Händen und Füßen, auch von Linken, für den Erhalt dieses “Marktsegments” gekämpft. Komisch: Ich hab noch nie jemanden aus den “eigenen Reihen” gehört der/die sagte: “Es gibt auch glückliche Leiharbeiter_innen. Da können wir doch nicht grundsätzlich dagegen sein. Wir nehmen ihnen doch ihre Lebensgrundlage” Oder: “Wir dürfen nicht gegen Atomkraft oder Kohlestrom sein. Was wird denn dann aus den Menschen, die dort arbeiten?” Ich habe NOCH NIE mitbekommen, dass hier eine Forderung aufgestellt wird, die eigene Ethik und Moral beiseite zu stellen und gefälligst mal “rational” zu argumentieren. Oder doch mal den Betroffenen zuzuhören was die eigentlich wollen. Hat es nicht auch mal Demos der Kohle-Kumpel zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze gegeben? Und haben dann Linke nicht gesagt man muss natürlich Alternativen für sie schaffen, aber an den umweltpolitischen Zielen selbstverständlich festhalten, weil wir nicht weiter die Erde so gewissenlos zugrunde richten dürfen wie bisher?