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Samstag, 5. September 2015

Entkriminalisierung, Regulierung … die Debatten. Oder: Was die "Entkriminalisierung aller Aspekte" (Amnesty) bedeutet.

Fußschellen
CC BY-SA 3.0
Wikimedia Commons
Im Zusammenhang mit dem sehr umstrittenen Entschluss seitens Amnesty Internationals vom 11. August 2015, die Entkriminalisierung zahlreicher Aspekte der Prostitution zu fordern bzw. die "full decriminalization of all aspects of consensual sex work", sehen wir wieder Artikel, die das hohe Lied einer von rechtlichen Beschränkungen weitgehend befreiten „Sexarbeit“ singen und die dabei die angebliche Sicherheit und die angeblichen Chancen der Frauen, Menschen in der Prostitution ins Feld führen, eine Sicherheit, die ausgerechnet in einem Wegfall von Bestimmungen zum Thema liegen soll.

Deutschland experimentiert seit 2002 in den verschiedenen Städten mit verschiedenen Modellen der Legalisierung (Reglementierung) und völligen Entkriminalisierung des Prostitutionsgewerbes. Keiner der Ansätze hat die Situation derjenigen in der Prostitution, überwiegend Frauen, verbessert, im Gegenteil. Entstigmatisiert wurden nur Freier und Bordellbetreibende, die wirtschaftliche Situation der Frauen selbst hat sich verschlechtert und sie haben kaum Möglichkeiten, irgendwelche Rechte einzuklagen, da fast alle Praktiken innerhalb des riesigen Geschäfts Prostitution mit entkriminalisiert wurden. Dies gilt schon für Zuhälterei und betrifft z.T. sogar Menschenhandel (bei über 21-Jährigen), die beide nur noch dann als strafbar gelten, wenn "Ausbeutung" vorliegt; alles andere wurde in Zuge des Gesetzes von 2002 entkriminalisiert.


Mittwoch, 19. August 2015

Antwort an Amnesty: Die Entkriminalisierung des Sexkaufs schädigt alle Frauen (und besonders arme Frauen) und das Ideal der Gleichstellung.

via @ArtOfDissent
zur Verwendung von der Grafikerin
freigegeben
Von Ángeles A. Auyanet

Prostitution hat Auswirkungen auf die Vorstellungen dazu, was eine Frau ist und was von ihr erwartet werden kann.

Durch die Entkriminalisierung des Sexkaufs legitimieren wir Ansichten und Vorstellungen, die nicht nur beeinflussen, wie Männer Frauen wahrnehmen, sondern auch wie Frauen sich selbst wahrnehmen.

Prostitution wird oft als persönliche oder individuelle Entscheidung angesehen. Diese Sicht übergeht die Erkenntnis, dass Prostitution in Wirklichkeit institutionalisiert ist und damit eine soziale Funktion erfüllt. In den letzten Jahrzehnten hat die spanische Gesellschaft erkannt, dass gender violence, geschlechtsspezifische Gewalt, ein strukturelles und kein individuelles Problem ist. Früher wurde sie für eine Privatsache zwischen einem Mann und seiner Frau angesehen, heute jedoch hat sich die öffentliche Wahrnehmung geändert, wir erkennen darin ein soziales Problem, das abgeschafft werden muss.

Warum ist so schwierig, Prostitution als ein soziales Problem zu begreifen, das einer öffentlichen Lösung bedarf?