| von Tomas Castelazo (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons |
1. Prostitution ist niemals freiwillig
In Deutschland arbeiten schätzungsweise 500.000 Prostituierte. Die meisten von ihnen, etwa 90 Prozent kommen aus dem Ausland, aus den sogenannten Armenhäusern Europas, also Ungarn und Rumänien. Teilweise werden sie unter falschen Versprechungen hierher gelockt, weil man ihnen erzählt, sie könnten hier als Kellnerinnen arbeiten, teilweise kommen sie aber auch im vollen Bewusstsein dessen, was sie hier erwartet. Das Geld, das sie hier verdienen, wird ihnen von ihren Zuhältern abgenommen. Sie selbst behalten nur einen Bruchteil. Ihre Zuhälter erklären ihnen, dass sie Schulden bei ihnen haben, die sie zunächst abarbeiten müssen. Da die Mehrzahl von ihnen illegal im Land ist, trauen sich die wenigsten, sich dagegen zu wehren. Aber auch die Frauen, die nicht unter diesen Umständen anschaffen, erklären nicht als Teenager auf einmal: “Ich möchte gerne Hure werden”, so wie andere Mädchen gerne Prinzessin oder Tierärztin werden möchten. Sie rutschen in diese Umstände hinein. Häufig werden sie von sogenannten “Loverboys” angeworben, die sich zunächst als ihre Freunde ausgeben und sie dann Stück für Stück in die Prostitution einführen. Studien zeigen außerdem, dass 90 Prozent aller Prostituierten bereits in ihrer Kindheit Missbrauchserfahrungen gemacht haben. Die Prostitution ist für sie häufig ein Weg, mit den Erfahrungen umzugehen, weil sie zum ersten Mal etwas “wert” sind. Darüber hinaus ist es oft die bittere Armut die Frauen in die Prostitution treibt: Eine fehlende Ausbildung, Kinder, die ernährt werden müssen, ein Kredit der nicht bezahlt werden kann und schon rutschen sie in das System Prostitution und kommen nicht mehr heraus. Eine Frau, die sich aus Armut prostituiert, prostituiert sich nicht freiwillig. Wenn eine Frau dieser Tätigkeit aus Spaß am Sex nachgehen möchte, dann müsste sie dafür kein Geld nehmen oder es nicht mit zehn Freiern am Tag machen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Sobald dahinter ein finanzieller Zwang steht, ist es keine Freiwilligkeit mehr. Wie freiwillig diese Frauen ihren Job machen, zeigt im Übrigen die Antwort auf die Frage, ob sie wollten, dass ihre eigenen Kinder den gleichen Berufsweg einschlagen: Nein, niemals!
