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Freitag, 3. April 2020

Corona, Gewalt, Prostitution – Deutschland. Oder: Rettungsschirm für geschlossene Bordelle!


Es gibt keine Krise oder Katastrophe, die nicht noch verschlimmert werden könnte, und in Deutschland gibt es keine Brutalität, aus der nicht noch findige Menschen Profit schlagen wollen. Vermutlich ist das überall so. Aber in Deutschland gibt es so dermaßen gehirngewaschene Menschen, dass ihnen dies in aller Naivität naheliegend, ja wünschenswert, zumindest doch völlig normal erscheint. Und es ist ja auch naheliegend. Es ist „normal“. Es ist gesellschaftliche Praxis.  


In einer atemberaubenden Präzision finden wir diesen Ansatz prägnant zusammengefasst in einer hübschen Frage:

… können von Gewalt betroffene Frauen vorübergehend in geschlossenen Bordellen untergebracht werden …?


Das ist kein Scherz und keine Satire, trotz der abgrundtief bitteren Ironie darin, trotz einer Haltung, deren eigene Bloßstellung nur noch durch die Verhöhnung der gemeinten Frauen, aller Frauen und unserer Gesellschaft übertroffen wird. Wobei die Gesellschaft insgesamt das verdient hat.

Vielleicht ist daher die Überschrift mit dem Rettungsschirm die beste.

Konkret geht es um das Bundesfamilienministerium, um das Statement der Frauenpolitischen Sprecherinnen der Bundesgrünen und um ein Statement des BSD, des Bordellbetreibendenverbands in Deutschland. Im Einzelnen und der Reihe nach geht es um eine inzwischen offenbar zurückgezogene Idee einzelner aus dem Bundesfamilienministerium und aus dem Berliner Senat, die zu erwartenden Engpässe bei der Unterbringung von Frauen, die in ihren Beziehungen Männergewalt ausgesetzt sind, mit „pragmatischen und unkonventionellen Lösungen“ aufzufangen, und offenbar gehörte hierbei vorübergehend der Gedanke dazu, die geschlossenen Bordelle zu nutzen.

Mittwoch, 27. November 2019

Körperliche Schäden der Prostitution - Bericht einer Frauenärztin aus der offenen Arbeit


Wikipeda CC BY-SA 4.0
Ein Beitrag von Liane Bissinger, Frauenärztin, München 2019. 
Ich bin Frauenärztin mit eigener Praxis in München. Von 1996 bis 2000 habe ich in Hamburg in der „Zentrale Beratungsstelle für Sexuell Übertragbare Erkrankungen", damals kurz „ZB" genannt, gearbeitet. Dies war in Zeiten vor dem Prostitutionsgesetz (2002) und dem Prostituiertenschutzgesetz (2017) ein vergleichsweise fortschrittliches Modell der Stadt Hamburg zur Beratung und Untersuchung für Menschen, überwiegend Frauen, in der Prostitution. Das Angebot war kostenlos, freiwillig und anonym.
Mein folgender Beitrag bezieht sich auf meine Arbeit und Erfahrung dort, wo ich sowohl aufsuchende Arbeit (Streetwork) als auch gynäkologische Arbeit in der „ZB" geleistet habe. Sowohl die Jahre als auch die beiden Gesetze haben aus meiner Sicht nichts geändert an den gesundheitlichen und körperlichen Schäden, die die Frauen erleiden mussten und müssen.
Die Auswirkungen für die Psyche, die Traumatisierung ist oft im Vergleich mit körperlichen Schäden noch tiefer, nachhaltiger und schwer therapierbar.
Die finalste Schädigung, die Ermordung von Frauen in der Prostitution, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen; von 2002 bis 17. Oktober diesen Jahres wurden 91 „entdeckte" Morde an Frauen in der Prostitution dokumentiert.
Damals ging es natürlich bei aller „Fortschrittlichkeit" und dem Verzicht auf Zwangsuntersuchungen im Kern um den Schutz der Männer/Prostituierer vor Geschlechtskrankheiten. „Ohne Gummi" war immer schon gefordert. So lag der Hauptfokus unserer Arbeit auf den STI, sexually transmitted infections, die mit klassisch gynäkologischen Untersuchungen und Bluttests überprüft wurden.
Tripper, Chlamydien, Trichomonaden, Feigwarzen wurden regelmäßig diagnostiziert. Leider auch immer wieder Syphilis, Hepatitis und auch HIV. Überflüssig zu erwähnen, dass diese Diagnosen im Vergleich zur „Normal-Bevölkerung" häufiger waren. Bei diesen Untersuchungen zeigten sich aber auch noch viele andere Befunde am und im Unterleib der Frauen: durch zahllose Vaginal-Spülungen mit z.T. gefährlichen Substanzen zerstörte Vaginalflora, die somit bar jeglichen Immunschutzes pure Eintrittspforte für Infektionen und Entzündungen sind, und, wie man heute weiß, ein besonderes Risiko für Cervix-Carcinom (Gebärmutterhals-Krebs) bieten; Einrisse, Verletzungen, Fissuren durch Überdehnung oder gezielt beigefügte Verletzungen. Einrisse besonders am Anus (Schließmuskel) und im Enddarm.
Häufige Blasenentzündungen zählen fast schon zum Alltag, manche nahmen prophylaktisch Antibiotika (falls sie es sich leisten konnten).
Beckenboden-Schwäche. Es gab auch einige Fälle ganz junger Frauen, die bereits Probleme hatten, den Urin bzw. den Stuhlgang zu halten. Dies ist eigentlich ein Phänomen, das wir mit Geburten assoziieren. Aber der Beckenboden ist ein sehr vielschichtiges System aus Geweben und Nerven und die ständig wiederkehrende Überdehnungs- und auch Vergewaltigungs-Situation verursachen so z.T. irreversible Schäden in diesem Bereich.
Entzündungen im Unterbauch, z.B. Eileiter-Entzündungen mit stärksten Schmerzen machten Krankenhaus-Einweisungen notwendig (wir hatten damals behördliche Krankenscheine). Dies führt übrigens besonders häufig zu Unfruchtbarkeit.
Ungewollte Schwangerschaften. Meiner Erfahrung nach nahmen damals die meisten Frauen die Pille oder hatten die 3-Monats-Spritze. Trotzdem kam es mehrere Male zu Schwangerschaften. In einem Fall, den ich erinnere, war es schon so weit fortgeschritten (und verdrängt!) , dass die Schmerzen, mit denen die Frau kam, sofort in den Kreißsaal führten. Unvorstellbar, dass sie so bis dahin sich den Freiern aussetzten musste. Ihr weiteres Schicksal konnte ich nicht verfolgen. Andere Frauen mit früherer (und auch bemerkter) Schwangerschaft, hatten die allergrößten Schwierigkeiten – damals ohne legalen Status und Krankenversicherung – einen medizinisch akzeptablen Schwangerschaftsabbbruch zu bekommen.
Verhütung. Oft gab es Probleme mit der Regelmäßigkeit oder Verlässlichkeit der Verhütungsmaßnahmen. Z.B. führen Darmprobleme zu einer herabgesetzten Wirksamkeit der Pille. Das Risiko von Thrombosen schätze ich im Bereich der Lebenswelten der prostituierten Frauen als absolut erhöht ein. Zigarettenrauchen, mangelnde Bewegung, nicht erfasste sonstige Risikofaktoren.... Ich habe im Rahmen der ZB- Arbeit eine Thrombose mit Lungenembolie erlebt.
Zerstörte Darmflora (und ein damit geschwächtes Immunsystem) hatten viele Ursachen: häufige Einläufe, um den Stuhlgang (wegen analer Praktiken) zu kontrollieren, ein komplett entzündetes Magen-Darm-System aufgrund von häufigem Erbrechen durch Ekel, orale Praktiken, miserable Ernährungssituationen, Mangelernährung, Essstörungen, nervöse Störungen.
ZahnMundKiefer-Erkrankungen. Durch die fehlende Krankenversicherung, durch Selbstbetäubung, mangelnde Selbstfürsorge oder Verletzungen wurden regelmäßig Entzündungen in diesem Bereich verschleppt. Mit der Gefahr von Eiterherden, die wiederum das Gesamtsystem noch weiter schwächten.
Hautekzeme. Mangelnde Hygiene der Freier, der Einrichtungen, aber auch psychischer Ekel, der sich seinen Ausdruck in Ekzemen sucht.
Schmerzen. Eigentlich immer und überall. Kopfweh. Durch Schläge, Verspannung, insbesondere durch die Verkrampfung im Nacken und Kieferbereich bei unendlich sich wiederholenden oralen Praktiken („Blasen"). Halsweh. Schmerzen von „oben bis unten". Häufig wurde über Schmerzen in den Hüftgelenken geklagt (stundenlang die schweren Gewichte der Freier über ihnen mit den gewalttätigen Stößen).
„Unklare" Bauchschmerzen, unklar, weil sich die Schmerzen nicht auf einen bestimmtes Organ, einen bestimmten Auslöser lokalisieren lassen, sie aber so heftig sein können, dass an OP gedacht wird. Psychosomatisch nennt man das dann.
Schlafstörungen. Keine regelmäßigen Zeiten für Schlaf durch jederzeit zur Verfügung stehen müssen. Schlafen im gleichen Bett, wo vorher die Begegnung mit dem Freier stattgefunden hat, fehlender Tag/Nacht –Rhythmus mit fehlendem Tageslicht, immer Kunstlicht, Lärm. Dafür Schlafmittel.
Substanzmissbrauch. Nikotin, Alkohol, Drogen, Medikamente. Anders kann der Alltag nicht ertragen werden.
Zusammenfassend möchte ich nochmals zum Ausdruck bringen, dass es sich bei dem Dargestellten um meine Arbeitserfahrungen als Gynäkologin in dieser Hamburger Beratungsstelle handelt und keinen Anspruch auf statistische Signifikanz erhebt.
Ich bin mir jedoch sicher, dass die beschriebenen Probleme in den verschiedenen Bereichen der Prostitution und auch nach den 2 gesetzlichen Regelungen in den Jahren seither, sich in keiner Weise verändert haben. Wie auch? Das System der Prostitution ist frauen- und menschenverachtend, auf Ausbeutung und Grausamkeit aufgebaut und es geht vor allem um Machtausübung der Männer über die Frauen und um maximalen Profit.
Nur die Abschaffung dieses Systems kann die Lösung sein!
Liane Bissinger, Frauenärztin

Freitag, 2. November 2018

Rechtfertigungen der Prostitution im 21. Jahrhundert


Bei Diskussionen und Veranstaltungen zu Prostitution stellen wir immer wieder fest, dass die Zeit der Verherrlichung oder der völligen Naivität zum Thema vorbei ist. Die meisten Frauen und viele Männer wissen, dass Prostitution brutal ist und dass dies sich nicht einfach durch eine positive Rhetorik verändern lässt, dass es nicht ausreicht, positiv von „Sexarbeit“ zu sprechen und schon verschwindet die Gewalt von selber, weil sie nicht mehr im „Diskurs“ vorhanden ist und deswegen nicht mehr im Zusammenhang mit Prostitution gedacht werden kann – so der etwas naive „dekonstruktivistische“ Ansatz.


Ein Blick auf den Umgang unserer Gesellschaft mit Gewalt in Beziehungen hätte immer schon ausgereicht, diesen Ansatz zusammenfallen zu lassen. Kaum etwas wird in unserer Gesellschaft so romantisiert wie „Liebe“ und Ehe – und gerade in Partnerschaften und Ehen ist Gewalt, und zwar Gewalt durch Männer, sehr verbreitet, sehr totgeschwiegen und gerade der Zusammenhang zwischen dieser Gewalt und Romantisierung verdient in der allgemeinen Gesellschaft die Aufmerksamkeit, die eine Reihe von Feministinnen ihm schon lange widmet.

Was uns allerdings immer wieder begegnet, auch von empathischen Menschen, sind zwei Bedenken. Eins davon ist der hartnäckige Mythos, demzufolge eine Legalisierung der Prostitution samt Freiern und begleitendem Geschäftsmodell sie irgendwie sicherer machen würde (1). Das andere ist die Frage nach den Frauen, die uns in den Medien begegnen und die betonen, hier ihre berufliche Selbstverwirklichung gefunden zu haben. Sie berufen sich dabei auf die Artikel 2 und 12 des Grundgesetzes (Selbstverwirklichung und Berufsfreiheit) und treten oft recht manipulativ auf, als junge unschuldige Frauen, die ja nur etwas sehr Harmloses für sich wollen - „warum wollt ihr uns das wegnehmen?“

Als eingehende Bemerkung sei hier vorangestellt, dass sich dieser Artikel nicht gegen diese Frauen richtet. Ebenso möchte ich voranstellen, dass diese sehr abstrakten Überlegungen zu Prostitution sich auf eben diese akademische, theoretische und mediale Ebene beziehen. Diese Ebene hat kaum Berührungspunkte mit der Realität der Prostitution, im Gegenteil: Sie soll die Realität verdecken. Leider ist es diese Ebene, auf der eben Öffentlichkeit, „Diskurse“ und damit Gesetze beeinflusst werden, und daher müssen auch wir uns immer mal wieder auf dieser Ebene bewegen.

In den Medien und in der Öffentlichkeit werden Frauen, die freiwillig „Sexarbeit“ gewählt haben, zur Rechtfertigung der Prostitution als Geschäftszweig und gesellschaftliches Phänomen herangezogen. Es gilt als progressiv. Nicht so „moralisch“. Was dabei übersehen wird:

Es handelt sich hierbei um die Rechtfertigung der Prostitution aus dem 18. und aus dem 19. Jahrhundert, um ihre Rechtfertigung bis in die 60er und 70er Jahre und darüber hinaus im 20. Jahrhundert.

„Manche Frauen sind halt so.“ - Dies ist der Kernsatz dieser Rechtfertigung, der Rest ist moderne Sauce, Deko.

Diese Rechtfertigung läuft im Einzelnen so: Prostitution existiert, weil es Frauen gibt, die unbedingt – Prostituierte – sein wollen. Es gibt Frauen, die eben so sind, und daher gibt es Prostitution. Das war neben Theorien über die Triebhaftigkeit von Männern, neben der Trennung der Frauen in „Ehefrauen“ und „Huren“, ein wesentlicher Pfeiler der Rechtfertigung des Freiertums. Die Freier mussten sich zu den von ihnen benutzten Frauen keine Gedanken machen, die Gesellschaft auch nicht – die waren eben so. Triebhaft, oder einfach dumm oder dies oder das – sie waren jedenfalls diejenigen, die in der Prostitution sein wollten und daher gab und gibt es das Phänomen, und daher muss oder sollte es das Phänomen geben (2). An diesem Ansatz hat sich nichts geändert außer der Dekoration. Die – Prostituierte – ist jetzt eine – Sexarbeiterin - , ihre Entscheidung ist freiwillig, jedenfalls so freiwillig wie die zu anderen Jobs auch, und daher müssen sich weder Freier noch Gesellschaft Gedanken machen, im Gegenteil, Prostitution zu ermöglichen gilt als ethische Tat. In Wirklichkeit handelt es sich um die einfache Praxis, Männern grundsätzlich Frauen zur sexuellen Benutzung zur Verfügung zu stellen, was sich geändert hat, ist lediglich die moralische Sauce, die darüber gekippt wird.

Dass es Prostitution gibt, weil wir in Gesellschaften leben, in denen der Wunsch eines Mannes Befehl ist und die daher ein Recht von Männern konstruieren, Frauen zu benutzen, wird damit aus dem Blickfeld gekickt, die Tatsache, dass in neoliberalen und kapitalistischen Gesellschaften auch Befehle monetarisiert werden können, ebenso. Dennoch ist das die Ursache der Institution Prostitution, nicht der Wunsch einzelner Frauen, darin ihr Geschäft zu gründen. Welche Rolle die Wünsche von Frauen nach Selbstverwirklichung und nach beruflicher Selbstgestaltung in unserer Gesellschaft sonst spielen, ist ja nun an jeder Statistik zur Armut, zur Altersarmut, zu Einkommen und zu Führungspositionen abzulesen. Nur bei Prostitution – da unterstützen sie uns gerne, wenn es um „das Recht“ geht, in der Prostitution zu sein, da stehen sie alle hinter uns, von Taxifahrern bis zu Uniprofessoren und Richtern. Danke, nein danke.

Soweit die gesellschaftliche und auch die abstrakte Ebene. Bleibt natürlich noch die konkrete Ebene der einzelnen Frau, die eben von sich sagt, dass sie genau dieses System für sich nutzen will und dabei weder gestört noch beleidigt werden will. Letzteres: Unbedingt, und da sind wir uneingeschränkt auf ihrer Seite. Ersteres – bedingt. Sie darf dafür kämpfen, das sagen, sich dafür einsetzen: Das fällt unter Artikel 5 unseres Grundgesetzes (Meinungs- und Pressefreiheit) und ggf. auch unter Artikel 8 (Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit). Nur verpflichtet das niemanden, jede Geschäftsidee zu unterstützen. Wenn wir das schon auf einer antiseptischen abstrakten rechtlichen Ebene diskutieren, so nehme ich hier das Beispiel der Atomkraftwerke, der Atomenergie. Meinetwegen auch Fracking, oder Braunkohleabbau. Es gibt bestimmt ausgezeichnete Atomwissenschaftlerinnen, die gerne in einem AKW arbeiten würden, ein solches leiten würden, die daran keinen Schaden nehmen würden und die das auch gut könnten – deswegen stelle ich denen trotzdem kein Atomkraftwerk hin, unterstütze weiterhin die GegnerInnen der Rodung des Hambacher Forsts, und möchte kein Fracking hier (3). Die einzelne Frau kann für sich selbst solche Entscheidungen treffen – es ist ja nicht illegal, selber in der Prostitution zu sein. Sie kann sich einen Kundenstamm aufbauen und auf der persönlichen Ebene dabei bleiben, dass die Männer, mit denen sie zusammen ist, den sexuellen Zugang und eine bestimmte Inszenierung dann eben bezahlen müssen. Daran ist sie nicht gehindert. Der ganze Geschäftszweig darum herum fällt allerdings aus. Und in der Tat kann ihr hin- und wieder ein Kunde abhanden kommen. Allerdings hat sie bei Gewalt durch den Kunden zwar immer noch geringe Chancen – welche Männer nutzen eine Frau, bei der sich herumspricht, dass sie anzeigt, egal in welchem System? - aber doch wenigstens einige, da der Freier wenigstens per se nach dem schwedischen Ansatz im Unrecht ist, und nicht die Frau.

Bleibt noch die dezidiert nicht mehr a-septische, saubere, hübsche, abstrakte Ebene. Die Ebene, die wir täglich auf der Kurfürstenstraße besichtigen können, so wir das wollen. Diese Ebene lässt sich weder durch positives Gerede zur „Sexarbeit“ verbessern – im Gegenteil – noch wird sie durch die Freierbestrafung per se beseitigt. Sie braucht zusätzliche Interventionen, beziehungsweise das Gesamtpaket des schwedischen Modells, in dem die Kriminalisierung der Freier eine wesentliche Rolle spielt, so wie andere Einstellungen in der Gesellschaft, so wie vor allem Angebote an Frauen, die sie wirklich aus der Armut holen. Aber auch hier wollen wir gesellschaftskritische Menschen und gerade solche, die sich eher als links sehen, zu Analyse und Nachdenken ermutigen: Welchen Beitrag leistet ein Geschäftszweig, der die Marginalisierung, Stigmatisierung und die Armut vieler Frauen braucht, damit sie zur Verfügung stehen, zur Beseitigung dieser Armut und Marginalisierung? Welchen Beitrag leistet Prostitution als Geschäftszweig zur Beseitigung ihrer eigenen Ressourcen? Dieser Geschäftszweig und die ihn finanzierenden Männer haben jedes Interesse daran, Armut, Marginalisierung und Stigmatisierung als Ressource aufrecht zu halten. Solange unsere Gesellschaft Prostitution für akzeptabel oder wünschenswert hält, wird sie an der Situation von Frauen und Mädchen, auch von ausgegrenzten jungen Männern, nichts ändern.


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  1. Zu diesem Thema gibt es inzwischen kilometerlang Artikel und Studien. Die Kurzfassung ist folgende: Das einzige, was eine Legalisierung oder Entkriminalisierung von Zuhälterei, Freiertum, Bordellbetrieb und Vermittlungsdiensten bringt, ist ein explodierter Markt, eine erhöhte Bewerbung und eine ausufernde Anspruchshaltung seitens der Käufer. Damit explodieren auch die Begleiterscheinungen der Prostitution: Gewalt, Übergriffe, Menschenhandel, Zwangsprostitution, Krankheiten und immer schlechtere Bedingungen für die Ausübung der Prostitution seitens derer, die ihren Körper hinhalten (müssen). Das Ganze jetzt noch systematischer besteuert. Schöner Erfolg, nicht wahr? Nicht.
  2. Weitere Lektüre zu diesem Thema: Kajsa Ekis Ekman, Ware Frau: Prostitution, Leihmutterschaft, Menschenhandel. Deutsch: Orlanda Frauenverlag GmbH, 2016.
  3. Zum Thema Berufsfreiheit vgl. auch das Urteil zur Verfassungsbeschwerde seitens Eon, RWE und Vattenfall. Betreiber hatten versucht, den Ausstieg aus der Atomenergie u.a. mit Hinweis auf die Berufsfreiheit gerichtlich zu stoppen. Es hat nicht geklappt. Einzelheiten: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/energiepolitik/verfassungsgericht-verhandelt-milliardenklage-gegen-atomausstieg-14121995.html
    und:
    https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2016/12/rs20161206_1bvr282111.html



Sonntag, 29. Juli 2018

Stigmatisierung, Wertschätzung, Tatsachen – und angemessene Sprache

Gesellschaftlich sind diejenigen stigmatisiert, die in der Prostitution sind. Diese Stigmatisierung der "prostituierten" ist für das Funktionieren der Prostitution als System auch wichtig - ohne diese Ausgrenzung gäbe es keine Prostitution. Der Begriff der „Prostituierten“ trägt dieses Stigma mit sich. Wie also damit umgehen? Eine Sprache, die alle Zusammenhänge verdeckt, kann es ja nicht sein, denn das ist nichts anderes als Beschönigen, Reinwaschen von Gewalt und Propaganda. Sonst übliche Begriffe scheiden selbstredend aus – wie also sprachlich auf diese Probleme reagieren? Wie können wir Tacheles reden ohne verletzend zu sein?

Ende Oktober 2014 wandten sich zusammen mit der Coaltion Against Trafficking in Women und Sanctuary for Families über 300 NGOs und Betroffenenverbände an die Associated Press um ihre Bedenken gegenüber sprachlichen Manipulationen zum Begriff der Prostitutution deutlich zu machen. Lobbyverbände der Sexindustrie wollten den Begriff der Prostitution durch „Sexarbeit“ ersetzen und den der (oder des) Prostituierten durch den Begriff „Sexarbeiter“ oder „Sexarbeiterin.“

Samstag, 28. Juli 2018

Das „F*ck you!“ der taz an Frauen.

Anlass: Berichterstattung und Kommentar in der taz zur Trennung von Terre des Femmes Deutschland und Terre des Femmes Schweiz (1).

Bei Themen wie Flüchtlingen, vielen sozialen Themen und der AfD ist die taz gut und eine notwendige Stimme in der Presselandschaft.

Bei Frauen allerdings nicht.

Zu Feminismus und besonders bei kontroversen Themen wie Prostitution oder Verschleierung sehen wir fast ausschließlich eine einseitige, uninformierte und diffamierende Berichterstattung, auch wenn es ein paar Ausnahmen gibt.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Petition aus Portugal: Keine Regulierungen, sondern Abschaffung!

Der Stadtrat in Lissabon plant, Prostitution in Lissabon als „Sexarbeit“ zu regulieren. Wir sehen hierzulande ja täglich, worauf das hinausläuft. Wenn sich die Mehrheit im Stadtrat so entscheidet, bedeutet das für ganz Portugal ein gefährliches Signal.
Portugiesische AbolitionistInnen bitten um Unterzeichnung und Verbreitung dieser Petition:
Der deutsche Text (via Google Übersetzung):
Prostitution ist eine Form der Gewalt gegen Prostituierte, insbesondere gegen Frauen und Kinder. Es ist ein ernstes soziales Problem, eine Form der Ausbeutung, die den sozialen Status und die Rechte aller Frauen untergräbt.

Dienstag, 27. März 2018

Mythen zur Prostitution - und Antworten

Kiki Smith, Untitled. 1988 
Da immer wieder die Frage nach Entgegnungen auf die Mythen zur "freiwilligen Prostitution" und zur "Sexarbeit" auftaucht, bietet dieser Artikel eine Zusammenstellung der Entkräftigungen.

Um den Überblick nicht zu verlieren bei all den Mythen und Antworten, hier ein paar Vorbemerkungen. Wie Kajsa Ekis Ekman es an einer Stelle in ihrem Buch "Ware Frau" gut zusammenfast: Die Seite der Sexindustrie hat keine Argumente, und schon gar keine zusammenhängenden, sie hat lediglich eine Marketing Strategie, die den jeweiligen Gegebenheiten angepasst wird. In queeren Zusammenhängen wird aus "Lust an der Sexarbeit" schon mal eine sexuelle Orientierung, in konservativ-männlich-liberalen wird mit individuellen Freiheitsrechten argumentiert, in oberflächlichem Feminismus mit der sexuellen Selbstbestimmung und dem Recht von Frauen, über ihren Körper zu verfügen. Die unabdingbar sind - deswegen schaffen wir Prostitution ja ab. 

Montag, 12. Februar 2018

Die Schwedische „Rose Alliance” – eine betrügerische Organisation



Die „Rose Alliance“ ist ein schwedischer Verband, der sich als Betroffenenorganisation für prostituierte Frauen ausgibt. In Debatten betonen seine Mitglieder die Wichtigkeit der Trennung von freiwilliger und erzwungener Prostitution. Aber wer sind sie und wessen Interessen vertreten sie wirklich? 

Von Gerda Christenson (Kvinnofronten, Schweden)
Übersetzung: Elisabeth Lauer
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Die schwedische Rose Alliance ist eine Organisation, die vor allem außerhalb Schwedens bekannt ist. Ihre Sprecherin Pye Jakobsson hat in mehreren internationalen Organisationen hohe Positionen inne und wird oft als Prostitutions-Expertin zur Rate gezogen. Denn sie hat es geschafft ihren Verband so zu präsentieren, als würde er die Gesamtheit der prostituierten Frauen Schwedens vertreten.

In Debatten spricht Jakobsson von „uns Sexarbeiterinnen“, fast so als könnte sie für alle Frauen in der Prostitution sprechen. Selten wird eine Frau, die sich öffentlich für Prostitution und Pornografie ausspricht und suggeriert sie spräche für die Mehrheit ihres Geschlechts, hinterfragt. In der Regel freuen sich die Medien über jeden Beitrag über „glückliche Huren“.

Dienstag, 23. Januar 2018

Don't let facts ruin my reputation -


Three Monkeys
Oder: Ich lass mir mein Gerede doch nicht durch Fakten kaputt machen.

Zu Mithu Sanyals Satzreihen in der heutigen taz online.

Dr. Ingeborg Kraus ist eine international anerkannte deutsche Traumatherapeutin, die sich auf Grund ihrer Arbeit gegen die sexuelle Benutzung von Frauen, jungen Männern und Trans* gegen Geld einsetzt. Da Prostitution männliches Herrschaftsdenken bedient (der Mann will etwas, also hat die Gesellschaft es für ihn einzurichten), wird in der Tat von Männern als Käufern gesprochen. Die Machtstruktur, die Prostitution erst ermöglicht und die von ihr gestützt wird, ändert sich nicht dadurch, dass verzweifelt immer wieder von Kund*_innen geschrieben wird, es ist ein eigentümliches Phänomen der deutschen Gesellschaft, dass nirgends so schnell geschlechtergerecht formuliert wird, wie dann, wenn es um sexuelle Gewalt geht. Noch den eingefleischtesten Vertrendenden des generischen Maskulinums gelingt es plötzlich, weibliche Formen in ihren Wortschatz aufnehmen. Aber dies nur am Rande.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Überlebensmechanismen und Trauma-Bonding in der Prostitution

CC BY SA 2.0. - Kiran Foster
“Wir wurden gebrochen. Wir wurden zerrissen. Wir erhielten von $20 bis $5000 und es fühlt sich gleich an. Es fühlt sich an wie $2. Es gibt keinen Unterschied zwischen High-Class und Low-Class. Ich habe alles davon hinter mir und es fühlt sich alles gleich an” - Ne`cole Daniels
 „Ich war ein High-Class-Escort und wir haben uns immer vorgemacht, dass das, was wir getan haben, so viel besser war, als das, was die Prostituierten auf der Straße oder in den schäbigen Bordellen tun. Die Wahrheit ist, dass wir genau das Gleiche gemacht haben: wir hatten gefakten Sex für Geld. Es macht keinen Unterschied, dass die Laken sauber waren“ - Tanja Rahm
Immer wieder stellen wir in Debatten fest, dass die Gruppe der prostituierten Frauen aufgesplittet wird: In zwangsprostituierte Frauen und „freiwillige“ prostituierte Frauen. Wenngleich die Definition dessen, was Zwang bedeutet, variiert, ist die Logik immer die gleiche: Es gibt Frauen, die gezwungen sind, sich zu prostituieren, mit Gewalt oder aus ökonomischer Not heraus und die unser Mitleid verdienen – und jene, die sich „frei“ dazu entschieden haben, obwohl sie doch- ganz offenkundig - Alternativen hätten. Zum Beispiel, weil sie Deutsche sind und Hartz IV beziehen können, anders als die arme Rumänin, die hier von Sozialleistungen ausgeschlossen ist und im Heimatland im heruntergekommenen Armen-Ghetto lebt. Weil sie Akademikerinnen sind, studiert haben oder einen „anständigen“ Beruf gelernt haben. Diese Frauen haben dementsprechend in den Augen mancher „selbst schuld“ und verdienen unser Mitleid nicht.
„Die Wahrheit ist, dass Radikal-Feministinnen hier auf der richtigen Seite der Geschichte stehen und sie die einzigen Feministinnen sind, die voll und ganz verstehen, worum es geht und warum das so ist. Sozialistische Feministinnen haben meinen Respekt, aber sie haben nicht ganz verstanden, worum es geht. Prostitution existiert nicht als Folge der wirtschaftlichen Entrechtung der Frau. Armut ist begünstigender Faktor. Aber kein Grund. Begünstigende Faktoren sind keine Gründe. Sie sind einfach begünstigende Faktoren.“ - Rachel Moran
Dabei wird übersehen, dass auch Frauen, die deutsch und weiß sind und studieren, in Armut leben können. Auch sie können aus dysfunktionalen Familienverhältnissen stammen und sexuelle, physische oder oft auch emotionale Gewalt erfahren haben und ihre Traumata in der Prostitution reinszenieren. Rachel Moran weist darauf hin, dass eine Sichtweise, die nur die materiellen Lebensbedingungen als Ursache von Prostitution ansieht, verkürzt ist.

Montag, 17. Juli 2017

So viele „Frauenfreunde“ ……

„Frauenfreunde“ (und „-freundinnen“), die uns die Prostituierung ermöglichen, schöne Bordelle ermöglichen, den Straßenstrich ermöglichen, „Lovemobile“ ermöglichen, manchmal sogar Verrichtungsboxen für uns oder unsere Nachbarinnen besonders aus dem Osten aufstellen, Apartments aller Art ermöglichen, und die sich jetzt tapfer dafür einsetzen, dass der individuellen Gestaltung dieser Bordelle, Fahrzeuge, Apartments bitte nichts, und schon gar keine unangenehmen Auflagen, entgegengesetzt werden.

Die „Frauenfreunde“ machen das ganz selbstlos. Selbstlos, und nur im Interesse der sexuellen der Freiheit der Frauen und ihrer beruflichen Freiheit ermöglichen sie uns das. Sicher, bei Quotenregelungen halten sie sich zurück, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf interessiert sie eher im Zusammenhang mit den flexiblen Arbeitszeiten auf dem Strich und sonst eher nicht …. aber immerhin: Den Weg in die Prostitution ebnen sie uns gerne!


Freitag, 14. Juli 2017

Katastrophentourismus – oder endlich Konsequenzen? Brief von Save Rahab an die Stadt Frankfurt.

Abolition 2014 berichtete letztes Jahr auf Deutsch und Englisch über die Bahnhofsviertelnacht in Frankfurt, als Feiernde eingeladen waren, durch die Bordelle zu ziehen und sich ein Bild der dortigen Lage zu machen. Bereits im Vorfeld waren Versuche, über die für diese Nacht gedruckte Broschüre einzelne Bordelle zu bewerben, nach Protesten auch aus dem Stadtrat fehlgeschlagen. Der Blick in die Bordelle offenbarte dann eine Realität, die von den BefürworterInnen und VerharmloserInnen der Sexindustrie lieber vertuscht oder verdrängt wird.

Trotz der Möglichkeiten für eine breitere Öffentlichkeit, sich wirklich ein Bild vom Elend der Prostitution und der Frauen darin zu machen, lehnen wir diese Bordellbesichtigungen ab. Die davon betroffenen und angeschauten Frauen werden dadurch verängstigt und gedemütigt.

Solange aus der Einsicht in ihre Lebensbedingungen keine anderen Konsequenzen gezogen werden oder gezogen werden sollen als die üblichen Reaktionen aus Ankündigungen, Krokodilstränen, Romantisierungen und Ablenkungen, gibt es keinerlei Rechtfertigung für diese Aktionen, und auch sonst rechtfertigt der Zweck nicht die Mittel.

Unter anderem hat sich die Organisation Save Rahab nachhaltig diesem Thema gewidmet und zunächst eine Zusage erreicht, dass diese Öffnungen doch nicht mehr stattfinden sollten. Dies gilt jetzt nicht mehr. Zwar sollen wohl keine Bordelle einfach so „Nächte der Offenen Tür“ anbieten, aber Bordellführungen durch einschlägig bekannte Vereine und Personen inklusive entsprechender Belehrungen zum Thema sollen dann doch gestattet sein. (1) 

Wir zitieren eine Aktivistin: Veräppeln kann ich mich auch selbst.

Wir lehnen jede Form auch indirekter Werbung für Bordelle ab. Davon abgesehen wissen wir durch unsere Kenntnisse der Freierforen sehr genau, dass jede Beschreibung Männer anzieht, die sich an der Situation und dem Elend der Frauen erfreuen (wir nutzen ein höfliches Wort) und sie als besondere Aufforderung zur Ausübung von Gewalt wahrnehmen. Egal, welche putzigen Zettelchen zu Kondomen und Höflichkeit an sie ausgeteilt werden.

Montag, 26. Juni 2017

Feminism kicking the bucket – the häppy sexwörk lie and a feminism that just isn't.

Pixabay - CC0 Public Domain
This text by Mira Sigel originally appeared in German on the Störenfrieda website. There is also an outspoken refutation of the pseudofeminist celebration of prostitution (renamed “sexwork”) written by survivor Huschke Mau on her website, both in English and in German.

Background – in Germany, as in other countries, attitudes towards prostitution split the feminist movement (such as it is) and draws a clear line between opposing camps. Acceptance of the status quo, negotiation of terms within the current societies and male hegemony and individual empowerment to do just that? Or coherent political and ideological criticism of male hegemony and the status quo? A marketing of oppression, when it comes to sexually exploitative practices, or an ending of these practices? “Sex work” as an aspect of female (and female*) sexual liberation? Or a form of oppression? After being presented with the usual marketing strategies put forward by the sex industry, this time regurgitated by a group of people who call themselves “Feminismus im Pott”, Abolition 2014 were relieved to see feminists take this up and publish a reply. Solid myth busting, and we hope useful to our sisters and fellow abolitionists around the world.

The Störenfriedas, the “Disturberesses of the Peace“, people say, are always so much against everything. That is true. We are against a lot of things. We are here, because we loudly and clearly want to give voice to an opposing view, because we've had it with feminism becoming a lifestyle, with women no longer demanding nothing less than freedom for themselves, even when that means attacking ancient privilege and being downright inconvenient. A feminism that is convenient, pleasant, that is applauded by the centre of a society that neither recognises nor reflects upon its patriarchal precepts is no feminism, but this contradiction escapes most, and not by coincidence. Engage in “inclusive“ feminism, and you'll be used as a fig leaf, with publicity. Call out bullshit, and you'll be attacked. The first category is exemplified by the “Positioning on Sex Work“ by the feminist collective Feminismus im Pott. (1)

For quite some time I hadn't wanted to read it, because in the end it is only a repetition of the prostitution-bullshit-bingo we all know ad nauseam, but then I read it anyway. Doing so, I didn't know whether to laugh or to cry. Laugh, because such a contradictory stance steeped in lobby-speak  clearly unmasks what this is about (most certainly not the women, who anyway may only be named with loads of asteriks and other decorations (2) - “we are not all male“), or cry, because it shows that all the feminist struggles, all the courageous women across the world battling against a devastating and deeply misogynist system of exploitation and progressing there are bitterly needed and yet are being thrown back again and again within feminism.

Why? Why do we succeed in convincing hardcore brothel users that it is a sign of corrupted humanity to buy a 20 year old Romanian woman in a brothel and to rape her for money, and yet fail with those who like us allegedly join the fight to make life better for women? Internalized self-loathing? The ignorance of the privileged? An absolute lack of empathy? Or simply the result of brain-washing?

Our position as women* speakers is characterized by none* of our team engaging in sex work or defining herself as such*. Our position is that of a supporter, of an ally*,

Feminismus im Pott writes. I wonder: Have you ever spoken to women who are in prostitution or who have exited? Have you ever looked inside a brothel? The Ruhr area is full of those. And if this is too high a dosage of reality for you, it suffices to take few peeks into the local punters' forum, the Ruhr-Freierforum, and in order to avoid overtasking you, I have simply selected a few comments there from recent weeks:

One of the entries is about a girl named Belana. The punters are not sure if she is really of age, but they are happy that she is “so gloriously tight“. There is great worry that she may soon cease to offer her “fair“ services of various positions for € 30.00 as she begins to know the language better. But witty and smart as punters tend to be, they have a solution:

“Hello Lattman ( = boner man). In order to prevent that, we just have to keep ”stuffing her mouth“. She has already been acquainted with the right cork …. and she didn't get to make a sound with it!!!!! Regards, Strichscout ( = 'working' area scout)“

Lattmann and Strichscout write diligently, there's no trace of spelling or grammar, but according to their statements they daily buy sex and then grade the women. Although “women“ is the wrong term in their context. For these two men who are typical punters, women are not human beings whose sensitivity to pain needs to be taken into account:

“Irony on …. doesn't the length of the nipple depend on the pulling force of your fingers in combination with your ability to ignore/ not hear the lass's screams? Irony off …“

“Feminismus im Pott“ calls prostitution work and thus uses the ideologically loaded term “sex work“ that was originallycoined by the US lobbying organization NSWP in order to decriminalise the brothel keepers and the pimps and to have their actions viewed as normal activities. To again spell it out: This term has never meant the women, but the exploitative jobs around them. And this leads us right to the core of the entire häppy-sexwörk-machinery:  Who succeeds in making invisible what women in prostitution endure can succeed in turning paid rape into a service, pimps into managers, brothel keepers and traffickers into businessmen and punters into mere clients. This is how the euphemizing of prostitution works which “Feminismus im Pott“ busily contributes to. 

Prostitution is not a job, even if some like to pretend it is, with a fatalistic nod to global capitalism. Next, cleaners and geriatric nurses are cited, who also do unpleasant jobs nobody wants, and each and all of us who are in paid labour are said to be somehow prostituting ourselves. First the cynicism here is overwhelming in saying: “Capitalism owns it all anyway, our labour, our consumption, our time, our property, so we can also easily hand over our sexuality“, and to say this from the privileged position of well-educated, probably basically white women, who have never been brought into a situation where they had to sell their bodies to 20 men a day. Where then shall we draw a line? Selling our organs? Children?

Viewed like this everything about us is some commodity, our entire lives are perfectly commodified and the one and only way of dealing with capitalism is to wholly submit to it. Yet, and in addition, we are not, in fact, all equal before capitalism, capitalism needs a separation of the sexes and a subjugation of women in order to function. Women do the unpaid housework and care work, women sell their bodies, and this is then glorified as an “opportunity“ and as “self-determination“ by cynical German feminists. Not to see this and still call yourself a feminist is so absurd that it begs the question why some call it feminism, even. We know that most of the women neither want to work in prostitution nor to remain in it, but that our society hardly leaves them another option. This “no other option“ is then generously declared to be the pinnacle of a post-modern dealing with the capitalist world order. It doesn't get more contemptuous of humankind, nor more devoid of solidarity. 

It does make a huge difference whether someone receives their earnings via manual labour or via their own sexuality. Sexuality is a part of our personality, our identity. It is about the most intimate thing we have. How can this be sold? Or how can it be assumed that what is offered is a “sexual service“ that has nothing to do with ones's own sexuality? Scientistsand trauma experts have proven conclusively that women in prostitution are constrained into permanent dissociation, into permanently splitting off their thoughts and feelings, away from their bodies in order to be able to bear strangers using their sexuality, a procedure that has severe psychological consequences and can often only be endured through the use of alcohol or drugs. Since the vast majority of the women in prostitution have already undergone sexual violence in their childhood and youth, they know the mechanisms of dissociation and their trauma deepens.

Which job on earth, shitty as it may be, demands a splitting off of thoughts and feelings in order to bear it? In which job do I have to fear that a client may use my own scarf to strangle me? Regard beatings and physical pain as part of the equation? Allow being degraded and risk permanent sexually transmitted diseases?  

Prostitution is legal in Germany. And yet none of the women have health insurance, none of them pay into the pension system, none of them receive unemployment benefits. The woman herself neither profits from minimum pay nor from any legal provisions for her safety, she is surrendered to the punters' whims and to the traffickers. She cannot call in sick, she cannot declare her vacation. All of these points are clear evidence that prostitution is not a job, but a business in misery, and first and foremost capitalizing on women's misery.  And this is feminism's rub: Without partriachal oppression prostitution would be unthinkable. Its origins stem from slavery and the first slaves were women. It is not the world's oldest occupation, but one form of the world'soldest oppressions. And feminists manage to stand up and proclaim that prostitution as sex work is great? Prostitution is unthinkable without the dehumanization of women, without degrading them to purchaseable objects whose feelings, desires and rights count for nothing, and this is why prostitution regards us all. Not only because it is a matter of humanity to stand in solidarity with those who are being exploited in this way, but also because a society that views some women as venal, as purchaseable, views all of us as such and as of little value.

The punters who buy women each day by the hundreds of thousands and who then merrily write reports dripping with violence and hate, are our colleagues, our fathers, brothers, friends, partners and husbands. It is inconceivable that a feminist site publishes a declaration of bankruptcy and then calls that feminism.

If prostitution is such a great, as sexually liberating, activity, why is it only being engaged in by very young, very poor, very uneducated and above all non-German women? Why don't all those cynical pro-sex work “experts“ place themselves in the brothels and experience what they propagate on their own bodies? They could meet up with the punters there, whose rights they so diligently defend:

Hello,
I've got a possibly unusual question but am hoping for an answer. I'm looking for a woman in street prostitution who can be handled somewhat roughly and who can take a slap or one across the face. All that not too wild, (well, no real SM), but not the normal sex you get there as a standard. I know to find ladies and clubs on the internet., who offer this. But I want one used to working in a car or in open nature. Just sounds exciting to me. Thanks already for your help!

And of course there's a tip for him, fast:

Hey nk 1206 Personally I know of none out there, but I bet if you just ask around and put some extra dough with it you'll find something. I've always found the kind of stuff I wanted.
And believe me – normal sex is just boring :-D
I'm more into other stuff and I've always got it out there, right, a slap on the bum is not the same as one across the face as with that you take the person's rights. That is Degrading and I almost doubt if you find this. Little hint: try it with the junky fraction [i.e. drug addicted women in prostitution] :-)

If feminism works towards the acceptance of such attitudes in society then that feminism is kicking the bucket. It is a feminism that prepares women for accommodating to given conditions, to resign themselves to their own oppression and exploitation and that of their fellow women, a feminism that euphemizes terms in order to make them convenient to the mainstream and in order to render the misery, the suffering and the violence invisible. It is a feminism pressed into the service of the oppressors. There's nothing new to this, nothing revolutionary and it's got nothing to do with feminism either, but a lot with the capitulation of one's own reason and one's own heart before other people's vested interests in money and in power.

A final remark: To call the opponents of prostitution “neo-abolitionists“, a term resounding with “neo-fascism“ or “neo-nazi“ shows how far one is ready to proceed in the name of these interests. Just to be perfectly clear about this: This is not about self-determination or freedom. This is about the right of a few to sell other human beings and their most intimate core and to profit from the sale, it is about profit from the dehumanization of women. Is that still feminism or can that be thrown out? 

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(1) Feminismus im Pott: A group writing on the internet on feminist issues based in the “Ruhrpott“ area in Germany, a formerly highly industrialized area with its own working class pride. Pott  means “pot“ as in both saucepan and melting pot, and begs for the pun used when it is called Feminismus im Eimer – Feminism in the bucket, meaning “trashed”. (That is the politer version, Feminismus im A**** is rougher, and that word begins with an “a” in English, too.)

 
(2) asterisk, * in German usage of men*, women* or any noun that refers to a human being: The asterisk, which some universities have made mandatory, is to denote that “woman“ is a concept rather than a lived reality or position in society, and thus open to debate in its perception. That includes debating the perception of the conditions of women's lived realities (rather than the realities), and is meant to include all those who are or may be perceived as “women“ as well as all those who view themselves as such and wish to be included in the category. In other words, problems are a matter of perception rather than of conditions or power structures, and “woman” is a matter of identification rather than a specific position in a gendered society. In short: The terms become so open to interpretation that they are virtually meaningless and that is usually the intention. 

Donnerstag, 3. November 2016

Gemeinsame Eingabe an UN Frauen durch Abolition 2014, Kofra und die Initiative Stop Sexkauf.


UN Frauen arbeitet an einer gemeinsamen Position zum Thema Prostitution. In diesem Zusammenhang erging weltweit ein Aufruf, Stellungnahmen einzureichen.

Hier unsere gemeinsame Eingabe mit Kofra (München) und dem Bündnis Stop Sexkauf. 


Deutsche Übersetzung des Aufrufs auf banishea. 







Kofra – Kommunikationszentrum für Frauen ist eine Anlaufstelle für Frauen. Stop Sexkauf und Abolition 2014 sind säkular und feministisch und fordern die Abschaffung der Prostitution über die sinnvolle Unterstützung der Frauen in der Prostitution und die Bestrafung der Käufer, da sie diejenigen sind, die diese Industrie erhalten. Deutschland ist zu einem Paradebeispiel für die Umsetzung der Forderungen der Sexindustrie geworden – während einige Kommunen sich einige Regulierungen vorbehielten, entschieden sich Städte wie Berlin für die vollständige Entkriminalisierung – und bietet einen düsteren Ausblick auf die Zukunft einer ungehinderten Sexindustrie.

Dienstag, 21. Juni 2016

Change gon' come – und die alte Rhetorik geht

Und wen stören dabei schon ein paar Lügen. Oder sollten wir es „stillen Rückzug“ nennen?

Anlass des Artikels ist eine interessante Art Pressemitteilung mit einer Lobeshymne auf die Prostitution und den Frankfurter Lobbyverband Doña Carmen, verbreitet über die „Full-Service Werbe- und Medienagentur“ RTO im businessportal24.com

[ Anmerkung dazu: Die Werbeagentur hat inzwischen einen Fehler dazu eingeräumt und möchte den Artikel in den nächsten Tagen ändern. Wir lassen diesen Bericht dazu hier trotzdem stehen, weil wir den Fehler bezeichnend finden. 21.06.2016. Nachtrag. Inzwischen gibt es eine bereinigte Version und - vermutlich nicht mehr lange - das Original hier. Der oben eingefügte Link führt auf Error 404, da diese Seite aus business24.com wohl gelöscht wurde.]

In dieser Mitteilung findet sich folgender Satz:

"So schaltete "Dona Carmen e.V." im Jahr 2009 unter anderem eine durch Spenden finanzierte, etwa 25.000 Euro teure Anzeige, um sogenannte "Flatrate-Bordelle" zu stoppen und den menschenunwürdigen "Sparabonnement-Preis" für Frauenbenutzung zu unterbinden."

?

Zur Erinnerung:

Doña Carmen schaltete 2009 keineswegs "eine [...] Anzeige, um sogenannte "Flatrate-Bordelle" zu stoppen und den menschenunwürdigen "Sparabonnement-Preis" für Frauenbenutzung zu unterbinden".

Montag, 4. April 2016

Die Sexarbeiterin – Dokusoap mit Indieporn

CC0 Public Domain
„Die Preisgabe selbst der intimsten Teile des menschlichen Körpers zur sexuellen Erregung und Befriedigung einer beliebigen anderen Person, ob dies nun aufgrundeines Abhängigkeits- oder Gewaltverhältnisses oder durch anscheinend freie vertragliche Übereinkunft erfolgt, bedarf zu ihrer Legitimierung stets einer Ästhetisierung, sowohl der Prostituierten und ihrer Rolle als auch des Freiers - ganz besonders in historischen Momenten, in denen die Selbstverständlichkeit des Mannesrechtes, sich des anderen Geschlechtes zu bedienen, ins Wanken geraten ist. […] Ästhetisierung meint stets eine Übertünchung und Verklärung, aber auch Heroisierung eines Geschehens, die über die Verhältnisse, auf die sie sich bezieht, gestülpt wird. […] Durch Ästhetisierung entsteht eine oft lückenlose Umkehrung der Wahrnehmung, die wirkliche Kenntnisnahme, Verantwortlichkeit und Einsicht in die Konsequenzen von Handlungen äußerst erschwert.“ (1)

Aus der offiziellen Seite zum Film:
"SEXarbeiterin entsteht zu einer Zeit, in der europaweit über scharfe Reglementierung bis hin zur Abschaffung von Prostitution gestritten wird. Der Dokumentation liegt eine klare Positionierung zu Grunde: Sexarbeit ist Arbeit. Sie ist nicht anstößig, sie ist nicht kriminell und sie ist nicht per se gut oder schlecht für Frauen, Männer oder Transgender. Diejenigen, die sagen, uns ist an besseren Arbeits- und Lebensbedingungen für Sexarbeiter_innen gelegen, sind zu unterstützen. Wer wie in Frankreich oder Schweden Sexarbeit kriminalisiert, erreicht nichts für eine bessere Lebens- und Arbeitswelt der in der Sexarbeit Tätigen." (2)
Bereits zwei Jahre vor dem Film gab es Ankündigen per Aufruf zu Crowdfunding - neben handsignierten Plakaten wurden den Unterstützenden auch sexuelle Angebote gemacht, was allerdings auf der Seite so gut wie gar nicht gebucht wurde. (3)

Gemacht wurde der Film dann von vier Männern. (4)

Zum Film, gesehen am 25. März 2016 im Mal seh'n Kino in Frankfurt / Main. 


Samstag, 5. September 2015

Entkriminalisierung, Regulierung … die Debatten. Oder: Was die "Entkriminalisierung aller Aspekte" (Amnesty) bedeutet.

Fußschellen
CC BY-SA 3.0
Wikimedia Commons
Im Zusammenhang mit dem sehr umstrittenen Entschluss seitens Amnesty Internationals vom 11. August 2015, die Entkriminalisierung zahlreicher Aspekte der Prostitution zu fordern bzw. die "full decriminalization of all aspects of consensual sex work", sehen wir wieder Artikel, die das hohe Lied einer von rechtlichen Beschränkungen weitgehend befreiten „Sexarbeit“ singen und die dabei die angebliche Sicherheit und die angeblichen Chancen der Frauen, Menschen in der Prostitution ins Feld führen, eine Sicherheit, die ausgerechnet in einem Wegfall von Bestimmungen zum Thema liegen soll.

Deutschland experimentiert seit 2002 in den verschiedenen Städten mit verschiedenen Modellen der Legalisierung (Reglementierung) und völligen Entkriminalisierung des Prostitutionsgewerbes. Keiner der Ansätze hat die Situation derjenigen in der Prostitution, überwiegend Frauen, verbessert, im Gegenteil. Entstigmatisiert wurden nur Freier und Bordellbetreibende, die wirtschaftliche Situation der Frauen selbst hat sich verschlechtert und sie haben kaum Möglichkeiten, irgendwelche Rechte einzuklagen, da fast alle Praktiken innerhalb des riesigen Geschäfts Prostitution mit entkriminalisiert wurden. Dies gilt schon für Zuhälterei und betrifft z.T. sogar Menschenhandel (bei über 21-Jährigen), die beide nur noch dann als strafbar gelten, wenn "Ausbeutung" vorliegt; alles andere wurde in Zuge des Gesetzes von 2002 entkriminalisiert.


Sonntag, 24. August 2014

Manifest der Prostitutions- und Menschenhandelsüberlebenden

"Wer repräsentiert Frauen in der Prostitution", Pressekonferenz – Europäisches Parlament. 17. Oktober 2005


Wir, die Überlebenden von Prostitution und Menschenhandel, die heute zu dieser Konferenz zusammengekommen sind, erklären, dass Prostitution Gewalt gegen Frauen ist.

Frauen in der Prostitution wachen nicht eines Tages auf und „entscheiden sich“ Prostituierte zu sein. Es wird für uns entschieden durch Armut, erlebte sexuelle Gewalt in der Vergangenheit, durch Zuhälter, die unsere Gefährdungen ausnutzen, und durch die Männer, die uns für den Sex der Prostitution kaufen.

Prostitution ist sexuelle Ausbeutung, eine der schlimmsten Formen der Ungleichheit der Frau, und eine Verletzung der Menschenrechte.

Viele Frauen in der Prostitution wurden in der Prostitution schwer geschädigt, einige sind gestorben, und einige wurden von ihren Zuhältern oder Kunden ermordet.

Physische Gewalt, Vergewaltigung und Demütigung werden uns oft von Kunden, Zuhältern, Anwerbern, der Polizei oder anderen, die durch Prostitution einen Gewinn erzielen, zugefügt. Die Bevölkerung verurteilt uns entweder als „Huren“ oder denkt, wir verdienen eine Menge Geld.

Der Zustand von Frauen in der Prostitution wird verschlechtert durch Gesetze und Politiken, die uns als Kriminelle und als Abschaum der Gesellschaft behandeln, während Kunden, Zuhälter_Innen, Manager_Innen und Bordellbetreiber_Innen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Unser Zustand wird ebenfalls verschlechtert durch die Vergabe von Lizenzen an Prostitutionsbetriebe und legalen Schutz für Zuhälter, Kunden und die Sexindustrie.

Die meisten Frauen werden in einem sehr frühen Alter in die Prostitution gezogen. Das weltweite Durchschnittseinstiegsalter liegt bei 13 Jahren.

Opfer von Prostitution und Menschenhandel haben kaum Möglichkeiten für einen Ausstieg. Programme, die Frauen in der Prostitution eine Alternative bieten, sind sehr rar.

Frauen in der Prostitution träumen von einem Leben frei von Unterdrückung, einem Leben, das sicher ist und einem Leben, in dem wir als Bürgerinnen partizipieren können, und in dem wir unsere Rechte als menschliche Wesen, nicht als „Sexarbeiterinnen“, ausüben können,

Wir, Überlebende aus Belgien, Dänemark, Korea, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika, erklären:

  1. Prostitution muss beseitigt werden. Daher sollte sie nicht legalisiert oder gefördert werden.
  2. Gehandelte und prostituierte Frauen brauchen Unterstützungsangebote, die ihnen dabei helfen sich eine Zukunft außerhalb der Prostitution aufzubauen, dazu gehören rechtliche und finanzielle Amnestie, finanzielle Unterstützung, Praktika, Arbeit, Unterkunft, Gesundheitsversorgung, rechtliche Vertretung, Bleiberechte und kulturelle Mediator_Innen und Sprachschulung für Opfer des internationalen Menschenhandels.
  3. Frauen in der Prostitution brauchen Regierungen, die Menschenhändler_Innen, Zuhälter_Innen und Männer, die Frauen in der Prostitution kaufen, bestrafen und die Sicherheit und Schutz vor denen bieten, die ihnen schaden wollen.
  4. Hört endlich auf, Frauen festzunehmen und nehmt die Täter des Menschenhandels und der Prostitution fest.
  5. Stoppt die Polizeischikanen gegen die Frauen in der Prostitution und die Abschiebung gehandelter Frauen.
  6. Prostitution ist nicht „Sexarbeit“ und Menschenhandel ist nicht „Migration für Sexarbeit“. Regierungen sollten aufhören, die Sexindustrie zu legalisieren und zu entkriminalisieren und den Zuhältern und Käufern die Erlaubnis zur Ausnutzung der Frauen in der Prostitution zu geben.
Als Überlebende von Prostitution und Menschenhandel werden wir unsere vereinten Kräfte weiterhin stärker bündeln und unseren Zusammenschluss ausbauen, jede Frau beim Ausstieg aus der Prostitution unterstützen, und mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um die Menschenrechte der Opfer von Menschenhandel und Prostitution voranzubringen.



Quelle: Coalition Against Trafficking in Women