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Ellen Templin, † 20.12.2010 "Die Legalisierung war eine einzige Verarschung." |
Sendung am 08.03.2010:
Frauentag,
Liebe, Leid und
Lebensfreude
Ellen
Templin führt ein Domina-Studio in Berlin – und engagiert sich gegen die
Missstände im käuflichen Erotik-Bereich. “Was hat das mit mir zu tun?” mag man
sich fragen – doch wer ihr zuhört, merkt: “es hat mehr mit mir zu tun, als ich
dachte!” Ellen analysiert die Entwicklungspsychologie von Frauen, die im
Erotikbereich arbeiten, wie auch die von Freiern; anhand Erotikannoncen weist
sie wissenschaftlich nach, dass mit der Legalisierung der Prostitution massive
Verschlechterungen von deren Lebensbedingungen
einhergehen.
Hedwig von Knorre (HvK): Herzlich
willkommen bei
Liebe, Leid und
Lebensfreude. Am Mikro ist Hedwig und sie sind beim freien Radio
Wüste Welle Tübingen, zum empfangen auf
UKW
96,6 MHz
und im Internetlivestream unter
www.wueste-welle.de.
Der Eingangssong ist Dirty Diana
von Michael Jackson. Das hat sich meine heutige Interviewpartnerin gewünscht,
eine ganz besondere Frau, Ellen Templin, mit der ich ein Telefoninterview
machen werde nach Berlin. Diese Frau habe ich kennengelernt Ende Januar bei
einem Terre des Femmes AG-Treffen.
Das AG Treffen Migration und Frauenhandel
beschäftigt sich unter anderem mit Zwangsprostitution und das ist ja nicht nur
Zwangsprostitution, sondern Prostitution allgemein. In diesem Rahmen kam Frau Templin
und hat uns allen, die wir uns oft mit Frauenrechten und allem möglichen
beschäftigen, uns allen, unglaublich viel beigebracht. Wir haben sehr viel
gelernt und es ging uns tief unter die Haut, und das ist das Thema unserer
heutigen Sendung: der käufliche Erotikbereich. Liebe Leid und Lebensfreude.
Lebensfreude ist unglaublich wichtig, ohne kann man das Leben nicht ertragen,
aber Leid macht uns viel daran kaputt und Liebe ist häufig der Weg zurück zur
Lebensfreude. Bei Ellen Templin ist das der Fall und ich werde sie gleich
anrufen, aber während ich wähle lasse ich die Musik mal noch ein bisschen
weiterlaufen und wir klinken uns dann gleich gemeinsam wieder ein
[Musik]
HvK: Da hören wir dich schon
husten Ellen. Hörst du mich?
ET: Ja, ich hör dich.
HvK: Wunderbar. Hast du den Song
noch gehört? Dirty Diana, den du dir gewünscht hast?
ET: Ja. Den hab ich mir
gewünscht. Ja.
HvK: Das freut mich sehr. Ellen
ich hab dich kurz angekündigt als eine Frau von der ich kürzlich, Ende Januar,
unglaublich viel gelernt habe und mit mir zusammen mehrere Frauen von Terre des
Femmes von der AG Migration und Frauenhandel und hab gesagt es ist wichtig,
dass viele Menschen erfahren was wir da gelernt haben und du bist wirklich
Spitze darin uns das beizubringen und ich danke dir für dieses Interview jetzt,
obwohl du erkältet bist.
ET: Ja, danke für so viele
Komplimente. Ich bin das kaum gewöhnt, dass mir jemand in diese Richtung was
sagt. Eigentlich höre ich immer, dass ich sie abnerve, die Menschen, dass das
alles schon mal gesagt worden ist, dass das alles nichts bringt und dass die
Frauen in der Prostitution gerne sind und auch kein Problem haben, dass
Präservative nicht wichtig sind, sie haben kein Problem damit Sperma zu
schlucken und so weiter und so fort.
HvK: Gut, da sind wir gleich
heftig eingestiegen, direkt mittendrin. Und du sagst das stimmt nicht.
ET: Nein, das stimmt nicht. Ganz
massiv hat es sich in der Prostitution zum Schlechten gewendet seit der
Legalisierung, sprich seit dem 1.1.2002. Das hat ganz viele schlechte Sachen
gebracht. Als erstens, ich kann jetzt zumindest nur für Berlin sprechen, ist
die Kondompflicht, alles was mit Anzeigen zu tun hat, also das die ganzen
Zeitungen, Stadtmagazine, die Berliner Tageszeitungen, die werben seit der
Legalisierung ganz aggressiv, täglich für kondomfreien Sex. Das sieht
folgendermaßen aus: Ich schlucke gern, Gesichtsbesamung, Dreilochfickpaket…
HvK: Moment, Moment, Dreiloch…
Was bedeutet das?
ET: Dreilochfickpaket das heißt
die Frau ist anal, vaginal und oral zu nehmen. Und das jeweils ohne Präservativ.
HvK (räuspert sich): Ja also mir
geht das total nah, wenn ich das so höre und damit will ich auch ehrlich sein.
Und ich glaube das geht ganz vielen so, die normalerweise nichts damit zu tun
haben, wenn wir uns das näher kommen lassen. Also wenn das unseren Gedanken
nahe kommen darf. Das ist für uns schlimm, und du sagst eigentlich ist das für
die Frauen, die das praktizieren auch schlimm.