Dienstag, 15. Juli 2014

„Ich speib mich an“

Altes Telefon OB 05
André Zehetbauer - Altes Telefon OB 05 (Flickr)
[CC BY-SA 2.0]
Hier nun der zweite in der 3er-Reihe der Artikel von Florian Klenk zu abgehörten Telefonaten von Menschenhändlern, die wir veröffentlichen dürfen (ursprünglich im Jahre 2005 hier erschienen). In erster Linie sind es eigentlich Mädchenhändler. Aber wie in diesem Protokoll zu lesen ist, war auch ein Junge darunter. Man beachte das ungewohnte Mitleid, das dieser beim "Händler" erweckt.

Weitere Abhörprotokolle eines noblen Wiener Escortservice im O-Ton. Wie sich Mädchenhändler, Lieferanten, Opfer und ihre vornehme Kundschaft am Telefon unterhalten – und wie die Justiz betuchte Freier schonte, obwohl sie ausdrücklich minderjährige Mädchen bestellten.

Vergangene Woche veröffentlichte der Falter Auszüge aus richterlichen Abhörprotokollen aus dem noblen Rotlichtmilieu. Ein exklusiver Wiener Escortservice belieferte reiche Kunden, darunter Manager, Diplomaten, Werbeleute und Anwälte mit litauischen Mädchen. Manche der Frauen waren minderjährig, einige wurden mit dem Umbringen und Verstümmeln bedroht.

Die Veröffentlichung der Dokumente zieht nun erste parlamentarische Reaktionen nach sich. Die Grünen sowie die SPÖ-Abgeordnete Bettina Stadlbauer bringen diese Woche parlamentarische Anfragen an Justiz- und Innenministerin ein. Stadlbauer will vor allem wissen, wieso ein prominenter US-Anwalt von den Behörden mit Samthandschuhen angefasst wurde. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hält in ihrer Anklage ausdrücklich fest, dass der US-Anwalt im Hotel Intercontinental mit einem 17-jährigen Mädchen beliefert wurde. Falls er vom jugendlichen Alter des Mädchens gewusst haben sollte, wäre das strafbar. Doch Polizei und Justiz gingen dieser Frage nicht nach. Die Behörden haben den Anwalt weder als Beschuldigten noch als Zeugen einvernommen. Die Rechtfertigung dafür: „Er war für uns nicht greifbar“, so der in der Sache ermittelnde Korneuburger Staatsanwalt Friedrich Köhl auf Anfrage.

Auch ein prominenter Wiener Anwalt wurde nicht einvernommen, obwohl sich nach dem Lauschangriff der Verdacht ergibt, dass er Staatsanwälte auf Prostituierte eingeladen haben könnte. Nachdem der Rechtsanwalt seine Bestellung aufgegeben hatte, sagt sein Frauenhändler am Telefon: „Die Anwälte ficken. Die Anwälte und die Staatsanwälte!“ Wenn der Anwalt wirklich Einladungen ausgesprochen haben soll, was hat er sich dann davon erwartet? Die Justiz zeigt sich auch hier merkwürdig ahnungslos: „Ich weiß gar nicht, dass ein Anwalt in den Akten vorkommt“, sagt Staatsanwalt Köhl.

Im Justizministerium wurde der Fall nun zur Chefsache erklärt. „Wir lassen uns jetzt den Akt kommen und werden da einmal ordentlich hineinstechen“, verspricht ein Vertrauter der Justizministerin. Durch eine Strafgesetznovelle sei doch Sex mit minderjährigen Prostituierten erst kürzlich unter Strafe gestellt worden, die Behörden müssten diese Gesetze ernst nehmen. Staatsanwalt Köhl sagt: „Wenn die Freier beteuern, vom jungen Alter nichts gewusst zu haben, müssen wir den Fall einstellen.“ Hat die Staatsanwaltschaft eine Beweiswürdigung vorgenommen, bevor sie noch die Beweise sammelte?

Dem Falter wurden vergangene Woche weitere Lauschprotokolle zugespielt, die hier im Originalton veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung solcher Dokumente ist – solange die Anonymität der überwachten Personen geschützt wird – rechtlich zulässig. Die Protokolle waren auch Teil eines öffentlichen Gerichtsverfahrens. Die Dialoge geben Einblick, wie Wiens gehobene Gesellschaft von der sexuellen Ausbeutung litauischer Schülerinnen profitierte.


Ein Mädchenhändler im Gespräch mit seinem Lieferanten in Litauen:


Händler: Es ist sehr eigenartig. Die Mädchen sagen nun: Wir wussten nicht, dass wir mit Kunden ins Bett gehen müssen!

Zulieferer: Was, was? Ich verstehe nicht!

Händler: Sie sind hier zum Ficken und nicht weiß Gott wofür! Du sollst Ihnen erklärt haben, dass sie nur zu alten Leuten gehen müssten und diese berühren sollten und sonst nichts. So hast du es ihnen erklärt. (…) Du musst mit ihnen Klartext sprechen. Sie sind nicht hier, um Spaß zu haben. Du mußt mit ihnen sehr klar sprechen. Das ist keine gute Arbeit. Das muss sehr schnell geklärt werden.

Ein Mädchenhändler spricht mit einem Mädchen:

Händler: Es gibt einen Job für euch.

Mädchen: Nein, bitte Frank, wir schauen schrecklich aus.

Händler: Job ist Job. Ihr seid hier, um zu arbeiten, nicht um Spaß zu haben. Wenn es einen Job gibt, macht ihr euch bereit. Ich sage es geradeaus, ihr seid nicht zum Spaß hier.

Ein Händler ist verärgert:

Händler: Das ist ja interessant, alle Mädchen haben eine Infektion.

Vermittlerin: Das ist das Resultat, als du verlangt hattest „ohne“.

Menschenhändler zu einer Lieferantin:

„Wenn ein Mädchen zu blöd ist, dann werde ich dafür sorgen, dass ihr in Litauen etwas passiert, sodass sie dann nachdenken kann. Es gibt viele Möglichkeiten, solche Verhaltensweisen sehr schnell zu stoppen. Es gibt schon Mädchen, die bereits belehrt wurden.“

Ärger über ein Mädchen, das sich den Anordnungen widersetzt:

Händler: Katharina (alle Namen geändert, Anmerkung der Redaktion) wird viele Probleme bekommen. Ich habe das bereits mit einigen Mädchen gemacht. Jetzt machen ich es mit Katharina. Glaub mir, sie wird in Litauen nicht sehr gut leben. Ich bin sehr böse.

Lieferant: Okay, Okay!

Händler: Katharina wird alles Geld zurückzahlen, sie wird mehr als dieses zurückzahlen. Sonst wird sie tot sein in Litauen. Das kann sie mir glauben. Diese Macht habe ich, dass sie tot sein wird. (…) Mit den Betrügerinnen muss man Schluss machen, es darf kein Haar an den Mädchen bleiben, und ein Bein brechen, weil dann können sie nachdenken. Du kannst ihr sagen, dass ich das veranlasst habe.

Auch eine Frau namens Anna will nicht gehorchen:

Händler: Meine liebe Anna wird nie wieder imstande sein zu arbeiten. Das ist das, was ich will. (…) Wenn ich jemanden finde, werde ich sie umbringen. Persönlich. (…) Ich bin nervös, weil ich sehe, dass alle mich betrügen.

Lieferantin: Ich habe den S. getroffen. Er hat mich über ein Mädchen gefragt, welche in Litauen im Spital gelandet ist. Ich habe nichts gesagt, sondern auf unschuldig gespielt.

Unterhaltung über neue Lieferungen:

Lieferantin: Die Olga gibt sich unschuldig, und im Bett ist sie wie eine läufige Hündin. Die Männer mögen das.

Händler: Ich werde mich um eine neue Mädchenlieferung kümmern. Es ist besser, wenn die Mädchen die Kleidung für die Arbeit aus Litauen mitbringen, weil es eine bessere Qualität ist als hier bei Pimkie oder Palmers. Allerdings, wenn die Mädchen hier Sachen kaufen, dann müssen sie das auch bezahlen. Es ist wichtig fürs Geschäft, dass diese Mädchen nicht so ausschauen wie Billigsdorfer Russinnen.

Zeugeneinvernahme der Schülerin Ana L., geboren 1986:


„Es ist für mich sehr wichtig, dass meine Eltern nichts davon erfahren. Hört man das alles, was ich hier sage? Ich durfte hundert Euro behalten, und dann hätte ich das Geld für den Flug zurückzahlen müssen. So eine Arbeit ist für mich nichts. Ich war eher daran interessiert, einen Mann kennen zu lernen für eine ernsthafte Beziehung.“

Einvernahme von Olga L., Schülerin:


„Da war so ein Vorfall. Wir sind im Office gesessen, und sie haben sich im Computer Mädchenbilder angeschaut, und dann hat der eine nur gesagt, ja, die ist jetzt ohne Haare, und die andere hat Probleme mit den Beinen, und dann haben sie gelacht. Er hat gesagt, diese Mädchen haben Probleme mit ihm gehabt, und jetzt sehen sie eben so aus. Ich habe nicht verstanden, ob das wirklich nur ein Spaß war, aber das war eher ernst gemeint, sie haben auch gesagt, wenn was ist, wir haben überall in euren Ländern Leute. Sie haben gemeint, wir sollen vorsichtig sein, keine Probleme bereiten, weil wir überall unsere Leute in euren Ländern haben.“

Einvernahme Rita K., geboren 1985, Schülerin:


„Die Viktoria hat auch ein SMS erhalten, wo man ihr gedroht hat, dass sie in Litauen kein gutes Leben mehr haben wird, man werde ihr die Knochen brechen.“

Gespräch der Begleitagentur mit einem Kunden:


Kunde: Grüß Gott. Ich würde mich für die Sabina interessieren.

Händler: Die wäre frei.

Kunde: Preis steht dort. Was macht die Dame alles?

Händler: Macht alles, im Preis ist alles, was normal ist, inbegriffen, also Naturfranzösisch, Küssen, Schmusen. Griechisch wäre Aufpreis.

Kunde: Wie viel?

Händler: Hundert Euro.

Kunde: Können Sie sie empfehlen, oder gibt es irgendein anderes Mädchen?

Händler: Absolut wirklich, sie schaut blendend aus, ist supernett, bei uns, wie gesagt, dass sind keine professionellen Mädchen, das sind Mädels, die das nebenbei machen, deswegen sind die Preise auch ein bisschen höher als bei den anderen. Es sind wirklich gutaussehende, intellektuelle Mädchen, es sind keine rumänischen oder bulgarischen 08/15-Mädchen, sondern wirklich, sie studiert Jus im siebten Semester. Die Katharina hat aber eine Zahnspange.

Kunde: Kann beim Küssen interessant sein.

Händler: Es sind beide vom Service ausgezeichnet. Ich habe da wirklich noch nie negatives Feedback bekommen.

Kunde: Und die Dame küsst wirklich.

Händler: Absolut.

Gespräch eines Händlers mit einem Mädchen:


Mädchen: Oh Gott, zu dem geh ich nie wieder. Er hat mir auf die Füße gespritzt und wollte lauter perverse Sachen. Er ist so grindig. Dann hat er mir das Gesicht voll gespritzt. Ich habe geglaubt, ich speib mich an.

Händler (lacht): Der ist mein Spezialfreund. Der bucht vier- bis fünfmal die Woche, und jedes Mal muss ich ein anderes Mädel hinschicken, weil fast keine ein zweites Mal zu ihm hingeht.

Gespräch Kunde, Händler:


Kunde: Hallo, ich bin der Erwin. Hast du jemanden Interessanten?

Händler: Jede Menge. Ich würde meinen, dass du dir einmal die Petra reinziehst. Ich mache dir schon einen gescheiten Preis.

Kunde: Ist die hübsch eigentlich, oder ist die vermodert?

Händler: Die Petra ist eine andere Kategorie, das ist ein Glamourgirl, und die ist halt, da geht man schön weg, geht was trinken, und dann geht man entspannt ins Hotel.

Kunde, Parlamentsdirektion: Was kostet die Diana? Wie weit geht das mit der Aufgeschlossenheit?

Händler: Da ist alles möglich. Griechisch möglich mit Aufpreis hundert Euro. Ohne Kondom hundert Euro. Alles andere ist inklusive.

Ein Wiener PR-Manager ruft an:


Kunde: Sagst ihr, ich bin ein VIP-Kunde.

Händler: Das weiß ich, ich hab ihr schon gesagt, dass du ein ausgesprochen lieber Kerl bist, und sie ist ein ausgesprochen liebes Mädel. Wirst dich freuen.

Kunde: Ist sie ein Ferkilein?

Händler: Das kannst du annehmen. Du kriegst ein richtiges Ferkilein.

Kunde: Ich vertraue dir. Um einen Hunderter ist ja nichts verhaut.

Händler: Wann kriegst du schon eine 17-jährige.

Kunde: Die ist echt 17?

Händler: Ja.

Kunde: Deine Hasen sind alle leiwand. (…) Du schleppst ja dauernd die neuen Mädels heran?

Händler: Ja, das ist nicht so schwierig. Ich habe ja da oben in Litauen die ganzen Manager sitzen. Die arbeiten ja eh alle brav. So, Annalein ist schon fast fertig.

Kunde: Oh ja, geil. Und in den Arsch will ich sie ficken und alle Schweinereien machen.

Händler: Es muss ja alles passen.

Kunde: Kann man die eh in alle Löcher stopfen?

Händler: Ich denke mal schon.

Kunde: Gut, passt.

Händler: Die wirst du sicher länger als eine Stunde nehmen, und sie freut sich. Sie muss nämlich eine Meniskusoperation machen, und da braucht sie 500 Euro.

Kunde: Oh je, da muss sie aber viel pudern.

Händler: Behalte sie dir drei Stunden und gib ihr 300 Euro – die macht alles.

Gespräch Kunde, Händler:

Händler: Du, ich hab ein Mädel, die hat große Brüste!

Kunde: Und wie alt?

Händler: 18, wie alle.

Kunde: Echte?

Händler: Na, 17.

Kunde: Super, und fesch?

Händler: Frisch!

Kunde: Frisch, ahhh.

Händler: Frischfleisch.

Gespräch Händler, Lieferantin aus Litauen:


Händler: Kümmere dich um die Jungfrau, weil damit können wir mehr Geld verdienen. Da sind um die 5000 Dollar drinnen. (…) Wir brauchen ein Foto von der Jungfrau. Der Klient ist ein Amerikaner, der erst Mitte Juni kommt. Ich weiß, dass viele litauische Mädchen als Jungfrauen in die Emirate fliegen. Der Klient möchte das Mädchen im Beisein seiner Schwester entjungfern. Sie sollte eine echte Jungfrau sein und kann auch 15 Jahre alt sein.

Lieferantin: Ich werde mich bemühen, eine Jungfrau zu finden. Wenn das Mädchen 17 ist, ist das kein Problem?

Händler: Es macht nichts, wenn das Mädchen 17, 16, sogar 15 Jahre alt ist. Das ist nicht wichtig. Wichtig ist die Arbeit. Der Klient schreibt, wann es endlich so weit ist.

Gespräch Kunde, Händler:


Kunde: Ich will nur ein gscheites Gebläse.

Händler: Gibst ihr 200 Euro, des is a armes Mädel. Die gfreit sie über jeden Groschen.

Kunde: Wie alt ist die?

Händler: 18.

Kunde: Echt?

Händler: Ja, wennst as genau wissen willst, sie is net amol no 18. Bitte, trink was mit ihr, de is eh so a armes Dirndl.

Kunde: Senden Sie sie nach Luzern! Können Sie ziemlich früh senden, sodass sie in Luzern am Bahnhof um circa zwei Uhr ist?

Händler: Ich werde es versuchen.

Kunde: Sie soll sich konservativ anziehen, sie zieht sich im Zimmer um. Und sie soll ihre Handschellen oder Ähnliches mitnehmen.

Kunde: Ich pendle von einer Vorstandssitzung zur nächsten. (…) Ich gönne mir auch eine gewisse Freizeit.

Händler: Übrigens die, die da kommt, ist eine Jungfrau.

Händler telefonieren miteinander:

Händler: Ich bin gerade am Flughafen, weil ich den Buben abhole.

Zweiter Händler: Welchen Buben?

Händler: Ich hab einen Buben verschicken müssen!

Zweiter Händler: Ach so, ein Buberl!

Händler: Ja, richtig, ein Bubi!

Zweiter Händler Fürchterlich!

Händler: Ja, so was gibt’s auch!

Gespräch Händler, Lieferant:

Händler: Ich brauche eine Jungfrau!

Lieferant: Um welchen Preis?

Händler: 20.000 US-Dollar.

Lieferant: Okay, ich versuche sie zu finden. Heutzutage in Litauen schwer zu finden. Also, die fahren in die Emirate. (…) Ich hab noch ein Mädel, die kannst du anrufen. Die ist zum Versteigern unten. Eine 19-jährige Jungfrau, die tu ich versteigern unten.



Die Frauenhändler saßen zwischen zehn und acht Monate im Gefängnis. Wer heute die Webpage eines der verurteilten Mädchenhändler anwählt, landet bei einem noblen Wiener Etablissement. Auf der Seite heißt es:

„Hier finden Sie als Mann von Welt keine gewöhnlichen Animierdamen, sondern ausgesuchte blutjunge Mädchen.“

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