Sonntag, 10. August 2014

Amnesty International und der Kampf für die Menschenrechte

– für das Recht, Sex zu verkaufen und zu kaufen.

 

 
Protestplakat gegen Amnesty International:
"Schützt den männlichen Orgasmus?!"

Original von Savy Boxer (@angryboxer bei Twitter), auf http://thinkoutsidetheboxer.wordpress.com/2014/07/21/amnesty-international-defend-les-droits-de-lhomme-celui-sacheter-du-sexe/. Vielen Dank!

Kürzlich erklärte Amnesty International in einem internen Dokument, das sehr schnell an die Öffentlichkeit gelangte, dass AI sich als Vertreter des Freierrechts auf Sexkauf versteht. Dabei handelt es sich keineswegs um einen harmlosen Entwurf. Es handelt sich um ein internes Grundsatzpapier, bei dem es darum geht, über die weltweite strategische Position Amnestys zum Thema Prostitution zu entscheiden.

Dies ist so ernst, dass der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter diese Politik ineinem offenen Brief verurteilte, da dieser Ansatz die jahrelangen Fortschritte im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung zerstört, während sich Amnesty Schweden und Amnesty Australien [sowie Amnesty Israel] öffentlich von dieser Politik distanzierten.

Das Dokument erklärt unter anderem, dass jede Kriminalisierung von Freiern ein Angriff auf das Privatleben und die freien Entscheidungen des Einzelnen ist und vor allem erklärt es den Zugang zur Prostitution zum grundlegenden Menschenrecht.

Genau dies.

Dass Amnesty, eine anerkannte Organisation, die sich für die Rechte politischer Gefangener einsetzt, die gegen Zwangsehen, gegen Massenexekutionen und Ähnliches kämpft, jetzt für das Recht von Männern eintritt, sich ihnen unterlegene Menschen zu leisten, wirkt ekelhaft, eiskalt und unverständlich. In Frankreich, wo sich der Senat gerade weigert, die Kriminalisierung von Freiern zu bestätigen, ist es entscheidend, diese Empfehlungen zu analysieren und die Auswirkungen einer solchen Politik zu verstehen, vor allem wenn sie von einer Organisation mit einer solchen Reichweite vertreten werden, die Vertrauen und Bewunderung erweckt.

Ob nun aus abolitionistischer, prohibitionistischer oder legalisierender Sicht – ob wir die Kriminalisierung des Sexkaufs wollen, ein völliges Verbot der Prostitution oder ihre Legalisierung … ob nun das Recht auf freie Entscheidung zur Prostitution verteidigt verteidgt wird durch die Weigerung, die prostituierten Menschen zu „viktimisieren“ – können wir es hinnehmen, dass eine so anerkannte Organisation das „Recht“ der Freier und der Zuhälter verteidigt?

12 Punkte zeigen uns, dass:
  1. Amnesty bewusst die völlig verschiedenen Interessen der prostiuierten Frauen und der Freier vermischt,
  2. Amnesty den Umfang des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung verleugnet,
  3. Amnesty Untersuchungen über Prostitution ignoriert um sie uns als freie, autonome und legitime Entscheidung aufzudrängen,
  4. Amnesty die Legalisierung befürwortet – obwohl sie Deutschland zum Bordel Europas gemacht hat,
  5. Amnesty findet, dass es die Übernahme eigener Verantwortung ist, wenn sich Menschen, die von 2,5 $ am Tag leben, für die Prostitution entscheiden,
  6. und 
  7. Amnesty uns die Sexarbeit als Lustparty verkauft,
  8. Amnesty alle Arten von Pornos im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit als Kunst verteidigt,
  9. Amnesty Zuhälterei als eine Form der „Unterstützung“ verteidigt,
  10. Amnesty das Recht auf Prostitution als neues Menschenrecht darstellt,
  11. Amnesty über den Inhalt der von Amnesty zitierten internationalen Texte und Verträge lügt,
  12. Amnesty uns daran erinnert, dass – #notallmen – nicht verallgemeinert werden darf.
Wollen Sie (abschließend) eventuell wissen, warum Amnesty diese Politik verfolgt? Eine mehr als überraschende Antwort …


1. Amnesty vs. die Wirklichkeit: Alle in einem Boot.


Von Anfang an vermischt Amnesty die Interessen der Freier (Sex mit Frauen, die sich auf ihre Desiderata einlassen, so jung wie möglich, so billig wie möglich) mit denen der Frauen in der Prostitution (unter sicheren Bedingungen zu arbeiten und nicht stigmatisiert zu werden).

Aus der Kriminalisierung wird die Kriminalisierung der Frauen UND der Freier gemacht. Dadurch kann die tour de force, die darin besteht, das Recht auf Zugang zu Gesundheitsversorgung, den Kampf gegen HIV/Aids, das Eintreten gegen Trans- und Homophobie gleichzeitig MIT dem Recht auf Sexkauf zu verteidigen. Es ist möglich, die beiden Kriminalisierungen auseinander zu halten, hier erinnern wir daran, wie das geht.

Amnesty Prostitution Policy document S. 2: Die Kunst, die Interessen verschiedener Gruppen zu vermischen.


Auf Deutsch:

Kriminalisierung. Staatliche Autoritäten nutzen verschiedene Methoden um Menschen von bestimmten Verhaltensweisen abzuhalten, von finanziellen Anreizen bis zur Verhängung strafrechtlicher Sanktionen. Im Rahmen dieses Grundlagenpapiers bedeutet „Kriminalisierung“ Maßnahmen, die Sexarbeiter_Innen und Kunden durch das Androhen von Sanktionen wie Arrest, Strafgebühren oder Ausschluss von Vergünstigungen oder sozialen Sicherungssystemen bestrafen wollen.

2. Amnesty vs. die Wirklichkeit: Über 80% der Opfer von Menschenhandel werden zum Zweck der sexuellen Ausbeutung gehandelt. 

 

Amnesty bedauert die überproportionale Aufmerksamkeit, die Staaten angeblich dem Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung widmen. Das heißt, Amnesty beschuldigt Regierungen, bewusst andere Formen des Menschenhandels zur Ausbeutung (in der häuslichen Arbeit, Baustellen, Landwirtschaft …) zu ignorieren, in denen es ebenfalls zu sexuellen Übergriffen und Gewalt kommt.


Wenn uns bewusst wird, dass:

  1. 4/5 des Frauenhandels zum Zweck der Protituierung statt findet (Zahlen aus der Graphik der UNODC im Anschluss)
  2. die Staaten absolut ungenügende Mittel zur Verfügung stellen um gegen Menschenhandel vorzugehen – im Schnitt 5% pro Jahr pro Opfer – während eine sexuell ausgebeutete Person bis zu 21 000 einbringen kann …
… dann kann haben wir wohl das Recht zu fragen, warum und im Namen welcher Interessen Amnesty sich über „zu viel Augenmerk auf Menschenhandel“ beschwert.

Was Amnesty dazu sagt:

Amnesty Prostitution Policy document S.3


… und macht aus ihnen Ziele der Ausbeutung und des Missbrauchs und kann ebenfalls die Verletzung ihrer Menschenrechte ermöglichen. Die überproportionale Aufmerksamkeit auf Menschenhandel in die Zwangsprostitution seitens einiger Regierungen ignoriert auch die Menschenrechtsverletzungen, die von Menschen, die in Hausarbeit, an Baustellen, in die Landwirtschaft oder andere Zwangarbeit gehandelt werden, in denen sie oft Verletzungen ihrer Rechte erleben, Ausbeutung und Gewalt eingeschlossen. Es übersieht auch, dass Menschen, die in andere Formen von Zwangsarbeit verkauft werden, oft sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt ausgesetzt sind.

Dagegen die von dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung und die von der ILO, International Labour Organisation vorgelegten Zahlen:



Quelle: Source: United Office for Drug and Crime, Trafficking in persons report. Frauen und Mädchen (79%) Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung (79%)
Bericht der Internationalen Arbeits-Organisation (International Labour Organization): The Economics of Forced Labour. (Profite und Armut: Die Ökonomie derZwangsarbeit.)

3. Hintergrund: Zahlen zur Prostitution


Amnesty posiert als Verfechter von Arbeitsrechten und unterstreicht, dass „Sexarbeiter nicht verfolgt werden dürfen“. Dies ist für alle, die sich für Frauen- und Menschenrechte einsetzen, selbstverständlich.


Amnesty verteidigt gleichzeitig „Sexarbeit“ als eine Entscheidung, die genauso legitim ist, wie die zu jeder anderen Karriere, um für sich oder die Familie Geld zu verdienen, die eigene Sexualität zu erleben (dank 25 Kunden am Tag??).

Amnesty Prostitution Policy document S. 6


Andere stützen sich auf den Grundsatz der Autonomie um festzuhalten, dass nicht sämtliche Sexarbeit mit Gewalt verglichen werden kann. Sie verstehen die Aussagen der „SexarbeiterInnen“, die von sich sagen, sie seien freiwillig in der „Sexarbeit“, als Beleg für Zustimmung und Einverständnis, solange keine unmittelbaren Beweise für Gewalt oder Zwang vorliegen [also – bei indirektem Zwang, dann ist alles okay …??]. Ihre Rechtfertigungen dafür sind, dass die Umstände, die manche Erwachsenen dazu bringen, sexuellen kommerziellen Handlungen zuzustimmen, nicht weniger legitim sind, als diejenigen, die andere dazu bringen, sich für andere Möglichkeiten des Lebensunterhaltes für sich und ihre Familien zu entscheiden und / oder ihre Sexualität auszuleben.

Liebes Amnesty. Die Mehrheit der Menschen, die auf Prostitution zurückgreifen, haben diese „Wahl“ weder „freiwillig“ noch zufällig getroffen. Die Prostitution ist oft verborgen, von Stigma begleitet, und daher ist es schwierig, sich auf genaue Statistiken zu stützen. Ich habe mich vor allem für die Forschungen von Melissa Farley entschieden (hier ihr genauer Lebenslauf), Autorin von über 35 Büchern über die Prostitution und mit 40 Jahren Erfahrung im Aktivismus mit Menschen in der Prostitution, mit Frauen, Trans* und Männern. Dr. Farleys Studien entsprechen denen anderer Organisationen (Europol, Europäisches Parlament, Weltgesundheitsorganisation, International Labour Organisation, sowie mehrere staatliche Studien).


  • 65% bis 95% der Menschen in der Prostitution haben sexuelle Übergriffe oder Vergewaltigungen erlebt;
  • Etwa die Hälfte sind Inzestopfer;
  • Das mittlere Alter für den Prostitutionseinstieg liegt bei DREIZEHN (13) JAHREN; ein Teenager von 12 oder 13 Jahren hat nicht die geistigen und emotionalen Ressourcen um gegen einen älteren Mann zu bestehen, der ihr Liebe, Sicherheit und Zuneigung verspricht.
  • Mehr als ein Drittel der Ausreißerinnen prostituiert sich, um zu überleben;
  • Ein Drittel der minderjährigen Ausreißerinnen werden von einem „Unterstützer“ innerhalb von 48 Stunden rekrutiert;
  • Die prostituierten Menschen leiden fast alle an Abhängigkeiten (83% konsummieren Heroin, Kokain, Cannabis und Alkohol);
  • Die prostituierten Menschen leiden oft an psychischen Problemen (54% and schweren Depressionen, 42% haben einen oder mehrere Selbstmordversuche hinter sich);
  • 75% von ihnen sind oder waren zu einem Zeitpunkt ihres Lebens obdachlos;
  • 70% bis 95% der Personen, die auf der Straße arbeiten, wurden während der Ausübung der Prostitution körperlich angegriffen;
  • Etwa die Hälfte (41%) wurden während der Ausübung der Prostitution vergewaltigt;
  • 85% bis 95% wollen aus der Prostitution aussteigen, aber haben keine andere Möglichkeit;
  • Mehr als Zwei Drittel (68%) der Personen, die in Strip Clubs, Massagesalons und auf der Straße sind, leiden an Posttraumatischen Belastungsstörungen, die mit denen von Kriegsveteranen und Vergewaltigungsopfern und Überlebenden staatlicher Folter vergleichbar sind (diese Befragung wurde in 9 Ländern mit 859 Menschen durchgeführt);
  • 80% bis 90% der prostituierten Menschen sind Opfer sozialer Verachtung, die sie in unterschiedlichem Maß beeinträchtigen. (Auf dieses Argument kommen wir noch zurück, da es immer wieder als Gegenargument gegen den Abolitionismus auftaucht, der als „moralisierend“ und „von Leuten, die keinen Sex mögen“ verurteilt wird.)
  • Abschließend – legalisierte Prostitution erhöht die Gewaltakzeptanz von Gewalt gegen Frauen und Kinder und die Kinderprostitution. Es genügt, „Brasilien, Weltmeisterschaft und Kinderprostitution“ zu googlen, um die unzähligen Berichte von 12-Jährigen Kindern zu sehen, oder wie Vergewaltigungen an 13-Jährigen Kindern von Richterneingeschätzt werden, wenn das Kind eine „Sexarbeiterin“ ist: „Keineswegs unwissend, naiv oder uniformiert in sexuellen Dingen“

4. Amnesty vs. die Wirklichkeit: Das Nordische (Schwedische) Modell ignorieren um die Hölle der Prostitution zu verteidigen

 

Prostituierte Frauen dürfen keiner Stigmatisierung ausgesetzt sein, keiner Belästigung durch die Polizei, keinen Angriffen oder anderen Sanktionen. Aber hiervon ausgehend die Freierinteressen– nach immer jüngerem Frischfleisch, verletzlicher, frischer, Menschen, deren Unterordnung sie sich mieten können, und wenn möglich billiger – zu vermischen mit denen der prostituierten Frauen – sicher zu arbeiten – dazwischen liegen Abgründe. Abgründe, die Amnesty ohne zu zögern überbrückt, indem die Kriminalisierung der prostituierten Frauen mit der der Freier vermischt wird, obwohl es seit fast 15 Jahren etwas gibt, das „Nordisches Modell“ heißt.


Deutschland (2002) und Holland (2000) haben Zuhälterei und Prostitution legalisiert. Dänemark hat die Prostitution legalisiert, jedoch nicht die Zuhälterei. Schweden schlug 1999 den entgegengesetzten Weg ein, indem dort AUSSCHLIESSLICH der Sexkauf kriminalisiert ist. Die Frau in der Prostitution erhält keinerlei Anzeige oder Strafgebühr, dass der Verkauf von Sex keine kriminelle Handlung ist. Diejenigen in der Prostitution können sich also in Vereinigungen zusammenschließen, werden weder verhaftet noch verfolgt noch durch die Polizei belästigt. Sie können sich leichter gegen einen Freier wehren, wenn etwas schlecht verläuft.

Die Grundidee war, dass es in einer egalitären Gesellschaft nicht hinzunehmen ist, dass sich Männer die Körper von Frauen kaufen, von denen die große Mehrheit eine andere Wahl treffen würden, wenn sie sie hätten. Bei die Frau, die sich prostituiert, wurde davon ausgegangen, dass sie diese Aktivität unter Druck ausübt (sozialem, ökonomischen Druck, Mangel an Möglichkeiten, Ergebnis ihrer persönlichen Geschichte). Konsequente Unterstützung (also bedeutende finanzielle Hilfen) und echte Anstrengungen der Regierung wurden für diese Frauen unternommen, so dass es 60% der Frauen möglich war, Hilfe beim Ausstieg zu suchen.

Dieses Gesetz, das auf ethischen Grundlagen beruht, hat sich als wirksame Waffe gegen den Menschenhandel erwiesen.


Heute ist Schweden bei Menschenhändlern als schlechter Absatzmarkt bekannt – es ist nicht möglich, dort ein Bordell zu eröffnen. Das Land, das etwa 9 Mio. Einwohner_Innen hat, zählt vier mal weniger Menschenhandelsopfer als Dänemark (4 Mio EinwohnerInnen), wo die Prostitution legal ist. Schweden hat außerdem 62 Mal weniger Opfer von Menschenhandel (offiziell ermittelt, was nicht den realen Zahlen entspricht!) als Deutschland (mit einer Einwohnerzahl von etwa 90 Mio).

Mit dem Nordischen Modell ist es, entgegen der Befürchtungen, gelungen die schwereren Gewalttaten gegen prostituierte Frauen zu reduzieren.

Rückgang bei Faustschlägen um 38% und bei Vergewaltigung um 48%.


Dem American Journal of Epidemology zufolge liegt die Sterblichkeitsrate von prostituierten Frauen 12 mal über derjenigen der Gesamtbevölkerung. Das Risiko einer prostituierten Frau, an einer Krankheit oder einer Überdosis zu sterben, ist sogar 77 mal größer. In Schweden, wo die Kriminalisierung der Freier seit 1999 angewendet wird, wurde eine Frau, die Prostitution ausübte, von ihrem Ex-Partner getötet.

Es handelt sich dabei also eher um einen Fall von Partnergewalt als um eine Fall gegen das schwedische Gesetz. Dieser Mord ist neben den 120bis 127 ermordeten Frauen in Holland, wo die Prostitution legal ist, im gleichen Zeitraum zu sehen.

In Deutschland gab es seit der Legalisierung über 30 Morde an Frauen in der Prostitution durch Freier oder Zuhälter.

5. Amnesty: Prostituierte Frauen und unvollkommene Wahlfreiheit (sich prostituieren oder sterben?)


Im Internet zirkuliert eine berühmte Reihe namens „Mindfuck, when you see it, you’ll shit bricks“ (Mindfuck – du kackst Ziegelsteine, wenn du’s siehst). Das Spiel geht so: Ein Bild betrachten und dabei das Störendende, Verwirrende, Unbequeme oder Schockierende zu finden, das Erschreckende, nachdem wir das Bild nicht mehr so betrachten können wie vorher. Beispiel:




Der Amnesty Text ist in der gleichen Weise von Mindfucks durchzogen. Spielt mit – danach werdet ihr Amnesty nicht mehr so sehen wie vorher.


Amnesty Prostitution Policy document S.1

Amnesty International ist gegen die Kriminalisierung oder Bestrafung von Aktivitäten, die mit dem Kauf oder Verkauf von Sex zwischen einverstandenen Erwachsenen zusammenhängen. Amnesty International glaubt, dass bezahlten Sex zu suchen, zu kaufen, zu verkaufen oder ihn zu ersuchen Handlungen sind, die vor staatlicher Einmischung geschützt sind, solange in Verbindung mit diesen Handlungen kein Zwang, keine Drohungen oder Gewalt vorliegen. Legitime Beschränkungen können der Ausübung von Sexarbeit auferlegt werden, wenn sie im Einklang mit den internationalen Menschenrechten stehen (d.h. wenn sie ein legitimes Ziel verfolgen, geeignet sind, das Ziel zu erreichen, angemessen sind und nicht diskriminierend).

Amnesty ist also gegen Zwang, Gewalt, Drohungen oder Erpressung.

Aber wie soll die Abwesenheit von Drohungen, Gewalt oder Erpressung bewiesen werden? Ist extreme Armut ein Zwang? Die psychologische Gewalt durch einen Zuhälter – wird die als Gewalt definiert? Sieht die Organisation auch nur in einem einzigen Moment vor, die Freier in die Pflicht zu nehmen? Sieht sie Kontrollinstrumente vor, die sicher stellen, dass die betroffene Person volljährig ist und diese Handlungen durch eine freie und aufgeklärte Wahl ausführt? Denn wenn das nicht garantiert werden kann, wie kann dann einer „von staatlicher Einmischung befreiten“ Prostitution das Wort geredet werden? Angesichts der Zahlen und der Lebensumstände derer, die sich in Richtung Prostitution orientieren – als Mittel zu überleben – wie kann dann der Austausch einer verletzlichen und gefährdeten Frau als freie Zustimmung, aufgeklärt und autonom angesehen werden?

Amnesty wischt diese Frage diskret mit einem rätselhaften Satz beiseite:

Amnesty Prostitution Policy document S.1



und zeigt damit, dass es den „unvollkommenen Kontext“ (Inzest, Vergewaltigung, Missbrauch, Drogen, wirtschaftliche und körperliche Unsicherheit), in dem die Entscheidung zur Prostitution gefallen ist, genauso sieht, wie eine Entscheidung zur Arbeit in einem Bergwerk oder einem Haushalt.

Interessant, dass Amnesty uns als Beispiele für „unvollkommenen Kontext“ zwei andere Bereiche nennt, in denen Sklaverei eine bedeutende Rolle spielt.


3,5 Millionen in versklavter Arbeit bei häuslicher Arbeit, und 7,2 Millionen in Bergwerken. Quelle für detaillierte Informationen dazu: Internationale Arbeitsorganisation.


6. „Der Sexarbeiter“ laut Amnesty (1 v. 2)


Amnesty Prostitution Policy document S. 2


Sexarbeiter/Sexarbeiterin. Bei vielen Jobs spielt ein Aspekt von Sexualität zu wirtschaftlichem Gewinn eine Rolle. Im Rahmen unseres Ansatzes bezeichnen wir diejenigen als Sexarbeiter, die sexuelle Handlungen gegen Geld oder eine andere Form der Bezahlung (d.h. Essen oder Unterkunft) ausführen. Obwohl „sexuelle Handlungen“ nicht ausschließlich auf „Verkehr“ beschränkt sind, gilt die Bezeichnung im Rahmen unseres Ansatz unter Ausschluss von Tanzen und der Produktion sexuell expliziter Unterhaltung wie zum Beispiel pornographischer Filme und Materialien, bei denen alle an der Produktion entsprechenden Materials beteiligten Individuen entlohnt werden. darüber hinaus ist der Begriff „Sex worker“ oder „Sexarbeiter“ geschlechtsneutral intendiert, da sowohl Männer als auch Frauen sexuelle Dienstleistungen bieten.

Amnesty definiert als „Sex worker“ also einverstandene Erwachsene, die eine aufgeklärte und eigenständige Wahl zur Prostitution getroffen hat, und damit also als Personen, die Sex gegen Geld, aber ebenfalls gegen andere Arten der Bezahlung, wie Nahrung oder Unterkunft tauschen. Ich würde die leitenden Mitglieder bei Amnesty gerne fragen, während sie in ihren beheizten Büros in Zürich oder London sitzen, wie weit ein Mensch getrieben sein muss und wie verzweifelt, um Sex gegen ein bisschen Nahrung zu tauschen?

Amnesty Prostitution Policy document S. 2


Amnesty International ist sich der Tatsache durchaus bewusst, dass in einer Welt, auf der 300 Millionen Menschen von weniger als 2,50$ am Tag leben und auf der 80% der Weltbevölkerung in Ländern lebt, in denen sich die Einkommensunterschiede verschärfen, Individuen Handlungen zum Tausch in Bezug auf sexuelle Beziehungen eingehen, die nicht immer ein Ergebnis unmittelbaren Zwangs, aber doch ein Ausdruck beschränkter Optionen sind. Dies gilt besonders für Mädchen, Frauen und ..

Amnesty Prostitution Policy document S. 3


Amnesty International verurteilt solche Entscheidungen nicht und versucht auch nicht, sie zu negieren, denn dies zu tun, würde die Art und Weise ignorieren, in der Individuen überlegt und absichtlich handeln, um zumindest zu überleben oder sich zu ermächtigen.

Wenn ein Mensch absoluter Armut ausgesetzt ist, ist eine Verurteilung seiner Entscheidungen außer Frage – und damit sind wir beruhigt, dass Amnesty hier nicht als Schiedsrichter moralischer Finessen auftritt. Aber von dort ausgehend aus der Entscheidung sich zu prostituieren eine Übernahme eigener Verantwortung auf überlegte und bewusste Weise zu machen (bei einem Leben von weniger als 2,50$ am Tag!) erscheint als besonders unmenschlicher Trugschluss für eine Menschenrechtsorganisation. Könnten wir statt dessen Regierungen zu einer Übernahme eigener Verantwortung bringen?

7. „Der Sexarbeiter“ laut Amnesty (2 v. 2)

 

Mit dem Ersatz des Begriffes „Prostituierte“ durch „Sexarbeiter“ oder „Sexarbeiterin“ beteiligt sich das Unterfangen der Lobbyarbeit an einem Versuch, die Realität durch einen rhetorischen Schachzug zu verdecken, der nichts mit dem Wunsch nach Entstigmatisierung zu tun hat. Ich ziehe es vor, den Begriff prostituierte Person oder prostituierte Frau zu verwenden, da es in der überwältigenden Mehrheit um Frauen geht. Dieser Begriff trennt das Adjektiv (und die Aktivität) von der Person dahingehend, dass die Prostitution ein Teil ihres Lebens ist und nicht etwas, das sie ausmacht.

Genauso, wie „migrant sex worker“ genutzt wird, um eine Realität zu verdecken, die aus Armut , Gewalt und Menschenhandel besteht, wird „Sexarbeit“ eingesetzt, damit wir uns eine normale Arbeit oder eine richtige Karriere vorstellen. Unter dem Deckmantel der Beseitigung des Stigmas, dessen Opfer die prostituierten Personen sind, dem Deckmantel der eigenen Verantwortung und der Übernahme von Kontrolle, manipuliert man uns klar und einfach dahingehend, sexuelle Ausbeutung als normal hinzunehmen.

Medien erzählen und inzwischen von „SEXARBEITER_INNEN im Alter zwischen 13 und 17“, die aus einem Netzwerk befreit wurden. Stellen wir uns kurz vor, wie eine 13-jährige Sexarbeiterin wohl aussieht … das nennt sich Kind. Eine Formulierung von Zuhältern, die es geschickt erlaubt, die Tatsache, dass Pädophile Ausreißerinnen, die vermisst gemeldet waren, vergewaltigt und verkauft haben, mit Euphemismen belegt, ohne dass sich eine Augenbraue hebt.

Jemanden als Opfer zu bezeichnen gilt heutzutage als extrem abwertend. Heutzutage gilt es, jegliche Viktimisierung um jeden Preis abzulehnen. Aber ein Opfer zu sein heißt nicht, ohne jegliche Verteidigungsmöglichkeit dazu stehen. Eine Person, die Opfer von Sexismus und Diskriminierungen ist, von Rassismus, eines Justizirrtums, kann für sich und andere Veränderungen herbeiführen. Ihr den Opferstatus abzusprechen ist eine Erfindung des modernen Kapitalismus, in dem alles angeblich nur von uns und unserer Einstellung abhängt. Wir müssen nicht Opfer unseres Krebs sein, noch unserer Arbeitslosigkeit, und wenn eine Opfer von Vergewaltigung wird, dann doch bitte möglichst schnell wieder aufstehen ohne zu viel Tamtam zu machen.

Prostitution „Sexarbeit“ zu nennen, heißt ihre Gewalt zu normalisieren. Nachdem prostituierte Menschen ihrer Möglichkeiten beraubt wurden, ihres Schutzes in ihrer Kindheit und ihrer Ressourcen in ihrem Leben als Erwachsene, wirft man ihnen diese „Responsabilisierung, Übernahme von Verantwortung (=empowerment)“ wie einen Kauknochen hin. Der Zustand, Opfer zu sein, muss rehabilitiert werden. Es liegt nicht nur keine Schande darin, als Opfer anerkannt zu werden; Opfer eines Systems zu sein, macht die betroffene Person nicht machtlos, dieses System zu betrachten und zu versuchen zu überleben/es zu bekämpfen.

Vor allem aber: Wenn es Opfer gibt, dann gibt es auch Verantwortliche und/oder Angreifer. Es ist wichtig, als Opfer anerkannt zu werden, wenn Unrecht oder Gewalt erlitten wurden, um den Heilungsprozess beginnen zu können. Ohne dabei zu vergessen, dass die Anerkennung als Opfer das Recht auf finanzielle Entschädigungen eröffnet, die gar nicht hoch genug sein können, wenn es darum geht, sich wieder herzustellen.

8. Amnesty und Pornos. Pornos? Das ist doch Kunst?




(Fußnote zum obigen Text. )


Pornografie und anderes sexuell explizites Material werden von Sexarbeit unterschieden und nicht ausdrücklich in diesen Ansatz eingeschlossen, da es hier zusätzlich zur Bezahlung der Individuen, die an der Herstellung solchen Materials beteiligt sind [denn in der Prostitution gibt es keine Bezahlung?], keinen einzeln identifizierbaren, unmittelbar zahlenden Kunden gibt. Dieser Ausschluss bedeutet nicht im Geringsten, dass Amnesty International Gewalt, Drohungen oder Zwang [direkt? indirekt? vorher oder nachher?], die die Herstellung von Pornografie oder anderem sexuell explizit Material begleiten können, gut heißt. Amnesty International würde solches Verhalten im Einklang mit den internationalen Prinzipien und Standards auf ähnliche Weise genau überprüfen. Tanzen und andere Formen sexuell expliziter Unterhaltung werden hier als Ausdrucksform von Sexarbeit abgegrenzt.

Amnesty hält die Pornografie nicht für Sexarbeit. Nein, die Pornografie wird hier ausgeschlossen, da sie bezahlt wird (MINDFUCK?), und sie daher künstlerische Ausdrucksform, wie diese düstere Fußnote unten auf der Seite bestätigt. Besonders schlecht formuliert und darüber hinaus besonders übel.

Pornos. Diese Industrie der Folter und der Habgier,

die etwa 100 Milliarden Dollar wert ist, die Missbrauch und Frauenverachtung glorifiziert, wird von Amnesty International als simple künstlerische Ausdrucksformen betrachtet, unantastbar – und vor allem unantastbar von jeglicher Gesetzgebung.

Dies liefert uns Google bei der Suche nach „Frauen, bei Pornofilmen getötet.“ Laut Amnesty künstlerischer Ausdruck?


Auch hier liegen hunderte von Berichten, die Berichte Betroffener und

Statements über die Zusammenhänge zwischen der Prostitution und der Pornoindustrie vor.
[Für die beiden folgenden Links gilt eine massive Triggerwarnung - sexuelle Gewalt.]

Ganggang Videos aus deutschen Bordellen sind also Kunstproduktionen? Mainstream-Pornos, die 100 Milliarden wert sind, währen ohne massive Ausbeutung, Gewalt und Misshandlung von Frauen unmöglich.



Video von Mme Shelley Lubben, auf ihrer Seite zur Verfügung gestellt

9. Amnesty und die Zuhälter? Die bieten Hilfestellung.

 

Amnesty hat die netten Organisatoren der Prostitution nicht vergessen. Dieser Mindfuck wird Sie nicht enttäuschen.


Plädoyer zur Verteidigung der Unterstützer, S. 7.


Die grundsätzliche Kriminalisierung der Kunden der Sexarbeit, oder der unterstützenden Aufgaben wie etwa Leibwächter oder RezeptionistInnen, hat nachweislich diejenigen, die der Sexarbeit nachgehen, in den Untergrund gedrängt und damit das Risiko der Gewalt und des Missbrauchs erhöht. Wo Aspekte der Sexarbeit kriminalisiert sind, neigen diejenigen, die der Sexarbeit nachgehen, seltener dazu, übliche Vorsorge und dringend nötigen Schutz aufzusuchen. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass die Kriminalisierung des „Unterhalts durch Einnahmen aus der Prostitution“, vielleicht dazu gedacht, diejenigen zu treffen, die Sexarbeiter_Innen ausbeuten, in der Praxis sowohl unterstützende Hilfestellung (Leibwächter, RezeptionistInnen, VermieterInnen) als auch WohnungsgenossInnen, Familie und sogar Kinder betrifft.

Ja – das haben Sie richtig gelesen. Die Gesetze und die Kriminalisierung laufen Gefahr, die Hilfestellung für prostituierte Personen zu beeinträchtigen: Die Chauffeur_Innen, die Leibwächter_Innen, die Leute an der Rezeption, Besitzer und Wächter. Wer ist das, Leibwächter/Chaffeur, Bewacher einer prostituierten Frau?





10. Amnestys Position zum RECHT der Männer, sich Sex zu beschaffen.


Amnesty Prostitution Policy document S.6


Entsprechend üben Männer und Frauen, die Sex von einverstandenen Erwachsenen kaufen, ebenfalls persönliche Autonomie aus. Für einige von ihnen – besonders diejenigen mit Behinderungen in ihrer Mobilität und in ihren Sinnen, oder diejenigen mit psycho-sozialen Behinderungen, die ihre Interaktion mit anderen stören - sind Sexarbeiter_Innen Personen, bei denen sie sich sicher genug fühlen, um eine körperliche Beziehung mit ihnen einzugehen oder ihre Sexualität auszudrücken. Einige von ihnen entwickeln in ihrem Umgang mit Sexarbeiter_innen ein stärkeres Bewusstsein ihres Selbst und erhöhen damit ihre Lebensfreude und Würde. Auf einer sehr grundlegenden Ebene ist der Ausdruck von Sexualität und von Sex eine Grundkomponente menschlicher Erfahrung, die direkt mit der körperlichen und geistigen Gesundheit des Individuums verbunden sind. Die Einmischung des Staates in die Strategien eines Erwachsenen dazu mit einem anderen einverstandenen Erwachsenen Sex zu haben, ist daher eine gezielte Einmischung in die Autonomie und Gesundheit dieser Individuen.


Amnesty Prostitution Policy document S.5


Wie bereits bei Amnesty Internationals Ansatz zu Sexarbeit angemerkt, widersetzt sich die Organisation der Kriminalisierung aller Handlungen im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Sex. Sexuelles Begehren und Handeln sind ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Diejenigen zu kriminalisieren, die unfähig oder unwillens sind, dieses Bedürfnis durch traditionell anerkanntere Mittel zu stillen und die daher Sex kaufen, kann auf eine Verletzung ihrer Rechte auf Privatsphäre hinauslaufen und das Recht auf freie Entfaltung und auf Gesundheit unterminieren.

Unter Abzug der Euphemismen:

Männer, die sich sexuelle Dienstleistungen von Anderen kaufen, die keine Wahl außer der Prostitution haben oder die im Alter von 13 eine „eigenständige und aufgeklärte“ Entscheidung getroffen haben, über ihre persönliche Autonomie aus. Für einige – diejenigen, die Behinderungen haben, sich sozialer Interaktion verweigern oder Psychopathen sind – sind prostituierte Frauen Personen, über die sie bestimmen können und die sie dominieren können und denen sie möglicherweise Gewalt aufzwingen können. Es ist wichtig, dass Männer voll und ganz ihr Leben genießen können, wobei Sex ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Erfahrung ist. Wenn der Staat bei ihren Strategien, sich Sex zu beschaffen, interveniert, dann geht er gezielt gegen ihre Rechte vor. Sexuelles Begehren und Handeln sind grundlegend männliche Bedürfnisse. Diejenigen zu kriminalisieren, die sich nicht die Mühe antun wollen, einem anderen Menschen gleichberechtigt zu begegnen, bedeutet eine Verletzung der Privatsphäre, eine Einschränkung der Rechte auf freie Entfaltung und auf Gesundheit.

Für Amnesty zählt die körperliche und geistige Gesundheit der Frau, die in der Prostitutions- (und Porno-) industrie ausgebeutet wird, nicht. Wie im 19. Jahrhundert ist es wichtig, die freie Entfaltung des Mannes zu schützen und seinen Zugang zum Recht auf Schenkel. Die großherzigen Prostituierten sind dazu da, das Recht der Männer auf Genuss und auf Lebensfreude zu garantieren.

Noch ein anderer höchst problematischer Punkt. Amnesty wirft Männer, die eine körperliche oder geistige Behinderung haben, mit Soziopathen (diejenigen, die keine menschlichen Kontakte aufbauen wollen) in einen Topf. Dies ist nicht die erste Stelle, an der das Dokument eine Gruppe von Menschen instrumentalisiert, um einen widerlichen Gedanken zu verbreiten. Eine Ungerechtigkeit (eine Behinderung) kann nicht durch eine andere (Ausbeutung einer Frau) ausgeglichen werden. Außerdem ist es gerade heraus beleidigend anzunehmen, dass ein behinderter Mann zu einer Liebesbeziehung nicht fähig ist und dass er von einem anderen Menschen nichts anderes begehrt als den Ort seiner Sexualität. Letztlich will Amnesty, dass wir davon ausgehen, dass ein Mensch mit Behinderungen nicht geliebt werden kann – und dass seine einzige Möglichkeit auf Kontakt zu einer Frau darin besteht, sie zu bezahlen.

11. Amnesty verdreht absichtlich internationale Texte gegen die Prostitution und lügt über deren Inhalt.


Haben Sie noch nie etwas von CEDAW gehört? Ich auch nicht. Aber das war früher. Es handelt sich um die Konvention zur Beendigung aller Formen der Diskriminierung von Frauen,


die 1979 durch die Vereinten Nationen unterzeichnet wurde. Amnesty zitiert Artikel 6, der Amnestys Meinung nach in einer schönen Verpackung des #notallmen-ismus angeblich nicht erlaubt, davon auszugehen, dass jede Form der Prostitution ausbeuterisch ist.


Amnesty Prostitution Policy document S.8


Amnesty Prostitution Policy document S.9


Artikel 6 der Konvention zur Beendigung aller Formen der Diskriminierung von Frauen fordert Staaten auf, Frauen und Mädchen vor der „Ausbeutung der Prostitution“ zu schützen. CEDAW definiert die Begriffe „Ausbeutung“ und „Prostitution“ nicht. Die Wortwahl in Artikel 6 legt nahe, dass nicht alle Arten der Sexarbeit an sich ausbeuterisch sind.

Doch was steht wirklich in Artikel 6? Im Original: “States Parties shall take all appropriate measures, including legislation, to suppress all forms of traffic in women and exploitation of prostitution of women.”

Staaten sollen alle angemessenen Maßnahmen einschließlich der Gesetzgebung treffen, um alle Formen des Frauenhandels und der Ausbeutung der Prostitution von Frauen zu unterbinden.

In Artikel 6 steht nichts von dem, was Amnesty dort findet – und nichts legt es nahe – darin steht das Gegenteil. Artikel 6 umfasst sämtliche Situationen der Prostitution. Mit der Behauptung, die Konvention lege nahe, „dass nicht alle Arten der Sexarbeit an sich ausbeuterisch sind“ erfindet Amnesty schlicht und einfach Inhalte, die dort nicht stehen, und zählt auf unsere Faulheit, nicht alle Quellen zu überprüfen.

12. Ein Wort zum Abschied? Amnesty oder #NotAllMen



„… die Konvention DARAUF HINZUWEISEN SCHEINT, DASS …“ #notallmen, S.9


Ja, meine sehr geehrten Damen und Herren, Amnesty warnt uns vor Verallgemeinerungen und belehrt uns darüber, dass nicht alle Freier – nun, dass alles darauf HINZUWEISEN SCHEINT, auch wenn man sich da nicht mal sicher ist – gewalttätig oder ausbeuterisch sind. Aber wenn sie gewalttätig sind, dann sind sie nicht zimperlich (vgl. den Artikel zu den guten Familienvätern, die vergewaltigen und schlagen: Gewalt durch "normale" Freier).



KanadischesProjekt, dass die Aussagen von „normalen“ Feiern prostituierter Menschensammelt.

(Führte meinen großen Schwengel in ihre Muschi begann zu pumpen und legte meine Hand auf ihren Magen, sie sagte, ich soll das lassen. Dies fing an, sich sehr merkwürdig anzufühlen und nach 20 bis 25 Minuten von „tu dies nicht“, „tu das nicht“, wurde es auch ziemlich lusttötend. Ich mache weiter in ihrer Muschi bis ich etwas sehr nasses aus ihrer Muschi laufen spürte, was war jetzt los, hat sie ihre Periode, nein viel schlimmer „ich bin schwanger“. Blut floss überall, das Mädel heulte, sie hatte eine Fehlgeburt bei ihrer Arbeit.)

Weitere Beispiele auf Englisch, Französisch und Deutsch.

Schlussfolgerung: Wer profitiert von dem Verbrechen?


Amnesty versteckt seine gewalttätigsten, übelsten und das widerlichsten Anmerkungen in diskreten Fußnoten – im Namen der Rechte von prostituierten Frauen und Kindern, der SexarbeiterInnen, Kunden und Zuhälter. Die elf Seiten des Dokuments sind von einer unerträglichen Absurdität und Gewalt, aber es war nötig, hier zu kürzen, um Ihnen Zeit zu sparen. Trotz allem ist es mir nicht geglückt, es kurz zu machen, und ich danke Ihnen für ihre Geduld.

Doch die Skeptischeren (und Geduldigen) unter Ihnen werden sich fragen: Bei all den Ausschnitten, wurde dieses Papier wirklich von Amnesty als offizielle Haltung zur Prostitution vorgelegt? Und hat diese Organisation wirklich ein Dokument zu den Rechten der Zuhälter entworfen? Ja.


Amnesty Prostitution Policy document S. 4



Zweitens, und dies ist üblicher, belegen Staaten Aktivitäten, die mit der Sexarbeit zusammenhängen, mit strafrechtlichen oder anderen Sanktionen. Solche Sanktionen betreffen diejenigen, die Bordelle führen, Sexuelle Dienstleistungen ersuchen oder kaufen, zur Prostituierung anderer Menschen rekrutieren oder dies vermitteln, von den Einkünften aus Sexarbeit leben, oder die Sexarbeit durch das Bereitstellen von Informationen oder Unterstützung erleichtern. Sanktionen sind oft eher an das unmittelbare Anbieten von Sex geknüpft als an den Sexverkauf an sich.

Amnesty Prostitution Policy document S. 5


Wie bereits bei Amnesty Internationals Ansatz zu Sexarbeit angemerkt, widersetzt sich die Organisation der Kriminalisierung aller Handlungen im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Sex.

Hier werden Sie sagen, diese prostituierten Personen, diese berühmten „SexarbeiterInnen“ – die mussten doch wohl irgendwann gefragt worden sein? Aber sicher, mit der Frage hätten sie absolut Recht. Die „Sexarbeiter“ sind voll und ganz gefragt worden, haben bei der Formulierung des Dokumentes mitgeholfen, und könnten von so einem Ansatz enorm profitieren. Aus dem guten Grund heraus, dass „Sexarbeit“ bei Amnesty keinen Unterschied macht zwischen der prostituierten Frau und dem Besitzer des Etablissements, in dem sie prostituiert wird.


Und so besteht Douglas Fox, also der Manager einer britischen Escort-Agentur, auf seiner Urheberschaft des Internetdokumentes zu Amnesty. Er ist auch der Pressesprecher einer Vereinigung prostituierter Personen.

(Genau. Ein Zuhälter als Mitglied einer Gewerkschaft prostituierter Frauen), eine sehr interessante Persönlichkeit, die Amnesty seit Jahren beeinflusst.


Die richtige Schlussfolgerung

 

Prostituierte Frauen sind nicht durch Legalisierung geschützt, wohingegen die Kriminalisierung der Freier gute Ergebnisse bringt.

Es gibt jede Menge Studien zum nordischen Modell, die seinen Erfolg analysieren und seine Fehler offenlegen, so zum Beispiel seitens der Organisation Coalition Against Trafficking in Women Australia, oder ein Bericht der schwedischen Regierung, oder auf dem Blog Abolish Prostitution Now, der das dankenswerter Weise kurz und einfach ausführt.

Die prostituierten Frauen dürfen nicht kriminalisiert werden. Das in Frankreich inzwischen glücklicherweise abgeschaffte Gesetz gegen das Ansprechen von Kunden oder ihre „passive Anwerbung“ durch entsprechende Kleidung aus der Zeit der Sarkozy-Regierung war schändlich, es gefährdete die Schwächsten noch mehr (aus den Städten verwiesen) und lies sie ohne Möglichkeit, sich gegen die Vergewaltigungen und die Gewalt der Freier zu wehren (da ihre Aktivität illegal war).

Die Kriminalisierung der Freier erlaubt es den Frauen, Gesundheitsdienste und Hilfe zu fordern, Anzeige zu erstatten, wenn ein Freier (… zu..) gewalttätig wird. 60% der Frauen, die sich in schwedische Sozialprogramme eingeschrieben haben, konnten die Prostitution verlassen, Bordelle können nicht mehr gegründet werden und die öffentliche Meinung verurteilt den Sexkauf. Das Stigma hat die Seite gewechselt.

Europa kann es besser machen:


Die Sozialgesetzgebung darf nicht dazu dienen, prostituierte Frauen zu beeinträchtigen. Insbesondere das Sorgerecht für Kinder oder das Mietrecht dürfen nicht gegen prostituierte Personen gerichtet werden.

Gesetze zur Einwanderung und zum Menschenhandel müssen angeglichen werden, um prostituierte Frauen zu schützen. Welche von ihnen wird Anzeige erstatten, wenn die Folge darin besteht, ausgewiesen zu werden und in Arkhangel, Rumänien oder Albanien angekommen, umgebracht zu werden?

Das System muss auf europäischer Ebene harmonisiert werden. In Europa und in den reichen Ländern haben Menschenhändler am meisten zu gewinnen. Das nordische Modell wird ausgehebelt, wenn die Menschenhändler einfach in das Nachbarland ziehen. Dies ist ein internationales Versagen auf Kosten der Frauen.

Schließlich darf die juristische Aufarbeitung der Verbrechen auch nach der Zerschlagung der Netzwerke nicht auf den Schultern der schwächsten Menschen in dieser Kette abgeladen werden. Die Verurteilung der Zuhälter und Menschenhändler muss sich auf die Aussagen von Personen stützen, die geschützt sind und in der Gesellschaft in Sicherheit sind. Das heißt, auf die Aussagen der Polizei und Staatsanwaltschaft. Und eventuell auf die Aussagen der lieben Freier.

Weitere Quellen:

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