Sonntag, 20. April 2014

Öffentliches Statement an Amnesty International

Zum öffentlichen Statement an Amnesty bei Space International.

Anmesty International Protest-Plakat, Protest Resources

Aufruf von SPACE INTERNATIONAL – Survivors of Prostitution-Abuse Calling for Enlightenment

Wir, die Mitglieder von SPACE International, widersprechen entschieden der Positionierung von Amnesty International (AI) zu Prostitution. Amnestys kürzlich veröffentlichtes Dokument (1), das behauptet, die Ausbeutung der Prostitution sei eine Angelegenheit von Autonomie und selbstbestimmter Wahl, verdient nichts geringeres als unsere öffentliche Verurteilung als Verrat an den Rechten von Frauen. Darüber hinaus handelt es sich um eine politische Position, die nur eingenommen werden kann, wenn man bereit ist, die realen Situationen zu übergehen, die dazu führen, dass Frauen und Mädchen überhaupt in der Prostitution landen.

Prostitution ist ein Geschäft, das vom absoluten Mangel an Autonomie und selbstbestimmter Wahl lebt und Amnestys Bezeichnung davon als „frei gewählte bezahlte Arbeit“, als „freely chosen gainful work“ übersieht absichtlich und explizit die Tatsache, dass nichts an kommerzialisierter Ausbeutung frei gewählt wird. Wir wenden uns jeder Beziehung gegen die Aussage und den Ton dieses Dokuments, angefangen mit der Überschrift, in der Prostituton als „Sexarbeit“ dargestellt wird, wodurch das, was Prostitution grundsätzlich ausmacht, verdeckt wird. Prostitution ist Misshandlung und ausbeuterische sexuelle Gewalt gegen Menschen, fast immer Zahl Frauen und Mädchen, die durch andere Menschen, üblicherweise erwachsene Männer, ausgeführt wird; Männer die sich im Vergleich zu denjenigen, die sie zur sexuellen Benutzung und Misshandlung kaufen, in einer Position sozialer, rassistischer und finanzieller Privilegierung befinden.



Im Rahmen einer Debatte kann vielleicht behauptet werden, dass eine kleine Minderheit der prostituierten Bevölkerung dieser Erde dies selbst so wählen, die sehr große Mehrheit derer in der Prostitution befinden sich als Ergebnis eines Mangels an Wahlmöglichkeiten dort. Öffentliche Politik wird als Reaktion auf das gestaltet, was der riesigen Mehrheit geschieht, nicht einer winzigen Minderheit. Überall auf der Welt sehen wir bei denen, die Prostitution ertragen, in erschreckenden Zahlen, dass sie die wirtschaftlich Ausgeschlossenen, die emotional Verwundbaren, die sexuell Misshandelten, die ethnisch Marginalisierten und die sozial Ausgegrenzten sind. Angesichts dieser weltweit anerkannten Tatsache hat Amnesty International hier eindeutig eine Position bezogen, die dem eigenen Auftrag als Organisation, die sich um Menschenrechte kümmert, widerspricht.

Amnesty Internationals Positionierung widerspricht diametral lange etablierten Menschenrechtskonventionen. Sie widerspricht verschiedenen Schlüsselansätzen der UN, u.a. der Konvention zur Unterdrückung des Menschenhandels und der Prostitution anderer von 1949, also der 1949 Convention for the Suppression of the Traffic in Persons and of the Prostitution of Others, die erklärt, dass Prostitution „nicht vereinbar ist mit der Würde und dem Wert des Menschen.“ Artikel 6 der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau von 1979 (Convention on the Elimination of Forms of Discrimination Against Women (CEDAW)) bezieht eine entsprechende Position. Das UN Protokoll von 2000 zur Verhinderung, Bekämpfung und Bestrafung von Menschenhandel (UN Protocol to Prevent, Suppress and Punish Trafficking in Persons) betrachtet Prostitution unter bestimmten Bedingungen ebenfalls als Menschenhandel. Dieses Protokoll wendet sich auch gegen die Nachfrage an kommerzieller sexueller Ausbeutung.

Amnestys Position „das älteste Gewerbe der Welt“ (2) zu unterstützen stellt diese traditionsreiche Menschenrechtsorganisation eher in eine Reihe mit einigen der brutalsten und gewalttätigsten Kräfte, die wir kennen, mit organisierten kriminellen Netzwerken, die das enorm profitable Geschäft des Verkaufs von Menschen für Sex ausführen, als mit ihren Opfern, deren Menschenrechte ignoriert und verneint werden. Amnesty Internationals Position entschuldigt die Ungerechtigkeit der Prostitution nicht nur, sondern treibt sie auf die Spitze, wenn in diesem bizarren und verdrehten Dokument das Recht der Freier „Sex zu kaufen“ lautstark vertreten wird. Wir raten den Mitgliedern von Amnesty International, sich die prostitutionsfreundliche Haltung sehr genau anzusehen, die im Moment Amnesty International Ruf und den aller daran beteiligten schädigt.

(1) Decriminalisation of Sex Work: Policy BackgroundDocument / Entkriminalisierung der Sexarbeit: Positionspapier (Hintergrundpapier).

(2) Norma Ramos, Addressing DomesticHuman Trafficking, 6 U. St. Thomas 2008





Weitere Informationen zu dem besprochenen Amnesty Papier, das von Douglas Fox, dem Besitzer mehrerer Bordelle in Nordengland verfasst und in Umlauf gebracht wurde und das den jetzigen Positionierungsversuch seitens einiger Amnesty International Mitglieder massiv beeinflusste:

Julie Bindel: An abject inversion of its own principles (Daily Mail, 24. Jnaur2014)

Das Statement von SPACE international wurde auch bei Abolish Prostitution Now veröffentlicht.



Bei Change.org gibt es zwei Petitionen dazu:

Demand that the Nordic Model be implemented for the protection of prostituted and trafficked human beings

Listen to survivors: Reject the Proposal to Decriminalize all Aspects of Prostitution

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