Freitag, 25. April 2014

Rechtzeitig zur WM: Brasilien will Prostitutionseinnahmen legalisieren

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By Tomas Castelazo (Own work)
[CC-BY-SA-3.0 or GFDL],
via Wikimedia Commons
Die Fußball-WM wird in diesem Jahr hunderttausende Besucher aus aller Welt nach Brasilien führen. Davon profitiert nicht nur die Tourismus-Branche, auch die Prostitution erlebt durch die zahlreichen Besucher aus dem Ausland einen regelrechten Aufschwung. In Brasilien ist Prostitution bislang nicht verboten, das bedeutet, die die ihr nachgehen werden ebenso wenig bestraft, wie die Freier, Bordelle, Laufhäuser und Zuhälterei, also Dritte, die daran verdienen und alle Einnahmen daraus sind jedoch illegal. Das soll nach deutschem Vorbild jedoch pünktlich zur WM geändert werden: Ein Gesetzentwurf, der eindeutig am deutschen Prostitutionsgesetz von 2002 angelehnt ist, liegt vor und soll unbedingt noch vor der WM in Kraft treten.


Brasilien ist ein sogenanntes Schwellenland. Viele Menschen sind, trotz erfolgreichem Wirtschaftswachstum der letzten Jahre, von großer Armut betroffen. Aus diesem Grund blüht die Prostitution. Eine halbe Million Frauen geht in Brasilien der Prostitution nach, darunter besonders viele Minderjährige. Aus diesem Grund ist es gerade für Sextouristen so besonders beliebt.

Sex ist ein Marketingfaktor für Brasilien – da werden die Prostitutierten miteinbegriffen.

“Brasilien ist das einzige Land, in dem Prostituierte einen Orgasmus haben”, soll Politiker und Schriftsteller Fernando Gabeira einmal gesagt haben. Also alles in Butter an der Copa Cabana? Weit gefehlt. Die meisten Prostituierten kommen aus den ärmsten Gegenden, sind drogenabhängig, minderjährig. Oft bringen ihre eigenen Familien sie in die Prostitution, weil sie die Hoffnung haben, dass sie so einen reichen Freier aus dem Ausland kennenlernen. HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten grassieren. Zahlreiche NGOs und Menschenrechtsorganisatoren befürchten einen massiven Anstieg der Kinderprostitution im Zusammenhang mit der WM im Sommer 2014.

Die Organisatoren der WM sehen es eher praktisch. Die Associacao das Prostitutas de Minas Gerais bietet Sprachkurse für Prostituierte an, die von den WM-Organisatoren finanziell unterstützt werden. 

Rechtzeitig vor dem 12. Juni sollen nun die Einnahmen aus dem zu erwartenden Millionengeschäft der Prostitutierten während der WM legalisiert werden – mit Hilfe des an das deutsche Prostitutionsgesetz angelehnten Gesetzentwurf. Warum man sich gerade für das deutsche Modell entschieden hat, darüber klärt Banishea in ihrem aktuellen Blogpost auf:  Die darin gemachten Fehler werden nicht etwa korrigiert, sondern bereitwillig übernommen. Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung sollen darin verboten bleiben – allerdings mit den gleichen schwammigen Paragrafen wie hier zu Lande. So ist Menschenhandel, ebenso wie hier, nur noch dann strafbar, wenn er eindeutig zum Zweck der sexuellen Ausbeutung geschieht. Wann diese explizit vorliegt, darüber entscheiden die Gerichte im Einzelfall, das Gesetz lässt viel Spielraum. Klar umschrieben ist, dass sexuelle Ausbeutung nur noch bei der Anwendung “schwerer Gewalt” vorliegt. Leichte Gewalt ist also vollkommen unproblematisch. Was das in einem Land wie in Brasilien bedeutet, mag sich jeder mit ein bisschen Fantasie selbst ausmalen.

Doch es regt sich Widerstand. Auch in Brasilien sind Menschen nicht gewillt, die Legalisierung der Einnahmen aus der Prostitution einfach so hinzunehmen und die daraus entstehenden massiven sozialen Folgen für ihre Gesellschaft zu tolerieren.

Auf Facebook und auf Blogs finden sich ähnlich wie in Deutschland AbolitionistInnen zusammen, um sich gegen dieses Modell der Ausbeutung zur Wehr zu setze.

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