Dienstag, 13. Januar 2015

Kopfschüttelliste 2014

Wikimedia Commoms, CC BY SA 3.0 Feltöltő: TarzanASG
Wer über Prostitution diskutiert sitzt erfahrungsgemäß regelmäßig kopfschüttelnd vor dem Rechner. Hier die Kopfschüttel-Highlights aus dem vergangenen Jahr.

Johanna Weber zur Headline "Hartz IV - Verschärfungen für Alleinerziehende":

"Na, da werden sicher viele Neue in die Sexarbeit einsteigen ... Wir vom Bundesverband können uns ja schon mal Gedanken machen über Einstiegshilfen."

Nicht zu überbieten - Absoluter Spitzenreiter

Laurie Penny

"Sex gegen Geld tauschen, das tun alle Frauen in dieser Gesellschaft mehr oder weniger. Und dieser unbarmherzige Mechanismus macht wütend. Diese Gefühle lassen sie [die Feministinnen] an den Prostituierten aus, weil die den Mechanismus deutlich zeigen: Sex für Geld."

Wir lernen: Laut Laurie Penny sind also alle Frauen Prostituierte. Gut, dass wir das jetzt wissen

Olaf Forner, bekennender "Sexkäufer"

"Hat der eine Partner kein Recht auf Sex, wenn der andere gerade nicht will?"

Ehm, nein!

Udo Gerheim

"Die Sexarbeiterin bringt darin, zum Zweck des Gelderwerbs, ihren Körper und ihre Körperöffnungen zum Einsatz. Durch diese (mündliche) Vereinbarung erhält der Freier ein aktives Zugriffsrecht auf den Körper und die Sexualität der Sexarbeiterin."


Pieke Biermann

"Nur gut, dass genau jetzt die Überlebenskünstlerinnen aller sexistischen Verachtung das Spielfeld für Verbündungen “re-sexualisieren” und neu und größer vermessen: die Hurenbewegung, die Sex auch in Gestalt sexueller Dienstleistungen zu den Menschenrechten zählt und damit den Hurenlohn ebenso verteidigt, wie sie Freier gegen Diskriminierung schützt."

Sex am lebenden Objekt als Menschenrecht - wundervoll

Antje Schrupp

"Sie [die prostituierten Personen] wählen diese Tätigkeit, weil es angesichts ihrer konkreten Lebenssituation die am wenigsten schlechteste ist – weil sie zum Beispiel kaum andere Möglichkeiten haben, für sich oder ihre Kinder an Geld zu kommen. Man kann ruhig davon ausgehen, dass sie sehr wohl in der Lage sind, ihre Situation und ihre Optionen realistisch einzuschätzen."

Welche ein Widerspruch: Sie haben zwar keine Optionen, können aber zwischen diesen frei abwägen.

Olaf Forner, bekennender "Sexkäufer", zum Zweiten

"Ich denke, es gibt diese schlechten Arbeitsbedingungen. Und ich werfe Männern, die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen, vor, dass wir uns um diese Bedingungen nicht kümmern. Das ist ja bei anderen Konsumentscheidungen nicht anders"

Herzlichen Dank für die Bestätigung, dass Frauen in den Augen der "Sexkäufer" eine Ware sind.

Sonja Dolinsek


"Only when women begin to respect sex workers and listen to them, will men follow suit and we can then move towards real gender equality."

Erst wenn die Unterprivilegierten nette Stimmung bereiten fangen die Machtmißbräucher und Ausbeuter an darüber nachzudenken ihre Machposition nicht mehr auszunutzen?

Rainer Pommrich

"Ökonomische Not ist aber ein strukturelles Problem, kein Problem des Freiers. Der ist schließlich kein Wohltätigkeitsunternehmen"

Auf die Frage "Konstituiert für dich ökonomische Not Freiwilligkeit? Mehr als 90% der prostituierten Personen kommen heutzutage aus den Armenhäusern Europas"

Juanita Henning, Doña Carmen


"Bei Henning klingt Prostitution wie ein Traumjob. Probleme mit Drogen? "Nur auf dem Straßenstrich." Mit Zuhälterei? "Ein Versuch, das Management der Prostitution zu kriminalisieren." Organisierte Kriminalität? "Fehlanzeige." Menschenhandel? "Eine juristische Konstruktion in politischer Absicht.""

Udo Gerheim, zum Zweiten

"Die Sexarbeiterin demgegenüber kann den Kontakt zu einem Freier ablehnen oder den vereinbarten Kontrakt jederzeit legal aufkündigen und dem Freier das Zugriffsrecht auf ihrem Körper entziehen." 

Klar, alles total easy. Das hat er sich wohl von seinen Forschungsobjekten einflüstern lassen. Und was Sexkäufer sagen, stimmt natürlich

Care Revolution Bündnis

"Vom 14. bis 16. März 2014 trafen wir uns, ca. 500 Menschen, die in verschiedenen Feldern sozialer Reproduktion – Gesundheit, Pflege, Assistenz, Erziehung, Bildung, Wohnen, Haushalts- und Sexarbeit – politisch aktiv sind, zu einer ersten Aktionskonferenz Care Revolution. Über 3 Tage hinweg tauschten wir persönliche und politische Erfahrungen – zunächst überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum – aus und diskutierten, wie grundlegende Veränderungen hin zu einer bedürfnisorientierten Care-Ökonomie angestoßen werden können."

Prostitution + bedürfnisorientiert - na dann kennen wir als Frauen ja jetzt den Platz in der Gesellschaft, den diese Feministinnen für uns vorsehen

Carmen Amicitiae, Berufsverband erotisch und sexuelle Dienstleistungen

Der Begriff "Zwangsprostitution" ist nicht sachlich neutral, sondern stark (ab-)wertend. Daher lehnen wir den ab.

Wir sind uns sicher die Tatsache gegen den Willen prostituiert zu werden ist für die Betroffenen auch "sachlich neutral". Ganz bestimmt.

Olaf Forner, bekennender "Sexkäufer", zum Dritten


"Man muss wissen, dass es in vielen Gesellschaften in Osteuropa nicht vorgesehen ist, dass Frauen sich sexuell ausleben. Dass Sex Freude macht, erwarten sie gar nicht. [...]."

Ja, dann ist ja alles paletti.

Laura Méritt

"Dem gegenüber werden die ökonomisch mächtigen Kunden aufgebaut, die von männlichem Sexualtrieb geleitet als bösartige Patriarchen auftreten. [...] Der sex-positive Feminismus entlarvt solche Mythen und unterstützt das Bewusstmachen von Sexualität."

Frederik, Mädchenmannschaft, über die schwedische Feministisk Parti:

"Auf der Homepage der Partei wird Trafficking als Argument benutzt, um die Debatte zu verwischen und Sexarbeiter_innen ihrer Agency zu berauben."

Klar, Menschenhandel ist nur ein Argument und kein Faktum, ein Konstrukt, wie Juanita Hennig (Dona Carmen) so schön sagt (siehe oben)

Udo Gerheim, zum Dritten

"Prostitution forever? [...] Wenn viertens eine breite und kritische Diskussion über die gesellschaftliche Organisation von Sexualität geführt werden würde, die [...] auch den Mut aufbringt, das lustvolle Moment, die Ausschweifung und das rauschhafte Potenzial der Prostitution als Inspiration und Anregung für das soziale Feld der Sexualität insgesamt zu diskutieren,"

Diese Bejahung von Prostitution für die Ewigkeit ist noch zusätzlich grauenvoll. Nur noch die Bedingungen dafür setzen.

Carmen Amicitiae, BesD, zum Zweiten


"Bulgarische und Rumänische "Armutsprostituierte" arbeiten hier im Rahmen der EU-Freizügigkeit völlig legal zu besseren Löhnen als zu hause."

Wenns nur besser als "dahoam" sein muss ist alles dufte, auch wenn es Ausbeutung ist. Man muss alles nur relativ sehen

Nadine Lantzsch

"Mehr Beratungs- und Unterstützungsangebote statt Kontrolle, Verbote & behördliche Überwachung bei #sexarbeit wie bei #menschenhandel"

Wohlgemerkt: AUCH BEI MENSCHENHANDEL! Dieser abartige Verrat an Menschen ist nicht auszuhalten.

Maria Wersig

"Das Bedürfnis, Sexarbeiter_innen individuelle Pflichten aufzuerlegen und möglichst viel über sie zu erfahren, das wohl dem Wunsch entspringt, kriminelle Machenschaften im Bereich der Prostitution unter Kontrolle zu bringen aber im Grunde diesen gesamten Bereich in der kriminellen Ecke sieht, birgt wie gesagt die erhebliche Gefahr der Stigmatisierung."

Und die (vermeintliche) Stigmatisierung (vom wem eigentlich? der Profiteure oder der prostituierten Personen) ist natürlich weitaus schlimmer, als wenn Menschen seriell vergewaltigt werden, ganz klar.

Stephanie Klee



"Dabei scheint mir eine Einstiegsberatung sogar wichtiger als eine Ausstiegsberatung zu sein. Wenn ich unvorbereitet an die Sache rangehe, tappe ich vielleicht in die eine oder andere Falle."

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