Auseinandersetzungen mit LobbyistInnen der Sexindustrie anlässlich der Filmvorführung "Sexarbeiterin"
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Der Aufruf wurde unterstützt von Abolition 2014, Die Störenfriedas, Feministische Partei DIE FRAUEN, Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt, Initiative STOP Sexkauf!, Ladies Team e.V., , LISA Wiesbaden sowie Trauma & Prostitution - TraumatherapeutInnen für eine Welt ohne Prostitution und Einzelpersonen.
Anlass war die Vorführung des Filmes "Sexarbeiterin". Dieser Film porträtiert die "Arbeit" von Lena Morgenroth, die in Berlin ein Tantramassagestudio betreibt und im Studio Rex von Johanna Weber tätig ist. Wir haben an anderer Stelle eine ausführliche Filmrezension verfasst.
Für den Anschluss an die Filmvorführung war seitens des Kinos ein Fachgespräch mit dem Frankfurter Verein Doña Carmen organisiert worden.
Vor Filmbeginn haben wir vor dem Kino Flyer und abgedruckte Freierzitate verteilt. Wir haben Gespräche mit BesucherInnen des Filmes geführt, um zu verdeutlichen, dass der Film nicht nur als einzelnes Statut resp. Kunstwerk betrachtet werden kann, sondern eine Pseudo-Wirklichkeit des Systems Prostitution zeichnet, die in keiner Weise der Realität der ihr inhärenten Ausbeutung, Gewalt und Schädigungen, die die Mehrheit der Frauen dort erleidet, entspricht. Wichtig war uns zu betonen, dass der Film nicht politisch ent-kontextualisiert werden kann, da er als Propaganda-Mittel der Sexindustrie funktioniert und offensichtlich fungieren soll: Die Macher - allesamt männlich - sprechen sich explizit gegen den nordischen Ansatz aus, weshalb er auch als politisches Statement verstanden werden muss.
Die drei VertreterInnen von Doña Carmen passierten uns vor der Filmaufführung und pöbelten dabei gegen eine von uns, da sie Parteimitglied der LINKEN ist und sich schon lange gegen die Sexindustrie und deren Lobby engagiert. Man lud uns in aller Deutlichkeit ein, nach dem Film mit ihnen zu diskutieren.
Den ersten Redebeitrag nach der Filmvorführung hielt ein Besucher, der seine Skepsis kundtat. Fragend merkte er an, dass doch hier nicht das Bild einer "typischen Prostituierten", sondern im Prinzip das einer Masseurin gezeigt worden sei und dieses Porträt seinem Gefühl nach nicht der Wirklichkeit von Frauen in der Prostitution entspreche. Aus seinem Eindruck formulierte er die Frage nach der Einschätzung von Doña Carmen.
Die gleiche Frage, also sinngemäß: "Sind das Leben und die 'Arbeit' von Lena Morgenroth repräsentativ für die Mehrheit der Menschen in der Prostitution?", wurde von mindestens zwei weiteren BesucherInnen gestellt. Die MitarbeiterInnen von Doña Carmen gaben darauf keine konkrete Antwort, sondern lenkten mit Hinweis auf die - sinngemäß wiedergegeben - "Diversität" der "Sexarbeit" von einer Positionierung dazu weg. Ein so genanntes mehrheitliches Bild gebe es nicht, denn es gebe zu viele unterschiedliche Formen des Sexgewerbes. Und: Der Film sei unglaublich gut.
