Abolition 2014 berichtete letztes Jahr auf Deutsch und Englisch über die
Bahnhofsviertelnacht in Frankfurt, als Feiernde eingeladen waren, durch die
Bordelle zu ziehen und sich ein Bild der dortigen Lage zu machen. Bereits im
Vorfeld waren Versuche, über die für diese Nacht gedruckte Broschüre einzelne Bordelle zu
bewerben, nach Protesten auch aus dem Stadtrat fehlgeschlagen. Der Blick in die
Bordelle offenbarte dann eine Realität, die von den BefürworterInnen und
VerharmloserInnen der Sexindustrie lieber vertuscht oder verdrängt wird.
Trotz der Möglichkeiten für eine breitere Öffentlichkeit,
sich wirklich ein Bild vom Elend der Prostitution und der Frauen darin zu
machen, lehnen wir diese Bordellbesichtigungen ab. Die davon betroffenen und
angeschauten Frauen werden dadurch verängstigt und gedemütigt.
Solange aus der Einsicht in ihre Lebensbedingungen keine
anderen Konsequenzen gezogen werden oder gezogen werden sollen als die üblichen
Reaktionen aus Ankündigungen, Krokodilstränen, Romantisierungen und
Ablenkungen, gibt es keinerlei Rechtfertigung für diese Aktionen, und auch
sonst rechtfertigt der Zweck nicht die Mittel.
Unter anderem hat sich die Organisation Save Rahab
nachhaltig diesem Thema gewidmet und zunächst eine Zusage erreicht, dass diese
Öffnungen doch nicht mehr stattfinden sollten. Dies gilt jetzt nicht mehr. Zwar
sollen wohl keine Bordelle einfach so „Nächte der Offenen Tür“ anbieten, aber
Bordellführungen durch einschlägig bekannte Vereine und Personen inklusive entsprechender
Belehrungen zum Thema sollen dann doch gestattet sein. (1)
Wir zitieren eine Aktivistin: Veräppeln kann ich mich auch
selbst.
Wir lehnen jede Form auch indirekter Werbung für Bordelle
ab. Davon abgesehen wissen wir durch unsere Kenntnisse der Freierforen sehr
genau, dass jede Beschreibung Männer anzieht, die sich an der Situation und dem
Elend der Frauen erfreuen (wir nutzen ein höfliches Wort) und sie als besondere
Aufforderung zur Ausübung von Gewalt wahrnehmen. Egal, welche putzigen
Zettelchen zu Kondomen und Höflichkeit an sie ausgeteilt werden.

