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Samstag, 18. Juli 2020
26 Organisationen und Initiativen aus der Zivilgesellschaft fordern Sexkaufverbot
26 Organisationen und Initiativen aus der Zivilgesellschaft haben am Mittwoch, dem 15.07.2020, einen Offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien, an den Rechtsausschuss, den Familienausschuss, den Menschenrechtsausschuss sowie an die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder gerichtet.
Hier der Text der Schreiben an die o.g. Politikerinnen und Politiker:
Sehr geehrte Frau..... / sehr geehrter Herr....
wir wenden uns mit zwei dringenden Anliegen an Sie:
1. In Anbetracht der weiter andauernden Coronakrise werden wie in einem Brennglas Schwierigkeiten sichtbar, die eng mit dem ausbeuterischen und repressiven "System Prostitution" in Deutschland verbunden sind. (Materialien darüber s. Anm. 1)
Deshalb wurden zum Schutz der Bevölkerung und der Prostituierten im Zuge des Lock Down auch Bordelle geschlossen und die Ausübung der Prostitution verboten. Inzwischen gibt es verschiedene intensive Bestrebungen der Prostitutionslobby diese Verbote aufzuheben. Wir ersuchen Sie dringend, diesen Bestrebungen nicht nachzugeben.
Denn: Die von den Bordellbetreibern und Pro-Prostitutionsverbänden vorgelegten Hygienevorstellungen können in der Realität der Prostitution nicht ernsthaft umgesetzt und insbesondere nicht kontrolliert werden. Prostitution findet häufig im Verborgenen statt. Sexkäufer scheuen mehrheitlich die Öffentlichkeit. Deshalb ist es z.B. schon von vorneherein äußerst unwahrscheinlich, dass sie sich mit Klarnamen registrieren werden. Dadurch können Bordelle zu unkontrollierbaren Ausgangspunkten eines erneuten Corona-Ausbruchs werden, der sich durch die Sexkäufer in alle gesellschaftlichen Schichten ausbreitet und prostituierte Frauen zusätzlich gesundheitlich gefährdet.
Ein weiteres aktuelles Problem: Die bestehenden Corona-Bestimmungen sehen Strafen für Frauen vor, die weiterhin der Prostitution nachgehen. Wir fordern die für die Corona-Bestimmungen zuständigen Politikerinnen und Politiker auf, den zurzeit noch in der Prostitution tätigen Frauen nicht nur in Berlin, sondern überall in Deutschland die vorgesehene Bestrafung zu erlassen: Viele von ihnen sind Armutsprostituierte, die nicht in ihre Heimatländer zurückkehren konnten. Sie sind oft ohne festen Wohnsitz und benötigen das Geld aus der Prostitution zum bloßen Überleben. Sie hatten gehofft, sich in Deutschland eine bürgerliche Existenz aufbauen zu können. Statt einer Strafe müssen ihnen jetzt schnellstens staatlich finanzierte Notunterkünfte vermittelt werden (NICHT in Bordellen), und sie brauchen dringend eine sofortige intensive und qualifizierte Ausstiegsberatung sowie eine unbürokratische und schnelle Existenzsicherung.
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Freitag, 20. Oktober 2017
Die Frauen in den Bordellen Europas sind unsere Schwestern!
Keine Prostitution! Feministinnen für das schwedische Model.
Von Dolores Claiborne(Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Der Text ist englisch und ukrainisch auf der Facebookseite der Gruppe НІ ПРОСТИТУЦІЇ! Феміністки за шведську модель erschienen und steht in beiden Sprachen unter diesem Artikel. Die spanische Übersetzung wurde auf dem Blog Traductoras para la abolición de la prostitución.)
Der 18. Oktober ist der europäische Tag gegen Menschenhandel.
Kiew, Ukraine
An diesem Tag zogen wir – ukrainische feministische Abolitionistinnen (1) zur Botschaft der Bundesrepublik Deutschland um gegen den Frauenhandel in Deutschland zu protestieren. Wir zeigten uns, weil in deutschen Bordellen Männern die Gelegenheit gegeben wird, Frauen, darunter Frauen aus der Ukraine, legal zu vergewaltigen. Ja, wir halten Prostitution für die Vergewaltigung gegen Geld, ein Verbrechen gegen Frauen, unvereinbar mit der Würde und dem Wert der menschlichen Person, und eine Gefährdung des Wohls des einzelnen, der Familie und der Gemeinschaft, so wie es in der UN-Konvention dargelegt ist. (2)
Die Regierung der Ukraine hat eine Reihe von Maßnahmen gegen Menschenhandel ergriffen: Sie hat das Programm gegen Menschenhandel bis 2020 entwickelt, die materielle Unterstützung von Menschenhandelsopfern erhöht, den Aktionsplan für zusätzliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels eingeführt und den der Weiterentwicklung der zuständigen Institutionen im Bereich von Straftaten im Zusammenhang mit Menschenhandel. Auf Grund dieser Maßnahmen wurden in den neun Monaten diesen Jahres, 2017, fast dreimal so viele Strafverfahren dazu eröffnet als in den 12 Monaten des Vorjahres. Wir haben dennoch nur geringe Zweifel daran, dass die meisten Frauen im Menschenhandel am Zielort landen – Ländern, in denen Prostitution vollständig legalisiert ist (oder in denen Kunden in keinerlei Verantwortung genommen werden, wenn sie die Körper von Frauen für Sex kaufen), so wie Deutschland oder Griechenland.
Donnerstag, 17. November 2016
Prostituiertenmorde in Deutschland: keine singulären Ereignisse – Wo bleibt der Skandal?
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| CCO - Public Domain - Pixabay |
Das Bündnis Abolition 2014 trauert um die vier Frauen, die innerhalb von nur 35 Tagen in der deutschen Prostitution - in Niedersachsen, in Nordhein-Westfalen und in Sachsen - getötet wurden: Zwei Ungarinnen, eine Dominikanerin und eine nicht näher bezeichnete prostituierte Frau wurden entweder brutal ermordet oder fielen einem Bordellbrand zum Opfer. Diese Frauen reihen sich ein in die lange Liste von Frauen (und Transfrauen), die international das System Prostitution nicht überleben. Viele Menschen aus der ganzen Welt nahmen und nehmen über die von deutschen Aktivistinnen betriebene Webseite www.sexindustry-kills.de und die dazugehörige Facebookseite Anteil an den Schicksalen dieser Frauen, von denen die Öffentlichkeit oft nicht mal den Namen und das Alter, geschweige denn die traurigen Geschichten, die sie in die Prostitution und die sexuelle Ausbeutung in unserer Mitte geführt haben, erfährt. Fast immer bleiben sie gesichtslose, anonyme Opfer einer milliardenschweren Sexindustrie, deren größte Sorge der Frage gilt, wie sie sich absichern kann und den größten Profit aus den von ihr den Käufern angebotenen Frauen, Kindern und jungen Männern herausschlagen kann.
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Donnerstag, 19. Mai 2016
Von "Menschenjagden", "Blockwarten", "Hurenhasserinnen" und "Nazimethoden": Eine Lektion in Doppelmoral
"Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht." - Kurt Tucholsky
Kommentar zur Löschung einer Google-Karte mit dem Titel "Das Bordell Europas"
Click (or scroll down) for the English translation of this article.Adressen stehen im Netz – es sind die Adressen von Laufhäusern, von Bordellen, von „FKK-“ und „Saunaclubs“. Privatadressen sind keine dabei, Adressen, die nur über Telefonate zu finden sind, auch nicht. Vermerkt wurden sie auf einer Landkarte, die Interessierten die Möglichkeit gab, sich auch jenseits von Freierforen und Sexseiten über die Verbreitung dieser Prostitutionsstätten in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zu informieren. Die Landkarte ist voll, denn ja, Deutschland hat sich seinen Namen als Bordell Europas, als Bordell der Welt, redlich verdient.
Die Google Map sorgt in der „Sexarbeitsszene“ über deutsche Grenzen hinweg für Aufsehen: Deutsche Abolitionistinnen haben sich erdreistet, offen im Netz zugängliche Daten an anderer Stelle erneut öffentlich zu machen. Die Erstellerinnen der Karte wiesen ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei den 2000 (anfangs 1600) Adressen nur um einen Bruchteil der Adressen handelt, weil bei einem nicht unerheblichen Teil die Adressen erst telefonisch erfragt werden müssen. Da keine Telefonate geführt wurden, gingen die entsprechenden Adressen oder Treffpunkte nicht in die Karte ein. Wozu auch? Um das Ziel der Karte zu erreichen - nämlich darzustellen, dass Prostitution in unserer aller Nachbarschaft stattfindet und eine Parallelwelt vor unserer aller Augen für die meisten unsichtbar existiert – sind diese weiteren Adressen nicht mehr nötig.
Obwohl also die Liste nicht ansatzweise vollständig ist, gibt es einen Sturm in den sozialen Netzwerken: Die Seite mit der Karte müsse gelöscht werden, denn sie gefährde die Sicherheit der Frauen (oder jungen Männer) in der Prostitution dort.
Dies erstaunt. Denn zweitens wird uns und allen immer wieder erzählt, dass die Sicherheit derer unmittelbar im Prostitutionsgewerbe durch die Öffentlichkeit der legalen Situation in Deutschland doch so besonders gut gewährleistet sei – im Gegensatz zum angeblichen Untergrund in Schweden. Und erstens stammen ALLE auf der Karte angegebenen Adressen aus offen im Netz zugänglichen Seiten. Sie wurden Werbeanzeigen, Freierforen und Sexseiten entnommen. Solche von Vertretern und Profiteuren der Sexindustrie erstellten Listen und Karten gibt es z.B. für JEDEN REGIERUNGSBEZIRK in Baden-Württemberg.
Aber genau hier liegt der Hase bzw. das Geld im Pfeffer: Prostitution, die Prostituierung von Frauen oder jungen Männern oder Transfrauen braucht ihre Parallelwelt. Sie soll in einem möglichst gut zu erreichenden, aber dennoch geschlossenen Milieu stattfinden, damit die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger nicht hinschauen muss. Laut Udo Gerheim [1] zieht das eine bestimmte Gruppe von Freiern noch extra an, die sich dann einbilden können, trotz ihres absolut staatskonformen und privilegiensichernden Verhaltens an besonders interessanten und „verruchten“ Dingen beteiligt zu sein. Insgesamt soll jedoch die Mehrheitsgesellschaft hierzulande von dieser Welt und diesem Milieu nichts mitbekommen. Denn einen klaren und ethischen Blick auf Prostitution kann dieser Geschäftszweig nicht vertragen. Inzwischen zeigen sowohl europäische Entwicklungen, als auch die mediale Darstellung der Prostitution in Deutschland, dass hingeschaut wird; die hübschen Parties, auf denen Politikerinnen und Betreiberinnen mit Sekt anstoßen, sind (hoffentlich) vorbei. Entsprechend heftig war die Reaktion der Betreibenden dieser Bordelle und ihrer VertreterInnen und Verbündeten auf die Karte.
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