| von Marcus Quigmire from Florida, USA (DummiesUploaded by Princess Mérida) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons |
„In Schweden ist Prostitution verboten.“
Falsch. Seit Sommer 1998 ist es in Schweden für Männer verboten, für Sex zu bezahlen. Nach schwedischer Auffassung kann Prostitution niemals freiwillig sein und stellt eine Verletzung der Integrität und Würde von Frauen dar. In einer gleichberechtigten und freien Gesellschaft ist daher kein Platz für Sexkauf.
„In Schweden werden die Prostituierten diskriminiert und bestraft.“
Die Einzigen, die in Schweden mit einer Strafe im Zusammenhang mit Prostitution zu rechnen haben, sind die Freier. Frauen hingegen, die Prostitution ausüben, erhalten umfassende Beratungs- und Hilfsangebote. Sie werden für die Ausübung der Prostitution nicht bestraft. Allerdings ist Prostitution auch keine legale Tätigkeit wie jede andere. Das ist bewusst so entschieden worden, um Frauen davor zu schützen, in die Prostitution gedrängt zu werden.
„Wenn Prostitution illegal ist, dann ist sie auch schwerer kontrollierbar und alles wandert in den Untergrund. In Schweden ist die Untergrundprostitution bestimmt sehr aktiv.“
In Schweden gibt es eigene Polizeigruppen, die auf Freierfang gehen – auf der Straße und im Internet. Prostituierte müssen, um Freier auf sich aufmerksam zu machen, in irgendeiner Form präsent sein, sei es auf der Straße oder durch Anzeigen. Auf diese Weise findet sie die Polizei – und so auch die Freier.
„Wenn Prostitution illegal ist, dann ist es für die Frauen sehr viel unsicher, zu arbeiten. Sie müssen Angst haben, sich an die Polizei zu wenden.“
Prostituierte, die sich an die schwedische Polizei wenden, haben nichts zu befürchten. Das Augenmerk liegt einzig auf den Freiern.
„Wenn die Freier kriminalisiert werden, dann ist die Gesetzgebung doch männerfeindlich.“
Die Freier haben mit Geld- oder Gefängnisstrafen zu rechnen, aber sie bekommen auch Beratung und Hilfe. Sie werden nämlich als Suchtkranke betrachtet. Allein in Stockholm haben sich in den vergangenen Jahren 1000 Freier an Beratungsstellen gewendet.
„Wo liegt denn eigentlich das Problem? Wenn Frauen es freiwillig für Geld machen, warum soll man es verbieten?“
Frauen, die sich prostituieren, machen das in den meisten Fällen aus ökonomischer Not oder weil sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, nicht weil sie Lust auf Sex mit dem entsprechenden Mann haben. Hier steht also sehr wohl ein ökonomischer Zwang hinter der Entscheidung. Sie will keinen Sex mit dem Mann, für das Geld gibt sie aber ihre Zustimmung. In einer Gesellschaft, in der es um Gleichberechtigung und Respekt geht, ist das ein nicht hinnehmbarer Zustand, dass für Geld die freiwillige Zustimmung zum Sex einfach umgangen werden kann. Eine solche Institution unterminiert das Geschlechterverhältnis zwischen allen Frauen und Männern.