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Samstag, 23. August 2014

Prostitution und Abolition – (M)eine Historie und ein Standpunkt



Aksel Waldemar Johannessen -
Forced into Prostitution
[Public Domain, Wiki Commons]
Vor einigen Jahren begann relativ unvorhergesehen meine “feministische Sozialisation”. Ich las “Mädchenmannschaft”, zahlreiche Blogs von feministischen Einzelpersonen, abonnierte die Zeitschriften “Missy Magazin”, “an.schläge” und “Wir Frauen”, kaufte den Unrast-und den Orlanda-Verlag leer und eignete mir sukzessive Wissen an.

In meiner Familie spielten Frauenthemen und Feminismus keine oder eine sehr untergeordnete Rolle. Ganz im Gegenteil wurde ich sehr geschlechtsspezifisch sozialisiert, meine Familie hielt trotz aller Bemühungen an alten und tradierten Rollenbildern fest und war insgesamt sehr konservativ. Wir Mädchen mussten putzen, die Jungs mussten das nicht. Uns Mädchen wurde bestenfalls ein Job in der Care-Arbeit1 zugetraut, die Jungs wurden schon früh auf Wissenschaftswettbewerben für Jugendliche und auf dem Gymnasium gesehen. Mein Großvater war strikter Gegner der gesetzlichen Änderung, dass Vergewaltigung in der Ehe strafbar wurde und propagierte dies entsprechend, meine Mutter übernahm diese Haltung und negierte, dass Vergewaltigungen in der Ehe überhaupt stattfinden. Zugang zu einer akademischen Laufbahn für mich: diese Möglichkeit fand niemals Erwähnung.


Es ist wichtig für mich, diesen Hintergrund zu erwähnen, weil er deutlich macht, dass das feministische Netz und diese “jungen” Medien mein Nährboden waren und ich als sozusagen Spät-Feministin keineswegs selbstverständlich (durch Familie/soziales Umfeld und/oder anderweitiges Empowerment) in diesen Themenkomplex reinwuchs und ganz im Gegenteil viel Auseinandersetzung und Aneignung von Wissen über feministische Bewegungen und Kämpfe nachholen musste.

Zur “EMMA” hatte ich kein Verhältnis (erst vor einigen Wochen habe ich mir mein erstes Exemplar als eMagazin gekauft). Das liegt einerseits daran, dass die “EMMA” und Alice Schwarzer in der feministischen Netz-Community weitgehend als “Geht-Garnicht-Feminismus” gehandelt werden (und ich das unkritisch übernommen habe), andererseits aber auch daran, dass ich mit einem Teil ihrer Herangehensweisen an bestimmte Themenschwerpunkte nicht d’accord gehe. Es spielt in diesem Artikel keine Rolle, worum es dabei geht.

Sonntag, 4. Mai 2014

Sicher arbeiten im Prostitutionsgewerbe - No joke!

Testicle Pull-And-Twist
Testicle Pull-And-Twist by MadAdminSkillz (Flickr)
(CC BY 2.0)
"Das Stigma hat niemals seine Hände um meine Kehle gelegt und versucht mich zu erwürgen. Männer, die Sex kaufen, tun das. Hört auf die Verantwortung abzuschieben." (Rachel Moran, Prostitutions-Überlebende)

Prostitution, ein Beruf wie jeder andere? Sicherlich, in jedem Beruf gibt es bestimmte Dinge, die man tun sollte um sich oder andere nicht unnötig in Gefahr zu bringen, zum Beispiel niemals ohne Sicherheitsschuhe auf die Baustelle oder Handschuhe beim Bäcker. Dazu gibt es sogar häufig ganz konkrete staatliche Auflagen. 

Für die Prostitution gilt das nicht. Wäre es nur eine "sexuelle Dienstleistung" müsste doch zum Beispiel die Verwendung von Kondomen eigentlich selbstverständlich sein, ob zum gegenseitigen Schutz vor Tripper, Syphillis oder HIV/AIDS. 

Einen wertvollen Beitrag, um die Prostitution sicherer zu machen, leistet Sophie, eine Einrichtung der Volkshilfe Wien. Sie haben einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zusammengestellt, wie Frau als Prostituierte "sicher" arbeiten kann. Hier ein paar Highlights:
  • Selbstverteidigungskurs/Deeskalationstraining belegen 
  • Handy so konfigurieren, dass mit einem Tastendruck eine voreingestellte Nummer zu einer Vertrauensperson gewählt werden kann.
  • Arbeiten Sie möglichst nur, wenn es Ihnen gut geht und Sie sich stark fühlen. Sonst können Situationen entstehen, die das Klischee ‘Prostituierte als Opfer’ geradezu heraufbeschwören.
  • Nie dem Gast bei der Begegnung den Rücken zudrehen.
  • Den Gast nur von oben bedienen, um keinesfalls erdrückt werden zu können.
  • In den Räumlichkeiten sollten sich keine schweren oder spitze Gegenstände befinden, die als Waffe eingesetzt werden könnten.
    Alarmknopf im Bordell an Tür und Bett.
  • Machen Sie Ihre Jacke immer ganz auf oder ganz zu – halboffen könnte sie Ihnen über die Schultern gezogen werden und Sie können die Arme nicht mehr bewegen!
  • Eine kleine LED-Taschenlampe immer in der Handtasche haben, die Sie mit ins Badezimmer nehmen. Die meisten Badezimmer haben den Lichtschalter außen, wo Sie keine Kontrolle über ihn haben. Achten Sie darauf, dass der Schlüssel innen auf Ihrer Seite steckt.
Die gesamte Liste kann hier nachgelesen werden - durchlesen und weinen! Solche Vorsichtsmaßnahmen sind also in der legalisierten Prostitution notwendig.

Prostitutionsbefürworter_innen verfolgen den Ansatz der so genannten harm reduction, also der Schadensreduzierung. Das zeigt: Gewalt und Schädigung sind der Prostitution inhärent. Wieso sollte die Gesellschaft einen Beruf verteidigen, bei dem es so gut wie ausgeschlossen ist, ohne Gewalterfahrung wieder rauszukommen? Es ist nicht "das Stigma" das den Betroffenen schadet - es sind die Sexkäufer.