Samstag, 27. März 2021

Kommentar zum Film „Lovemobil“


Wir sehen in der mangelnden Kennzeichnung gespielter und nachgestellter Szenen in einem Dokumentarfilm einen Verstoß gegen die Zuverlässigkeit, die für unsere Arbeit bei Abolition 2014 grundlegend ist. Wir benennen unsere Quellen und verlinken darauf und wenden uns entschieden gegen Romantisierungen der Prostitution ebenso wie gegen inszenierte Skandalisierungen: Die Fakten sind, so wie sie sind, genug für unser Ziel, Prostitution zu beenden.

Gestellte oder nachgespielte Szenen als echt zu verkaufen oder den Eindruck zu erwecken, sie seien echt, ihre Entstehung nicht zu kennzeichnen, schadet unserem Anliegen – solche Methoden sind nicht nötig, um die Brutalität der Prostitution aufzuzeigen. Und bei diesem Thema werden wir bleiben: Ein als Dokumentarfilm eingebrachter Film mit gestellten Szenen, die als "echt" verkauft wurden bedeutet nicht, dass das Thema der Gewalt damit abgehakt ist.

Ein kritischer Blick auf Prostitution und auf die Gewalt im System ist jetzt endlich im Mainstream angekommen, das führt eben auch dazu, dass Oberflächlichkeiten, die wir bisher nur aus der pro-Lobby kannten, leider auch auf der Seite neu dazugekommener, prostitutionskritischer Leute auftauchen.

Aufklärung muss eben immer auch nach innen wirken,
sie muss weiter betrieben werden und dabei müssen wir auch unsere eigene Gruppe immer wieder im Blick haben - was ja auch der Fall ist.

Für uns geht es um das „was“ – eine Welt ohne Prostitution – und um das „wie“ – durch Aufklärung, durch Blick auf das System Prostitution, durch die Arbeit derjenigen, die Prostitution von innen erlebt und überlebt haben, in feministischer Grundhaltung und mit der Ethik derer, die sich seit Jahren gegen diese Form der sexuellen Ausbeutung und der Gewalt stellen.

Wir freuen uns darüber, wie viel wir in den letzten Jahren erreicht haben. Wir freuen uns über die Vielen, die sich dem Ziel des schwedischen Ansatzes anschließen. Wir werden weiter arbeiten, weiter diskutieren, immer kritisch bleiben, unser Wissen und unsere Erkenntnisse dabei vertiefen – im Vertrauen auf das, was wir hier seit März 2014 in Solidarität erreicht haben. 

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