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Montag, 21. April 2014

Der schwedische Weg - Anhörung mit Expert_innen

Schwedens Prostitutionsgesetz von 1999 stellte weltweit erstmals den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe. Nun war es Thema einer Fachtagung der Schwedischen Botschaft in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift EMMA mit schwedischen und deutschen Experten aus den Bereichen Justiz, Polizei und Sozialarbeit, die am Freitag, dem 14. März 2014, im Felleshus der Nordischen Botschaften stattfand. Die 15-jährige Erfahrung mit der in Deutschland auch als schwedisches Modell vieldiskutierten Gesetzgebung wurde auf der Grundlage einer vom schwedischen Staat in Auftrag gegebenen Evaluierung präsentiert.

Rede der schwedischen Justizkanzlerin Anna Skarhed (leider dieses eine ohne deutsche Untertitel)



Debatte mit den Polizisten: Kriminalkommissar Jonas Trolle aus Stockholm und Kriminalhauptkommissar Uwe Dörnhöfer aus München diskutieren über das Schwedische Modell in der Praxis ihres Berufsalltags. 



Gespräch mit StaatsanwältInnen: Thomas Ahlstrand aus Göteborg und Kerstin Lotz aus Frankfurt.



Gespräch mit Sozialarbeiterinnen. Mit Lisa Green aus Malmö und Sabine Constabel aus Stuttgart.



Pordiumsdiskussion mit dem Publikum und Fragerunde an die ExpertInnen. Mit der schwedischen Justizkanzlerin Anna Skarhed, Kriminalkommissar Jonas Trolle (Stockholm), Kriminalhauptkommissar Uwe Dörnhöfer (München), Staatsanwalt Thomas Ahlstrand (Göteborg) und Staatsanwältin Kerstin Lotz (Frankfurt), Sozialarbeiterin Lisa Green (Malmö) und Sozialarbeiterin Sabine Constabel (Stuttgart) sowie EMMA-Redakteurin Chantal Louis.




Weitere Links:

Schwedische Botschaft: Großes Interesse an Schwedens Prostitutionsgesetz 
EMMA: Schwedischer Weg & deutscher Irrweg
Evaluierung der schwedischen Prostitutionsgesetzgebung: Bericht von 2010 (Englisch)
Publikation des Schwedischen Instituts Targeting the sex buyer (Englisch)
FAZ am Sonntag: Niemand prostituiert sich freiwillig, Interview mit Kommissar Jonas Trolle aus Stockholm

Samstag, 19. April 2014

Sollte wirklich ein Zuhälter über Vergewaltigungsfälle urteilen?

Der folgende Artikel erschien am 27. März in der schwedischen Tageszeitung ETC, eine Übersetzung aus dem Schwedischen

Kajsa Ekis Ekman
Ein Mann steht auf:
"Ich habe zweimal in meinem Leben Sex gekauft, aber nach dieser Veranstaltung werde ich das nie wieder tun. Ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen"
Wiesbaden ist eine kleine Stadt in der Nähe von Frankfurt mit knapp 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Im 19. Jahrhundert war es ein "Kurort", in dem die europäische Oberschicht ein und ausging, um sich zu entspannen und in den heißen Quellen zu baden. Heute ist sie bekannt für seine amerikanische Militärbasis. Etwa 30.000 amerikanische Soldaten sind hier stationiert. Die meisten werden in Afghanistan eingesetzt. Es ist schon passiert, erzählt eine junge Frau mir, dass Soldaten alles tun würden um ihrem nächsten Kampfeinsatz zu entgehen. Zum Beispiel jemandem in einer Kneipe zusammenschlagen. Sie werden nicht von einem deutschen, sondern vom amerikanischen Militärgericht verurteilt. Oft sind die Strafen sehr moderat, aber sie müssen nicht zurück in den Einsatz. Es kommt auch vor, dass Soldaten sich mit einheimischen Frauen einlassen, eine Familie gründen und in der Stadt bleiben. Oder, dass sie einfach zurück in die USA gehen und Kinder in Wiesbaden zurücklassen wenn ihr Einsatz vorbei ist.

Wie auch in anderen deutschen Städten ist Prostitution allgegenwärtig. Wiesbaden hat etwa 70 "Modellwohnungen" , in der Innenstadt war früher ein Rotlichtbezirk und ein langjähriger Bordellbetreiber wurde gerade in die städtische Gerichtsbarkeit (Schöffengericht) berufen. Dort werden auch Vergewaltigungsfälle verhandelt. Dagegen kann man nichts tun, denn Zuhälter ist genauso ein anerkannter Beruf wie andere Berufe auch.  In dieser Stadt entschieden sich etwa zehn Frauen, dass sie genug davon haben und dass sie den Kampf dagegen aufnehmen sollten. Mit ihrer feministischen Gruppe LISA nahmen sie am 8. März mit Plakaten gegen die Sexindustrie an einer Demonstration zum Internationalen Frauentag teil. Sie wurden eingekesselt und mit Farbe attackiert. Das hält sie jedoch nicht ab und es gelang ihnen sogar noch mehr Frauen für die Arbeit zu gewinnen.