![]() |
| Tanja Rahm |
Vor 10 Jahren wurde ich aus Frustration Therapeutin. Diese Frustration rührte aus meiner eigenen Erfahrung mit einer Psychologin, zu der ich ging nach einem zweiten sexuellen Übergriff, als ich 12 Jahre alt war. Diese Psychologin hatte keine Ahnung, was ich durchmachte. Diese Frau hatte an der Universität studiert. Sie hatte eine mindestens 7-jährige Ausbildung hinter sich. Und trotzdem hatte sie keine Ahnung, wie sie einem 12-jährigen Mädchen, welches von einem Mann in einem Hauseingang sexueller Gewalt ausgesetzt worden war, helfen konnte. Sie konnte mir fast nicht in die Augen sehen. Ich erinnere mich, dass ich da in ihrem Sofa saß, während sie sich Notizen machte. Ich fühlte mich unwohl dabei, so analysiert zu werden, um in das Schema zu passen, in welches ihre Ausbildung sie gelehrt hatte, mich hineinzupressen. Ich war nur ein paar Mal dort, denn es war eine Verschwendung des Geldes meiner Mutter. - Wenn es ihr gelungen wäre, mir zu helfen, dann hätte mein Leben anders verlaufen können.
Stattdessen wurde ich mit 16 Jahren in die Psychiatrie eingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits 3 Selbstmordversuche hinter mir. Nicht einmal die ÄrztInnen oder PsychiaterInnen waren in der Lage, mir zu helfen - alles was sie taten, war zu prüfen, ob sie mich in ihr akademisches Schema einordnen konnten.
Nach zahlreichen sexuellen Übergriffen kontaktiere ich einen Fotografen, als ich 17 Jahre alt war. Ich wurde ein Nacktmodel, bis er mich im Wald sexuell belästigte. Als ich anfing zu weinen, sagte er mir, dass ich nutzlos und weichlich sei und dass er mich nicht mehr als Model gebrauchen könne.
Das ist es, was die "Groomer" machen. Das ist jetzt nichts Neues. Aber: Was hätte diese Psychologin tun können, womit sie mich dazu bringt, mir selbst zu vertrauen? Was hätte sie tun können, um mir beizubringen, dass ich das Recht habe, nicht als Sexobjekt angesehen zu werden? Wie hätte sie mir beibringen können, meine eigenen Grenzen zu setzen?
Was wäre passiert, wenn diese Psychologin in ihrer Jacke auf mich gewartet hätte, um mir zu sagen, dass wir spazieren gehen? Was wäre passiert, wenn sie von ihren Schemata und Notizen aufgesehen hätte und mich gesehen hätte? Was wäre passiert, wenn sie sich einfach ganz normal mit mir unterhalten hätte, ohne jegliches akademisches Vokabular.


