Mittwoch, 27. Juni 2018

Petition aus Portugal: Keine Regulierungen, sondern Abschaffung!

Der Stadtrat in Lissabon plant, Prostitution in Lissabon als „Sexarbeit“ zu regulieren. Wir sehen hierzulande ja täglich, worauf das hinausläuft. Wenn sich die Mehrheit im Stadtrat so entscheidet, bedeutet das für ganz Portugal ein gefährliches Signal.
Portugiesische AbolitionistInnen bitten um Unterzeichnung und Verbreitung dieser Petition:
Der deutsche Text (via Google Übersetzung):
Prostitution ist eine Form der Gewalt gegen Prostituierte, insbesondere gegen Frauen und Kinder. Es ist ein ernstes soziales Problem, eine Form der Ausbeutung, die den sozialen Status und die Rechte aller Frauen untergräbt.

Sonntag, 13. Mai 2018

Schweden: Polizist wegen Prostitutionsnutzung suspendiert

By Riggwelter [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], from Wikimedia Commons
Fast 20 Jahre nach Einführung der Freierbestrafung gibt es auch in Schweden immer noch Männer, die glauben, dass sie ungestraft Prostitution nutzen können, man werde sie schon nicht erwischen.
In der Vergangenheit haben sich in dieser Frage bereits Staatsanwälte und Fussball-Nationlatorhüter schwer getäuscht. Gegenüber des Verlustes des Jobs und der gesellschaftlichen Ächtung des unethischen Verhaltens ist das (zu geringe) Bußgeld wohl eher das kleinere Problem.

Aktuell hat es einen Polizisten aus Umeå erwischt. Wie die Zeitung Aftonbladet berichtet, soll der 30-Jährige im Oktober 2017 Escort-Prostitution genutzt haben. Die 25 Jahre alte Frau fand er über ein bekanntes Internet Forum (den viel beschworenen Prostitutions-Untergrund in Schweden findet man nämlich dort). Die gefundenen Beweise - eine Verabredung via einer Konversation auf seinem Handy - erklärt der Mann damit, dass er das Handy seinem Bruder geliehen habe. Dumm für ihn, dass die Frau ihn an den Tattoos eindeutig identifizieren konnte und auch eine zeitlich und vom Betrag her passende Bank-Abhebung von 3000 SEK (knapp 300 Euro) gegen seine Version spricht.

Sollte der Polizist für den Sexkauf bestraft werden, wonach derzeit alles aussieht, dann wird ihn das vermutlich seinen Job kosten. Eine Entscheidung ist auf den 29. Mai terminiert. Es ist sehr konsequent und spricht für die schwedische Polizei, wenn sie mit einer Null-Toleranz-Linie in den eigenen Reihen agiert.

Und in Deutschland? Hier ist es nach wie vor kein Problem, wenn Polizisten Freier oder gar Zuhälter sind, indem sie zum Beispiel ein Bordell betreiben oder Frauen das Prostitutionsgeschäft "erklären" und "ihren Anteil" abzwacken. Mir ist ein Fall eines Polizisten bekannt, der im Streifenwagen vorfuhr um die Tagesmiete einzukassieren. Was wir uns für sie wünschen ist nicht weniger als schwedische Gardinen.

Samstag, 21. April 2018

Interview mit der NGO Talita aus Stockholm / Schweden

Wir haben uns mit der schwedischen Nichtregierungsorganisation Talita über deren Arbeit und das Nordische Modell unterhalten und wünschen eine gute Lektüre.

Bitte stellt euch vor. Was ist Talita und was genau bietet ihr an?

Talita ist eine schwedische Nicht-Regierungsorganisation, die Frauen, die im kommerziellen Sexhandel - also in der Prostitution, der Pornographie und im Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung - ausgebeutet werden, Ausstiegsmöglichkeiten anbietet. Unsere Unterstützung besteht sowohl aus Akut-Unterstützung wenn es gerade brennt, als auch aus einer Langzeit-Begleitung.

Talita wurde 2004 von uns, Anna Sander und Josephine Appelqvist, gegründet. Bei unserer aufsuchenden Arbeit mit prostituierten Frauen stellten wir fest, dass hier eine Versorgungslücke bestand. Seinerzeit erhielten Frauen, die an Alkohol- oder Drogensucht litten zwar Unterstützung in Entzugskliniken, aber diejenigen in der Prostitution, die nicht von Sucht betroffen waren und aus der Prostitution aussteigen wollten, konnten sich nirgendwo hin wenden. Als Reaktion hierauf ließen wir uns zu zertifizierten Traumatherapeutinnen ausbilden, die auf sexuelle Gewalt spezialisiert sind, und entwickelten ein langfristiges Ausstiegsprogramm, welches den fundamentalen Bedürfnissen unserer Klientinnen gerecht wird.

Dienstag, 27. März 2018

Mythen zur Prostitution - und Antworten

Kiki Smith, Untitled. 1988 
Da immer wieder die Frage nach Entgegnungen auf die Mythen zur "freiwilligen Prostitution" und zur "Sexarbeit" auftaucht, bietet dieser Artikel eine Zusammenstellung der Entkräftigungen.

Um den Überblick nicht zu verlieren bei all den Mythen und Antworten, hier ein paar Vorbemerkungen. Wie Kajsa Ekis Ekman es an einer Stelle in ihrem Buch "Ware Frau" gut zusammenfast: Die Seite der Sexindustrie hat keine Argumente, und schon gar keine zusammenhängenden, sie hat lediglich eine Marketing Strategie, die den jeweiligen Gegebenheiten angepasst wird. In queeren Zusammenhängen wird aus "Lust an der Sexarbeit" schon mal eine sexuelle Orientierung, in konservativ-männlich-liberalen wird mit individuellen Freiheitsrechten argumentiert, in oberflächlichem Feminismus mit der sexuellen Selbstbestimmung und dem Recht von Frauen, über ihren Körper zu verfügen. Die unabdingbar sind - deswegen schaffen wir Prostitution ja ab. 

Sonntag, 18. März 2018

Offener Brief an die Stadt Frankfurt Re: Tagung "Zukunft Rotlicht"

An die

SAALBAU
Betriebsgesellschaft mbH
Niddastraße 107
60329 Frankfurt am Main

Kopie: Frauenreferat der Stadt Frankfurt, Presse

Sehr geehrter Herr Junker, sehr geehrte Frau Dr. Hartwig,

am 23. April 2018 findet im SAALBAU Gallus die Veranstaltung mit dem Titel „Zukunft Rotlicht“ statt.

Diese Veranstaltung ist der Anlass dafür, dass wir, die Unterzeichnenden, uns mit diesem Brief an Sie wenden.

Wir fragen uns, wie eine solche Veranstaltung mit Ihrem Selbstverständnis vereinbar ist und die Nutzung von kommunalen Einrichtungen für solche Zwecke für die Allgemeinheit vertretbar ist.

Montag, 12. Februar 2018

Die Schwedische „Rose Alliance” – eine betrügerische Organisation



Die „Rose Alliance“ ist ein schwedischer Verband, der sich als Betroffenenorganisation für prostituierte Frauen ausgibt. In Debatten betonen seine Mitglieder die Wichtigkeit der Trennung von freiwilliger und erzwungener Prostitution. Aber wer sind sie und wessen Interessen vertreten sie wirklich? 

Von Gerda Christenson (Kvinnofronten, Schweden)
Übersetzung: Elisabeth Lauer
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Die schwedische Rose Alliance ist eine Organisation, die vor allem außerhalb Schwedens bekannt ist. Ihre Sprecherin Pye Jakobsson hat in mehreren internationalen Organisationen hohe Positionen inne und wird oft als Prostitutions-Expertin zur Rate gezogen. Denn sie hat es geschafft ihren Verband so zu präsentieren, als würde er die Gesamtheit der prostituierten Frauen Schwedens vertreten.

In Debatten spricht Jakobsson von „uns Sexarbeiterinnen“, fast so als könnte sie für alle Frauen in der Prostitution sprechen. Selten wird eine Frau, die sich öffentlich für Prostitution und Pornografie ausspricht und suggeriert sie spräche für die Mehrheit ihres Geschlechts, hinterfragt. In der Regel freuen sich die Medien über jeden Beitrag über „glückliche Huren“.

Dienstag, 23. Januar 2018

Don't let facts ruin my reputation -


Three Monkeys
Oder: Ich lass mir mein Gerede doch nicht durch Fakten kaputt machen.

Zu Mithu Sanyals Satzreihen in der heutigen taz online.

Dr. Ingeborg Kraus ist eine international anerkannte deutsche Traumatherapeutin, die sich auf Grund ihrer Arbeit gegen die sexuelle Benutzung von Frauen, jungen Männern und Trans* gegen Geld einsetzt. Da Prostitution männliches Herrschaftsdenken bedient (der Mann will etwas, also hat die Gesellschaft es für ihn einzurichten), wird in der Tat von Männern als Käufern gesprochen. Die Machtstruktur, die Prostitution erst ermöglicht und die von ihr gestützt wird, ändert sich nicht dadurch, dass verzweifelt immer wieder von Kund*_innen geschrieben wird, es ist ein eigentümliches Phänomen der deutschen Gesellschaft, dass nirgends so schnell geschlechtergerecht formuliert wird, wie dann, wenn es um sexuelle Gewalt geht. Noch den eingefleischtesten Vertrendenden des generischen Maskulinums gelingt es plötzlich, weibliche Formen in ihren Wortschatz aufnehmen. Aber dies nur am Rande.