Autorin: Heather Mallick
Illustratorin: Ainsley Ashby-Snyder
02.06.2014, übersetzt und veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung von Heather Mallick und der Redaktion des Toronto Star
Der Handel mit Sex steht kurz vor der Veränderung. In dem Moment, als Kanada seine Strafgesetze überdenkt, reist Heather Mallick quer durch Europa, auf der Suche nach Erkenntnissen, die Kanada weiterhelfen könnten. Was können wir von Schweden, Deutschland und den Niederlanden lernen?
STOCKHOLM—Während sich Kanada auf eine radikale Änderung seiner Strafgesetzgebung in Sachen Prostitution vorbereitet, sollten wir Wähler uns eine Multiple-Choice-Frage stellen. Ist das Kaufen und Verkaufen sexueller Dienstleistungen unter Erwachsenen:
b) eine harmlose Geldtransaktion, die mit keinem Stigma verbunden sein sollte
c) etwas Schreckliches
d) etwas Schreckliches, das wir nun einmal nicht ändern können
Das mag unwahrscheinlich erscheinen, ist es aber nicht. Die neue Gesetzgebung von Kanadas konservativer Regierung steht unmittelbar bevor. Voraussichtlich kommt sie im Juni, nachdem ein Beschluss des Supreme Court zur Eile geboten hat, laut dem die körperliche Sicherheit von Prostituierten nicht länger als belanglos abgetan werden kann.
Der Beschluss entstand vor der grauenhaften Kulisse der Gesichter und Leichen der Opfer des Serienmörders Robert Pickton. Man könnte sagen, dass der Gerichtsentscheid für sie gemacht wurde.
Um einen eigenen Beitrag zu leisten, bin ich im Mai quer durch Mittel- und Nordeuropa gereist. Ich wollte erfahren, was drei Länder – Deutschland, die Niederlande und Schweden – bereits gelernt haben. Was würde den Wertvorstellungen Kanadas am besten entsprechen?
Die vorliegende Geschichte schrieb ich aus tiefer Loyalität für andere Frauen heraus, so altmodisch und verhöhnt diese Art des Feminismus auch sein mag. Ich unterhielt mich mit Rechts- und Polizeiexperten, mit der jungen Gründerin einer Sexwork-App, mit Bordellarbeitern, Prostitutionshistorikern und Kommentatoren, mit Autoren, Dokumentarfilmern und vor allen Dingen mit derzeitig tätigen und ehemaligen Prostituierten. "Sprich mit den Frauen", so hörte ich von allen Seiten, und das tat ich auch.
Es war keine einfache Reise, denn sie reichte, so wie es bei Menschen eben ist, von Elend zu unverwüstlicher Hoffnung, von kalt zu warm. Ich denke an die Menschen zurück, mit denen ich mich in verschiedenen Teilen des Kontinents unterhalten habe. Wie in einer Collage menschlicher Betroffenheit sehe ich sie vor meinem geistigen Auge vorüberziehen, ich sehe sie reden, im Glauben, dass ich sie nicht enttäuschen werde.
Ich fürchte, manche von ihnen werden denken, dass ich genau das getan habe, denn diese Reise hat bei mir ein Umdenken bewirkt.
