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Freitag, 5. September 2014

“Kulturelle Amnesie” - Was wir nicht wissen dürfen, damit sexuelle Ausbeutung funktioniert

von Christoph Theodor Aeby [Public domain],
via Wikimedia Commons
Reblog von Anna Hoheide, Die Störenfriedas.

This information [harms of prostitution, pornography and trafficking] has to be culturally, psychologically, and legally denied because to know it would interfere with the business of sexual exploitation.
Diese Fakten [die Schäden, die Prostitution, Pornografie und Menschenhandel anrichten] müssen kulturell, psychologisch und rechtlich geleugnet werden, denn das Wissen darüber würde das Geschäft mit der sexuellen Ausbeutung stören.
Die Leugnung, Verdrängung, Bagatellisierung und das Ausradieren der offensichtlichen Gewalt und Brutalität, mit der (kommerzielle) sexuelle Ausbeutung verhaftet ist, macht mich in Diskussionen zum Thema Prostitution oft sprach- und ratlos. Wie kann es passieren, ein System wie Prostitution noch zu befürworten, obwohl - so meine ich - gewusst wird, welchen maßlosen "menschlichen Schaden" es anrichtet?

Melissa Farley1 geht in einem Artikel, der 2006 im Yale Journal of Law and Feminism unter dem Titel: "Prostitution, Trafficking, and Cultural Amnesia: What We Must Not Know in Order To Keep the Business of Sexual Exploitation Running Smoothly"2 erschien, der Fragestellung nach, warum es - so sinngemäß zusammengefasst - für das Funktionieren der Sex-Industrie wichtig ist, die Gewalt im Kontext (kommerzieller) sexueller Ausbeutung zu leugnen und auszublenden.

In diesem Beitrag stelle ich die Kernaussagen dieses Artikels heraus.

Mittwoch, 27. August 2014

Gekauft! Benutzt! Hauptsache “selbstbestimmt”? – Sexuelle Ausbeutung unter dem Deckmantel individueller Freiheit

 
(c) Libertäre Medienmesse

Ziel der Abolition ist es, die strukturelle, wirtschaftliche, psychologische und physische Gewalt zu erkennen und zu benennen, die ins System der Prostitution sowie anderer Bereiche der Sexindustrie eingebaut sind sowie Lösungsansätze aufzuzeigen.
Es geht darum, an den Ungleichheiten anzusetzen, die Menschen in die Prostitution zwingen. 

Nicht Sex wird kritisiert, sondern die Kommerzialisierung von Sex mit ihren Konsequenzen.

Ziel ist nicht das Verbot/die Kriminalisierung/Illegalisierung der Prostitution, sondern die Kriminalisierung der Nachfrage nach bezahltem Sex, denn sie ist der Grund, aus dem Prostitution existiert.


3. Libertäre Medienmesse, Zeche Carl
Wilhelm-Nieswandt-Allee 100
45326 Essen 
Samstag, 30.08.14, 18:15 - 19:00


Zum Vortrag bei Facebook

Manuela Schon und Mira Sigel

"Gekauft! Benutzt! Hauptsache “selbstbestimmt”?
– Sexuelle Ausbeutung unter dem Deckmantel individueller Freiheit"

Keine Einigung in der Regierungskoalition über Neuregelungen bei der Prostitution

Marushka von Jules Pascin
»Schmückt Maruschka, schmückt das Mädchen,
schmückt das Kind für den Mädchenhändler!«,
Rumänisches Volkslied. Karikatur aus dem Simplicissimus.
Jules Pascin [Public domain],
via Wikimedia Commons

Stellungnahme


Der jährliche Umsatz aus der Prostitution in Deutschland beziffert sich nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes auf 14,5 Milliarden Euro. In vielen Städten werden prostituierte Frauen pauschal mit 25.-€ pro Tag besteuert. Die Einnahmen des Staates über die Mehrwertsteuer an den in den Bordellen umgesetzten Getränken und „Dienstleistungen“ tragen ebenfalls zum Steuereinkommen des Staates bei. Die Profite aus der Prostitution zählen zum Bruttosozialprodukt. Menschliche Kosten werden nicht abgezogen, die Kosten durch Traumata und Krankheiten derer, die in der Prostitution sind, abgestritten und in vielen Fällen wird sich ihrer zusammen mit den osteuropäischen Frauen entledigt, wenn diese Frauen hier nicht länger ausgebeutet werden können, durch das soziale Netz fallen und zurückgeschickt werden.

Unsere Regierung und weitestgehend unsere Medien ignorieren gezielt die Evaluierung des Schwedischen Gesetzes, die Evaluierung des Norwegischen Gesetzes und international anerkannte Studien zum Zusammenhang zwischen legalisierter Prostitution und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Die Regierung ist weder bereit, die Gefährdungen der Frauen und anderer anzuerkennen oder anzugehen, die ihre Vermittlung in die Prostitution so einfach machen, noch geht sie auf die Ausbeutung, die Gewalt, die Misshandlungen und die Traumata ein, denen sie ausgesetzt sind.

Im Anschluss an die Anhörung im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, bei der keine prostitutionskritischen Stimmen oder Experten angehört wurden, hat die Regierungskoalition vor einigen Tagen das Ergebnis ihres Treffens am 13. August herausgegeben.

Donnerstag, 17. Juli 2014

“Mit Vollendung?”

Telefon Tel Aviv
Niccolò Caranti - Telefon Tel Aviv (Flickr)
[CC BY-NC 2.0]
Wie Politiker in das Geschäft mit Frauenhandel verquickt sind, zeigt der dritte und letzte Artikel Florian Klenks zu den Telefonprotokollen der Menschenhändler.
Politiker, die offiziell für Frauenschutz eintreten und inoffiziell Minderjährige "bestellen", geringe Strafen für Menschenhändler, wiedereröffnete "Escort-Agenturen" durch ebendiese: die Frage bleibt, ob überhaupt ein politischer Wille da ist, die jungen Mädchen und Frauen vor diesen Gewaltverbrechen zu schützen. Denn die Situation, wie sie für Österreich dargestellt wird, ist auf Deutschland übertragbar. Verurteilte Menschenhändler können auch hier Bordelle betreiben. . Nur öffentlicher Druck kann Änderung in Gang bringen. Der Artikel erschien zuerst hier.

Die Callgirlaffäre erreicht das Parlament. Der Sprecher von Andreas Khol outet sich. Er habe die Mädchenhändler nur "zur Recherche" kontaktiert. Telefonprotokolle lassen Zweifel an dieser Version aufkommen.


Für die ÖVP ist Gerhard Roder ein “Mann mit Erfahrung im Politik- und Medienbereich”. Vor drei Jahren kandidierte er für den niederösterreichischen Landtag. Sein Spezialgebiet: “Frauenschutz”. Im September 2003, Roder war zum persönlichen Pressesprecher von Nationalratspräsident Andreas Khol avanciert, gründete er eine Bürgerinitiative gegen Kindesmissbrauch. Medienwirksam überreichte Roder seinem Chef 40.000 Unterschriften und bat den Nationalrat im Namen der Unterzeichner um härtere Strafen für Sexualverbrecher. Der Strafrahmen für Sexualdelikte und sexuelle Ausbeutung sollte verdoppelt werden. Täter sollten erst dann freikommen, “wenn Gutachter garantieren, dass die Täter vollständig geheilt sind”. Roder erkannte damals: “Kriminelle Banden verdienen Millionen mit ihrem schmutzigen Geschäft.”

Im Jahr 2004 ermittelten Schwechater Kriminalisten der Gruppe Menschenhandel genau gegen so eine “kriminelle Bande”. Die Fahnder überwachten die Telefonate eines nobel auftretenden Wiener Escortservice, dessen Betreiber später wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger zu dreißig Monaten Haft verurteilt wurden (der Falter berichtete). Die Täter, so stellte das Landesgericht Korneuburg rechtskräftig fest, lieferten auch Minderjährige an betuchte Kunden und drohten, unwilligen Mädchen die Beine zu brechen. Ein Mitglied der Bande wurde wegen des Besitzes von Kinderpornos verurteilt.

Im Zuge des Lauschangriffs auf den Callgirlring hörte die Polizei nicht nur interessierte Anwälte, Diplomaten und Manager ab, sondern auch einen Anrufer aus der Parlamentsdirektion. Der Anrufer wurde als “männliche Person, unbekannt” geführt. Seit der Falter von diesem Telefonat berichtete, rätselt das Publikum über die Identität des “Freiers aus dem Parlament” (ORF). In einer ersten öffentlichen Stellungnahme gab sich die Parlamentsdirektion ahnungslos. Es sei bei Tausenden Telefonklappen unmöglich, den Anrufer zu identifizieren.

Am Montag – nach einem Gespräch mit dem Falter – trat dann der “Unbekannte” die Flucht nach vorne an und übermittelte eine Sachverhaltsdarstellung ans Justizministerium und an die Austria Presse Agentur.

Der Parlamentsmitarbeiter, den die Polizei belauschte, ist ausgerechnet Khols Pressesprecher Gerhard Roder. Er arbeitet heute in der Presseabteilung der ÖVP. Am Montag wurde er von dieser Funktion suspendiert.

Wie rechtfertigt Roder seinen Anruf bei den Frauenhändlern? Er habe in den letzten drei Jahren nur “in Sachen Kinderhandel recherchiert” und ermittelt, ob auch Kinder für Sex angeboten würden. Die Frauenhändler hätten aber bei der Frage “den Hörer aufgeknallt”.

In dem – im Gerichtsverfahren öffentlich verlesenen – Telefonprotokoll (das dem Falter vorliegt) ist davon nichts zu lesen.

Die Fakten laut Gerichtsakte:


Dienstag, 15. Juli 2014

„Ich speib mich an“

Altes Telefon OB 05
André Zehetbauer - Altes Telefon OB 05 (Flickr)
[CC BY-SA 2.0]
Hier nun der zweite in der 3er-Reihe der Artikel von Florian Klenk zu abgehörten Telefonaten von Menschenhändlern, die wir veröffentlichen dürfen (ursprünglich im Jahre 2005 hier erschienen). In erster Linie sind es eigentlich Mädchenhändler. Aber wie in diesem Protokoll zu lesen ist, war auch ein Junge darunter. Man beachte das ungewohnte Mitleid, das dieser beim "Händler" erweckt.

Weitere Abhörprotokolle eines noblen Wiener Escortservice im O-Ton. Wie sich Mädchenhändler, Lieferanten, Opfer und ihre vornehme Kundschaft am Telefon unterhalten – und wie die Justiz betuchte Freier schonte, obwohl sie ausdrücklich minderjährige Mädchen bestellten.

Vergangene Woche veröffentlichte der Falter Auszüge aus richterlichen Abhörprotokollen aus dem noblen Rotlichtmilieu. Ein exklusiver Wiener Escortservice belieferte reiche Kunden, darunter Manager, Diplomaten, Werbeleute und Anwälte mit litauischen Mädchen. Manche der Frauen waren minderjährig, einige wurden mit dem Umbringen und Verstümmeln bedroht.

Die Veröffentlichung der Dokumente zieht nun erste parlamentarische Reaktionen nach sich. Die Grünen sowie die SPÖ-Abgeordnete Bettina Stadlbauer bringen diese Woche parlamentarische Anfragen an Justiz- und Innenministerin ein. Stadlbauer will vor allem wissen, wieso ein prominenter US-Anwalt von den Behörden mit Samthandschuhen angefasst wurde. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hält in ihrer Anklage ausdrücklich fest, dass der US-Anwalt im Hotel Intercontinental mit einem 17-jährigen Mädchen beliefert wurde. Falls er vom jugendlichen Alter des Mädchens gewusst haben sollte, wäre das strafbar. Doch Polizei und Justiz gingen dieser Frage nicht nach. Die Behörden haben den Anwalt weder als Beschuldigten noch als Zeugen einvernommen. Die Rechtfertigung dafür: „Er war für uns nicht greifbar“, so der in der Sache ermittelnde Korneuburger Staatsanwalt Friedrich Köhl auf Anfrage.

Auch ein prominenter Wiener Anwalt wurde nicht einvernommen, obwohl sich nach dem Lauschangriff der Verdacht ergibt, dass er Staatsanwälte auf Prostituierte eingeladen haben könnte. Nachdem der Rechtsanwalt seine Bestellung aufgegeben hatte, sagt sein Frauenhändler am Telefon: „Die Anwälte ficken. Die Anwälte und die Staatsanwälte!“ Wenn der Anwalt wirklich Einladungen ausgesprochen haben soll, was hat er sich dann davon erwartet? Die Justiz zeigt sich auch hier merkwürdig ahnungslos: „Ich weiß gar nicht, dass ein Anwalt in den Akten vorkommt“, sagt Staatsanwalt Köhl.

Im Justizministerium wurde der Fall nun zur Chefsache erklärt. „Wir lassen uns jetzt den Akt kommen und werden da einmal ordentlich hineinstechen“, verspricht ein Vertrauter der Justizministerin. Durch eine Strafgesetznovelle sei doch Sex mit minderjährigen Prostituierten erst kürzlich unter Strafe gestellt worden, die Behörden müssten diese Gesetze ernst nehmen. Staatsanwalt Köhl sagt: „Wenn die Freier beteuern, vom jungen Alter nichts gewusst zu haben, müssen wir den Fall einstellen.“ Hat die Staatsanwaltschaft eine Beweiswürdigung vorgenommen, bevor sie noch die Beweise sammelte?

Dem Falter wurden vergangene Woche weitere Lauschprotokolle zugespielt, die hier im Originalton veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung solcher Dokumente ist – solange die Anonymität der überwachten Personen geschützt wird – rechtlich zulässig. Die Protokolle waren auch Teil eines öffentlichen Gerichtsverfahrens. Die Dialoge geben Einblick, wie Wiens gehobene Gesellschaft von der sexuellen Ausbeutung litauischer Schülerinnen profitierte.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Entgegnung auf Gesine Agena

GesineAgena Sprecherin Gruene Jugend
Gesine Agena von WurmPaul (Eigenes Werk)
[CC-BY-SA-3.0 oder GFDL],
via Wikimedia Commons
In der Reihe von Pro-Prostitutions-Artikeln, die derzeit auf dem Böllblog unter den Stichworten "differenziert" und "Debatte" veröffentlicht werden, war vorgestern Gesine Agena dran. Sie ist frauenpolitische Sprecherin der Grünen. Wieder mal werden aus den Handlungsüberlegungen alle diejenigen ausgeblendet, die nicht dem Ideal der "selbstbestimmten Sexarbeiterin" entsprechen. Hier meine Entgegnung, die ich zuerst als Kommentar gepostet hatte, der aber (noch) nicht freigeschaltet worden ist.

Sehr geehrte Gesine Agena,

hiermit haben Sie Recht: “Der Tatsache, dass es Prostitution gibt, und dass Frauen sich entscheiden in diesem Bereich zu arbeiten, kann man nicht begegnen, indem man diese Frauen stigmatisiert, kriminalisiert oder sie zu fremdbestimmten Opfern macht und ihnen die Entscheidungsfähigkeit abspricht.” Deswegen bedeutet die Einführung des Nordischen Modells genau das: die Frauen können selbst entscheiden, was sie wollen. Sie bekommen aber auch Möglichkeiten auszusteigen. Ausstiegsprogramme gibt es derzeit nämlich lächerlich wenige. Die einzigen, die bestraft werden sollen, sind die Freier. Denn sie schaffen mit ihrer Nachfrage einen Markt, der auf Gewalt aufbaut.

Deswegen verstehe ich nicht, warum sie einerseits die Gewalt anerkennen (“Es geht nicht darum zu leugnen, dass die psychischen und physischen Belastungen in diesem Berufsfeld hoch sind und das Umfeld oft von Gewalt geprägt ist.”), andererseits aber dafür plädieren, die Frauen in einem solchen Umfeld zu halten. Insbesondere, wenn sie zuvor für die bessere Förderung von Frauenhäusern plädieren. Beides mal parallel gesetzt, würde das bedeuten, dass sie stattdessen für misshandelte Frauen eine bessere Stärkung und Verbleib in der gewalttätigen Partnerschaft fordern müssen. Weil es ja vom Partner mißhandelte Frauen gibt, die bei dem Partner bleiben.

Die anderen, die, die rauswollen, bleiben in ihrer Rechnung ohnehin außen vor. Wie bei sämtlichen Pro-Prostitutionsbeiträgen Usus, wird sich auch hier nur auf die Frauen fokussiert, die in dem System bleiben wollen. Was ist mit all denen, die es NICHT wollen? Müssten sie nicht in das Zentrum der Debatte rücken? Warum werden sie bestenfalls in einem Halbsatz erwähnt, nie aber zum Maßstab für Handlungsüberlegungen genommen? Mit welcher empathischen Blindheit sind Sie geschlagen?

Erzwungener Sex ist Vergewaltigung. Ob das durch Drohungen, Gewalt, Erpressung, Manipulation oder strukturelle Zwänge ist. Und bei Prostitution soll das plötzlich nicht mehr gelten? Für Frauen in der Prostitution soll plötzlich ein anderer Maßstab gelten? Damit bricht sich durch die Hintertür der Selbstbestimmungsrhetorik zutiefst bigotte bürgerliche Hurenabwertung: letzteren werden in der hochakademischen und zugleich ent-empathisierten Pro-Prost-Debatte nicht dieselben moralischen Rechte zugesprochen, wie den weißen Akademikerinnen, die hier in gedankenfauler Sattheit ein System verteidigen, das sie meilenweit entfernt von ihrer Lebenswirklichkeit wissen. Aber die Bequemlichkeit zahlt sich aus, denn so ist man bei den Grünen auf Parteilinie. Alles nachvollziehbar. Aber hören Sie doch bitte auf, das als Haltung zu verkaufen.

Und ich hätte gerne noch erklärt bekommen, was “moralisierend” ist. Worauf bauen gesellschaftliche Handlungsmaßstäbe Ihrer Meinung nach auf, wenn nicht auf moralischen Überlegungen?

Mittwoch, 11. Juni 2014

Prostitution: Mitglieder des Europäischen Parlaments an die französische Regierung

„Übernehmen wir endlich in Europa, wie in Frankreich, eine großangelegte Politik der Abolition zu Prostitution und Menschenhandel!“

2007 07 16 parlament europejski bruksela 21
By Alina Zienowicz Ala z (Own work)
[GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0],
via Wikimedia Commons
Am 22. Mai 2014 in Englisch auf Ressources Prostitution veröffentlicht, über Les Noevelles News – OP-ED (Französisches Original hier)

Von Nicole Kiil-Nielsen (EELV – Greens GER); Sophie Auconie (UDI – EVP); Jean-Luc Mélenchon (Front de Gauche – GUE/NGL ); Pervenche Berès (PS – S&D). Mit der Unterstützung von Mikael Gustafsson (GUE– Sweden)


Französische Mitglieder des Europäischen Parlamentes, am 26. Februar 2014 haben wir eine Resolution zu „Prostitution, sexuelle Ausbeutung und ihre Auswirkungen auf die Gleichheit der Geschlechter“ unterstützt und zur Verabschiedung gebracht. Wir sind stolz und zuversichtlich, dass diese Resolution als Fortschritt in die europäische Geschichte eingehen wird.

Erstens, weil das Europäische Parlament durch seine Bezeichnung der Prostitution und ihrer inhärenten Ausbeutung als „Menschenrechtsverletzung im Widerspruch zu der Charta der Grundrechte der Europäischen Union“ und als Hindernis zur Gleichstellung von Frauen und Männern ein sehr starkes politisches Signal an diejenigen Mitgliedsstaaten schickt, in denen offenbar deutliche Meinungsverschiedenheiten herrschen.

Zweitens, weil diese Resolution helfen kann, den 15-jährigen Kreislauf liberaler Zuhälterei mit zu beenden. Es ist genau in der Mitte der Europäischen Union, dass Länder wie Deutschland und die Niederlande die legale Ausbeutung des Körpers von Frauen unter dem Namen der Anerkennung von „Sexarbeit“ theoretisiert und umgesetzt haben und Zuhälterei entkriminalisiert haben, indem sie aus Zuhältern „Geschäftsleute und Investoren im Sexgewerbe“ machten. Zehn Jahre nach Einführung dieser Gesetze, sind die Ergebnisse eindeutig: Die Zuhälter und ihre internationalen Menschenhandelsnetzwerke sind unter der Legalisierung des „Sexmarktes“ wohl gediehen und dies auf Kosten der prostituierten Menschen, die immer jünger sind, immer gefährdeter sind und aus weniger entwickelten Drittstaaten stammen.