Es gibt keine Krise oder Katastrophe, die nicht noch
verschlimmert werden könnte, und in Deutschland gibt es keine Brutalität, aus
der nicht noch findige Menschen Profit schlagen wollen. Vermutlich ist das
überall so. Aber in Deutschland gibt es so dermaßen gehirngewaschene Menschen,
dass ihnen dies in aller Naivität naheliegend, ja wünschenswert, zumindest doch
völlig normal erscheint. Und es ist ja auch naheliegend. Es ist „normal“. Es
ist gesellschaftliche Praxis.
In einer atemberaubenden Präzision finden wir diesen
Ansatz prägnant zusammengefasst in einer hübschen Frage:
… können von Gewalt
betroffene Frauen vorübergehend in geschlossenen
Bordellen untergebracht werden …?
Das ist kein Scherz und keine Satire, trotz der abgrundtief bitteren Ironie darin, trotz einer Haltung, deren eigene Bloßstellung nur noch durch
die Verhöhnung der gemeinten Frauen, aller Frauen und unserer Gesellschaft übertroffen
wird. Wobei die Gesellschaft insgesamt das verdient hat.
Vielleicht ist daher die
Überschrift mit dem Rettungsschirm die beste.
Konkret geht es um das
Bundesfamilienministerium, um das Statement der Frauenpolitischen Sprecherinnen der Bundesgrünen und um ein Statement des BSD, des Bordellbetreibendenverbands
in Deutschland. Im Einzelnen und der Reihe nach geht es um eine inzwischen
offenbar zurückgezogene Idee einzelner aus dem Bundesfamilienministerium und
aus dem Berliner Senat, die zu erwartenden Engpässe bei der Unterbringung von Frauen,
die in ihren Beziehungen Männergewalt ausgesetzt sind, mit „pragmatischen und
unkonventionellen Lösungen“ aufzufangen, und offenbar gehörte hierbei vorübergehend
der Gedanke dazu, die geschlossenen Bordelle zu nutzen.
