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Freitag, 20. Oktober 2017

Die Frauen in den Bordellen Europas sind unsere Schwestern!

Keine Prostitution! Feministinnen für das schwedische Model.

Von Dolores Claiborne

(Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Der Text ist englisch und ukrainisch auf der Facebookseite der Gruppe НІ ПРОСТИТУЦІЇ! Феміністки за шведську модель erschienen und steht in beiden Sprachen unter diesem Artikel. Die spanische Übersetzung wurde auf dem Blog Traductoras para la abolición de la prostitución.)



Der 18. Oktober ist der europäische Tag gegen Menschenhandel.

Kiew, Ukraine

An diesem Tag zogen wir – ukrainische feministische Abolitionistinnen (1) zur Botschaft der Bundesrepublik Deutschland um gegen den Frauenhandel in Deutschland zu protestieren. Wir zeigten uns, weil in deutschen Bordellen Männern die Gelegenheit gegeben wird, Frauen, darunter Frauen aus der Ukraine, legal zu vergewaltigen. Ja, wir halten Prostitution für die Vergewaltigung gegen Geld, ein Verbrechen gegen Frauen, unvereinbar mit der Würde und dem Wert der menschlichen Person, und eine Gefährdung des Wohls des einzelnen, der Familie und der Gemeinschaft, so wie es in der UN-Konvention dargelegt ist. (2)

Die Regierung der Ukraine hat eine Reihe von Maßnahmen gegen Menschenhandel ergriffen: Sie hat das Programm gegen Menschenhandel bis 2020 entwickelt, die materielle Unterstützung von Menschenhandelsopfern erhöht, den Aktionsplan für zusätzliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels eingeführt und den der Weiterentwicklung der zuständigen Institutionen im Bereich von Straftaten im Zusammenhang mit Menschenhandel. Auf Grund dieser Maßnahmen wurden in den neun Monaten diesen Jahres, 2017, fast dreimal so viele Strafverfahren dazu eröffnet als in den 12 Monaten des Vorjahres. Wir haben dennoch nur geringe Zweifel daran, dass die meisten Frauen im Menschenhandel am Zielort landen – Ländern, in denen Prostitution vollständig legalisiert ist (oder in denen Kunden in keinerlei Verantwortung genommen werden, wenn sie die Körper von Frauen für Sex kaufen), so wie Deutschland oder Griechenland.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Blickpunkt Nationalsozialistischer Untergrund und der Fall Peggy Knobloch: Warum Neonazismus, Pädokriminalität und Rotlichmilieu gut zusammenpassen


Rotlichtviertel Frankfurt am Main, CC BY SA 3.0 - Arne Hückelheim
*Gastbeitrag*

Eine Nachricht hat in der vergangenen Woche eingeschlagen wie eine Bombe: Die DNA des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt wurde bei der Leiche von Peggy Knobloch gefunden. Peggy war im Mai 2001 spurlos verschwunden. Ihre Leiche wurde erst in diesem Sommer 2016, nach 15 Jahren, in einem Waldstück entdeckt. Nun also stellt sich die Frage, wie der NSU mit einer Kinderleiche in Verbindung zu bringen ist.

Für viele scheint dies hinten und vorne nicht zusammen zu passen. „Ex-Chefermittler überrascht“ heißt es da zum Beispiel – oder es wird seitens eifriger DiskutantInnen darauf verwiesen, dass doch gerade (Neo-)Nazis immer wieder sich insbesondere mit Kampagnen gegen „Kinderschänder“ hervortun.

Nicht überrascht hingegen war der Anwalt der Nebenklage, Yavuz Narin. Er wies darauf hin, dass ihm eine Häufung pädokrimineller Gewaltverbrechen im Umfeld des NSU aufgefallen sei und sagt „Von einem Netzwerk zu sprechen, scheint mir untertrieben. Man müsste von einem Sumpf sprechen.“ Quelle

Und in der Tat: Nicht nur Pädokriminalität, sondern auch Verbindungen ins und Beteiligung am Rockermilieu, welches in Verbindung zu bringen ist mit Kinder- und Frauenhandel, stechen geradezu ins Auge.

Dies möchten wir uns in diesem Beitrag einmal genauer ansehen.

Hinweis: Die nachfolgenden Ausführungen sind das Ergebnis einer ca. einwöchigen Recherche. Sie beanspruchen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt sicher Menschen, die sich schon länger mit dem NSU und seinem Umfeld befassen, weitere Hinweise sind ausdrücklich erwünscht! Gerne liefern wir bei näherem Interesse zu einzelnen Informationen oder Aspekten auch weiterführende Literatur. 


Samstag, 20. August 2016

Gewalt im Bordell Europas - ein "Arbeitsunfall"?

„Der Arbeitsvertrag sah vor, dass sie die Hälfte ihres Lohns an ihren Arbeitgeber auszurichten habe, sie 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen müsse und ihr eine Wohnung, Essen, Arbeitskleidung, Flugtickets, Papiere und Werbung gestellt werden würde (sic). Sie arbeitete daraufhin in verschiedenen von ihrem Arbeitgeber angemieteten Wohnungen und in einem Club. Die Kontaktperson ihres Arbeitgebers, ein Mann, wurde im Laufe der Zeit jedoch immer aufdringlicher. Zum Ende hin wich er ihr nicht mehr von der Seite und sie musste sexuelle Handlungen an ihm, unbezahlt und auch gegen ihren ausdrücklichen Willen, vornehmen. Eines Tages hat er sie schließlich in einer der angemieteten Wohnungen eingesperrt, mit dem Versprechen bald wiederzukommen und sich um ihre Papiere zu kümmern. Zwei Tage lang geschah nichts. Schließlich stieß sie in einem Internetforum auf einen Bericht einer anderen Frau, die eine ähnlich schlimme Erfahrung mit dem besagten Mann gemacht hatte. Sie beschloss, sich aus dieser Situation zu befreien und sprang aus dem Fenster. Dabei erlitt sie schwere Verletzungen am unteren Rücken und an den Beinen.“ (1)

So fasst ein juristischer Blog der Humboldt-Universität im Zusammenhang mit einem Urteil des Sozialgerichts Hamburg  vom 5. August 2016 den Sachverhalt eines Verfahrens zusammen, in dem die osteuropäische Betroffene mit Unterstützung des Deutschen Instituts für Menschenhandel Menschenrechte die Gewährung von Leistungen aus der Unfallversicherung beantragte - und gewann. Gefeiert wurde dieses Urteil  als "wegweisend" (Humboldt Law Clinic) bzw. "richtungsweisend" (Koordinierungsstelle gegen Menschenhandel).

Hier liegen also vor (mindestens):
  • Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung
  • Freiheitsberaubung und Entführung
  • Vergewaltigung/ sexuelle Nötigung
  • dirigistische und ausbeuterische Zuhälterei
Und dies müsste sogar nach den extrem lauen und dehnbaren deutschen Gesetzen zum Thema nach ihrer Angleichung an die weitestgehende Entkriminalisierung der Strukturen der Sexindustrie 2002ff noch gelten. Sagen wir es so: sogar in Deutschland ergibt sich hier ein gewisser „Anfangsverdacht“. Aber vielleicht ist dies eine zu optimistische Betrachtung.

Es ist auch müßig darüber nachzudenken, denn Gültigkeit erlangen hierzulande andere Einschätzungen und die Ausbeutung von Frauen in der Prostitution genießt eine solche Akzeptanz in all ihren Ausmaßen, dass ihre wüstesten Folgen offenbar nur um den Preis der absoluten Normalisierung und alltäglichen Hinnahme der Gewalt abgemildert werden dürfen: Nach deutscher neuer Lesart handelt es sich hierbei – siehe das Urteil des Sozialgerichts Hamburg vom 23. Juni 2016, das am 5. August rechtskräftig wurde – nämlich nicht um massive Verbrechen an einer Person oder um Menschenrechtsverletzungen, sondern um einen „Arbeitsunfall“. (2)

Montag, 15. September 2014

Menschenhandel - was ist das eigentlich?


Imagens Evangélicas
Human Trafficking photo (Flickr)

(CC BY 2.0)
Im Zusammenhang mit der Prostitutionsdebatte geht es häufig um das Thema Menschenhandel. Dabei wird immer wieder behauptet, dass es im Zuge der Liberalisierung der Prostitution seit 2002 kaum zu einer Zunahme von Menschenhandel nach Deutschland gekommen sei. Als Beleg werden die tatsächlichen gerichtlichen Verurteilungen herangezogen. Was ist davon zu halten?

Definition

 

Eine Definition von Menschenhandel finden wir im „Zusatzprotokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels“ zum UN-„Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität“ („Palermo-Protokoll“).

Darin heißt es, im Sinne dieses Protokolls:

  1. bezeichnet der Ausdruck „Menschenhandel“ die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung. Ausbeutung umfasst mindestens die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit, Sklaverei oder sklavereiähnliche Praktiken, Leibeigenschaft oder die Entnahme von Organen;
  2. ist die Einwilligung eines Opfers des Menschenhandels in die unter Buchstabe a genannte beabsichtigte Ausbeutung unerheblich, wenn eines der unter Buchstabe a genannten Mittel angewendet wurde;
  3. gilt die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme eines Kindes zum Zweck der Ausbeutung auch dann als Menschenhandel, wenn dabei keines der unter Buchstabe a genannten Mittel angewendet wurde;
  4. bezeichnet der Ausdruck "Kind" Personen unter achtzehn Jahren.

Diese Definition wurde in der „Convention on action against trafficking in human beings“ des Europarates vom 16. Mai 2005 übernommen.

Mittwoch, 13. August 2014

Wissenschaftliche Freiheit, Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst. Zur Prostitutionsdebatte.

Enlightenment Room, British Museum
mendhak- Enlightenment Room, British Museum,
(CC BY-SA 2.0)
Drei wichtige Freiheiten, Errungenschaften der Aufklärung. Nur sollten sie nicht verwechselt werden. Wissenschaftliche Freiheit zum Beispiel bedeutet Freiheit der Forschung, nicht Freiheit der Kreativität im Umgang mit Ergebnissen.

Unter „Debatte Prostitution“ erschien heute bei taz-online eine Replik auf einen prostitutionskritischen Artikel der Bloggerin und Journalistin Mira Sigel, die sich mit dem Thema bei der LINKEN auseinandersetzte. Diese Replik enthielt wieder bekannte Mythen und populäre Unwahrheiten.

Danke an die Mitstreiterin, die uns folgende Klarstellungen übermittelt hat.

Dienstag, 15. Juli 2014

„Ich speib mich an“

Altes Telefon OB 05
André Zehetbauer - Altes Telefon OB 05 (Flickr)
[CC BY-SA 2.0]
Hier nun der zweite in der 3er-Reihe der Artikel von Florian Klenk zu abgehörten Telefonaten von Menschenhändlern, die wir veröffentlichen dürfen (ursprünglich im Jahre 2005 hier erschienen). In erster Linie sind es eigentlich Mädchenhändler. Aber wie in diesem Protokoll zu lesen ist, war auch ein Junge darunter. Man beachte das ungewohnte Mitleid, das dieser beim "Händler" erweckt.

Weitere Abhörprotokolle eines noblen Wiener Escortservice im O-Ton. Wie sich Mädchenhändler, Lieferanten, Opfer und ihre vornehme Kundschaft am Telefon unterhalten – und wie die Justiz betuchte Freier schonte, obwohl sie ausdrücklich minderjährige Mädchen bestellten.

Vergangene Woche veröffentlichte der Falter Auszüge aus richterlichen Abhörprotokollen aus dem noblen Rotlichtmilieu. Ein exklusiver Wiener Escortservice belieferte reiche Kunden, darunter Manager, Diplomaten, Werbeleute und Anwälte mit litauischen Mädchen. Manche der Frauen waren minderjährig, einige wurden mit dem Umbringen und Verstümmeln bedroht.

Die Veröffentlichung der Dokumente zieht nun erste parlamentarische Reaktionen nach sich. Die Grünen sowie die SPÖ-Abgeordnete Bettina Stadlbauer bringen diese Woche parlamentarische Anfragen an Justiz- und Innenministerin ein. Stadlbauer will vor allem wissen, wieso ein prominenter US-Anwalt von den Behörden mit Samthandschuhen angefasst wurde. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hält in ihrer Anklage ausdrücklich fest, dass der US-Anwalt im Hotel Intercontinental mit einem 17-jährigen Mädchen beliefert wurde. Falls er vom jugendlichen Alter des Mädchens gewusst haben sollte, wäre das strafbar. Doch Polizei und Justiz gingen dieser Frage nicht nach. Die Behörden haben den Anwalt weder als Beschuldigten noch als Zeugen einvernommen. Die Rechtfertigung dafür: „Er war für uns nicht greifbar“, so der in der Sache ermittelnde Korneuburger Staatsanwalt Friedrich Köhl auf Anfrage.

Auch ein prominenter Wiener Anwalt wurde nicht einvernommen, obwohl sich nach dem Lauschangriff der Verdacht ergibt, dass er Staatsanwälte auf Prostituierte eingeladen haben könnte. Nachdem der Rechtsanwalt seine Bestellung aufgegeben hatte, sagt sein Frauenhändler am Telefon: „Die Anwälte ficken. Die Anwälte und die Staatsanwälte!“ Wenn der Anwalt wirklich Einladungen ausgesprochen haben soll, was hat er sich dann davon erwartet? Die Justiz zeigt sich auch hier merkwürdig ahnungslos: „Ich weiß gar nicht, dass ein Anwalt in den Akten vorkommt“, sagt Staatsanwalt Köhl.

Im Justizministerium wurde der Fall nun zur Chefsache erklärt. „Wir lassen uns jetzt den Akt kommen und werden da einmal ordentlich hineinstechen“, verspricht ein Vertrauter der Justizministerin. Durch eine Strafgesetznovelle sei doch Sex mit minderjährigen Prostituierten erst kürzlich unter Strafe gestellt worden, die Behörden müssten diese Gesetze ernst nehmen. Staatsanwalt Köhl sagt: „Wenn die Freier beteuern, vom jungen Alter nichts gewusst zu haben, müssen wir den Fall einstellen.“ Hat die Staatsanwaltschaft eine Beweiswürdigung vorgenommen, bevor sie noch die Beweise sammelte?

Dem Falter wurden vergangene Woche weitere Lauschprotokolle zugespielt, die hier im Originalton veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung solcher Dokumente ist – solange die Anonymität der überwachten Personen geschützt wird – rechtlich zulässig. Die Protokolle waren auch Teil eines öffentlichen Gerichtsverfahrens. Die Dialoge geben Einblick, wie Wiens gehobene Gesellschaft von der sexuellen Ausbeutung litauischer Schülerinnen profitierte.

Freitag, 11. Juli 2014

"Einfach hinklatschen"

Abhörstation Teufelsberg
abbilder - Abhörstation Teufelsberg (Flickr)
[CC BY 2.0]
Wir veröffentlichen in den nächsten Tagen drei Artikel über abgehörte Telefonate von Menschenhändlern. Veröffentlicht wurden sie von Florian Klenk im Jahr 2005 im Wiener "Falter". Freundlicherweise hat er uns das Crossposting genehmigt. Dieser Artikel erschien zuerst hier.

Erst drohen sie, ihnen die Beine zu brechen, dann vermitteln sie minderjährige Mädchen als "Penthouse Pets" an Staranwälte, Manager und Diplomaten. Ein Lauschangriff auf eine noble Wiener Begleitagentur zeigt, wie osteuropäische Mädchen in die Betten betuchter Herren geliefert werden.


Der prominente US-Anwalt zum Beispiel. Beklagte tagsüber vor Journalisten und Politikern das Unrecht dieser Welt. Abends ließ er sich und seinem prominenten Mandanten ein paar Mädchen ins Intercontinental liefern. An die Zimmertür klopft Inga. Schülerin aus Litauen, 17 Jahre alt.

Oder der Mann von McKinsey. Er rief an, weil er eine „süße, kleine Stute“ suchte. Um „einfach Spaß zu haben und einfach mal hinzuklatschen“, wie er es nennt.

Ein Uniprofessor aus den USA meldete sich, weil er eine „Jungfrau“ in Anwesenheit ihrer Schwester „richtig durchficken“ wollte. 15 Jahre sollte sie alt sein. 4000 Euro würde er dafür bezahlen.

Ein Mitarbeiter der saudiarabischen Botschaft in Wien begehrte eine 19-jährige Jungfrau zu „buchen“. „Die hab ich zum Versteigern unten“, bedauerte der Mann am anderen Ende der Leitung. Unten, in den Emiraten.

Ein Geschäftsmann aus Paris erkundigt sich nach der kleinen Laura und erfährt: „Die hat einen Makel, das sage ich gleich dazu, sie hat noch bis September eine Zahnspange.“

Abends ein Anruf aus der Parlamentsdirektion: „Wie ist denn die Julia so vom Charakter? Macht sie auch Vollendung in den Mund?“

Ein PR-Berater aus der Innenstadt stellt sich am Telefon als „brutale Sau“ vor und will einem siebzehnjährigen „Ferkilein“ einmal alle „Löcher stopfen“. Bekommt er.

„Die freut sich, sie muss nämlich eine Meniskusoperation machen und braucht 500 Euro“, sagt der Frauenhändler.

„Oh je! Da muss sie aber viel pudern“, antwortet der Werbemann und sagt: „Ich hab schon einen Steifen.“

Ein prominenter Wiener Anwalt drängt: „Ich brauche drei Mädels. Zum Schmusen und Arschficken.“

Ein Mitarbeiter der „Begleitagentur“ freut sich später am Telefon übers gute Geschäft: „Ich bin ausgebucht heute. Die Anwälte ficken! Die Anwälte und die Staatsanwälte!“

Sein Gesprächspartner sagt: „Die hast du alle auf deiner Seite.“

Diese Gespräche wurden im Rahmen eines Lauschangriffes auf eine noble Wiener Begleitagentur geführt. Die Polizei zeichnete die Telefonate auf. Die Protokolle sind von öffentlichem Interesse – nicht deshalb, weil vornehme Männer Prostituierte in Anspruch nehmen. Sondern weil sie Einblick in die Abgründe eines Wiener Frauenhändlerringes geben. Sie zeigen die Nöte osteuropäischer Frauen, aber auch minderjähriger Schülerinnen, die auf der Webpage dieses Mariahilfer Callgirlrings als „genuine Fashion Models“, als „Penthouse Pets“ oder „Beauty Queens“ angeboten werden. Wiens „High Class Gentlemen“ konnten Minderjährige um ein paar hundert Euro buchen, von einem Chauffeur zustellen und nach einer Nacht wieder abholen lassen. Sie wussten offenbar auch von den Zwangslagen der Frauen. Der Lauschangriff auf die gehobene Wiener Rotlichtszene gab der Justiz Einblicke, wie Frauenhandel heute funktioniert. Betuchte „Kunden“ bestellen übers Internet, nach genau bestimmten Tarifen und „Aktionspreisen“. Sie dürfen Mädchen in bestimmter Kleidung und Unterwäsche ordern, sie legen am Telefon Wert darauf, dass sie nicht wie „billige Prostituierte erscheinen“ und dass sie „zu intelligenter Konversation fähig“ sind. Es werden Mädchen zugestellt, „die wirklich küssen“, und solche, die „das nicht so schmuddelig angehen, wie Billigrussinnen“. Der Markt habe sich verändert, sagt ein Wiener Frauenhändler, „nichts ist unmöglich. Das Internet beflügelt die Fantasie unserer Klienten, und wir erfüllen jeden Wunsch.“

Dienstag, 8. Juli 2014

Aufruhr bitte nur bei Tieren

Goats
Klearchos Kapoutsis - Goats (Flickr)
[CC BY 2.0]
Bei Tieren sind manche Menschen schnell auf den Barrikaden – aber bei Frauen? Dieses vielsagende Gespräch dürfen wir mit freundlicher Genehmigung von Bloggerin Lesbomatin hier crossposten.

Was Ziegen mit Prostitution zu tun haben


Mit einer Freundin heiß über das Prostitutionsthema diskutiert. Sie hatte die ganze Zeit die Position, man sollte doch Frauen, die sich wünschen als Prostituierte zu arbeiten nicht bewerten oder beschränken, das wäre doch deren gutes Recht. Ja ja, die Zwangsprostitution, die muss man verbieten, aber die “freiwillige” Prostitution, die wäre ja in Ordnung.

Übrigens sass ihr Cousin daneben, der gerade mit seinem Chef in Thailand war und erzählte, wie beschissen er sich gefühlt hatte, von Prostituierten umzingelt und vom Chef zum Prostitutionskonsum gedrängt worden zu sein. Die Prostituierten haben ihm in einer Bar ungefragt ans Geschlechtsteil gegriffen und er musste das immer wieder unterbinden. Aber das nur nebenbei.

Nach zwei Stunden der Debatte wurde es mir zu bunt und ich sagte zu meiner Freundin: “Mathilda, morgen binde ich hier 10 Ziegen an die Straße, die man für 10 Euro ficken darf. Du wärst die Erste, die eine Demo gegen diese Tierquälerei organisieren würde.” Ihr glaubt es nicht, bei den Ziegen sah sie sofort ein, dass Prostitution Scheiße ist. Kein Witz.

 

Samstag, 21. Juni 2014

Amnesty International - Aufruf an Mitglieder

Amnesty International Protestplakat
Free Ressource
(Protest Resources)
Vor einigen Tagen - über Pfingsten - stimmten die Vorsitzenden Amnestys verschiedener Länder über das Thema Prostitution und den seit spätestens 2008 immer wieder auftauchenden Vorschlag der völligen Legalisierung aller Aspekte der Prostitution außer derjenigen für unter 18-jährige ab.

In den meisten Ländern wurden die Mitglieder, die Städte- oder Ortsgruppen nicht einbezogen.

Während Amnesty-Mitglieder nach wie vor Menschenhandel und Zwangsprostitution ablehnen und sich dagegen engagieren, begibt sich das Internationale Sekretariat in London auf einen Weg, der beides absolut befördern wird. Da mit Gegenwind auch aus den eigenen Reihen gerechnet wird, wird die endgültige Entscheidung möglicherweise auf August 2015 verschoben. Allerdings ist es nicht einmal für Amnesty Mitglieder leicht, verbindliche Informationen zu bekommen.

Stand der Dinge offenbar:

Einige Länder, Israel, Schweden, Dänemark - haben sich gegen diese Politik der völligen Entkriminalisierung ausgesprochen. Bei anderen erfahren wir (und die jeweiligen Mitglieder) nicht, wie die Entscheidung ausgefallen ist. In den USA haben die Legalisierer des big business wohl gewonnen, in Australien findet die endgültige Entscheidung Anfang am 4. Juli statt, zumindest was die Mitglieder angeht. Hier werden Mitglieder immerhin in einer landesweiten Entscheidung gefragt und Sprecherinnen indigener Gruppen und Aussteigerinnen wie Überlebender des Systems der Prostitution werden wenigstens angehört, wenn auch in sehr eingschränkter Weise.

Der jetzige von Amnesty verhandelte und vom International Secretariat in London weitgehend angenommene Vorschlag geht weit über die dringend gebotene Entkriminalisierung der Prostituierten - the prostituted - Frauen und anderer in der Prostitution hinaus. Wenn behauptet wird, Zuhälterei oder Menschenhandel würden nicht entkriminalisiert, so gilt das nur insofern, als hier begriffliche Verschiebungen vorgenommen werden, die den Begriff der "Sexarbeit" bewusst auf Bordellbetrieb (aller Art), auf Zuhälterei und seit einiger Zeit auf bestimmte Formen des Menschenhandels ausdehnen. "Sexarbeit" ist bei Teilen Amnestys und bei den vielen Organisationen, die immer wieder als "sex worker rights'" Gruppen genannt werden, eben nicht nur eine "sexuelle Handlung" zwischen z.B. der Frau in der Prostitution und dem Mann, der sich den Zugang zu ihrem Körper erkauft - und schon hier wird das Thema jeglicher Machtbeziehung und der Blick auf die Art der "sexuellen Handlung" sehr bewusst ausgeblendet. "Sexarbeit" bezieht auch "Vermittlungstätigkeiten" aller Art mit ein. 

Es geht um den gezielten Versuch einer Unterwanderung Amnestys zur umfassenden Legalisierung eines riesigen menschen- und dabei vor allem frauenverachtenden Geschäftszweigs.

Der momentane Stand der Diskussion kann (gleicher Text) an verschiedenen Stellen im Netz nachgelesen werden, z.B.:

und hier:

Zur Vorgeschichte und zur Diskussion besonders bei indigenen Frauen vgl. vorangegangenen Artikel auf diesem Blog:

Mittwoch, 11. Juni 2014

Prostitution: Mitglieder des Europäischen Parlaments an die französische Regierung

„Übernehmen wir endlich in Europa, wie in Frankreich, eine großangelegte Politik der Abolition zu Prostitution und Menschenhandel!“

2007 07 16 parlament europejski bruksela 21
By Alina Zienowicz Ala z (Own work)
[GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0],
via Wikimedia Commons
Am 22. Mai 2014 in Englisch auf Ressources Prostitution veröffentlicht, über Les Noevelles News – OP-ED (Französisches Original hier)

Von Nicole Kiil-Nielsen (EELV – Greens GER); Sophie Auconie (UDI – EVP); Jean-Luc Mélenchon (Front de Gauche – GUE/NGL ); Pervenche Berès (PS – S&D). Mit der Unterstützung von Mikael Gustafsson (GUE– Sweden)


Französische Mitglieder des Europäischen Parlamentes, am 26. Februar 2014 haben wir eine Resolution zu „Prostitution, sexuelle Ausbeutung und ihre Auswirkungen auf die Gleichheit der Geschlechter“ unterstützt und zur Verabschiedung gebracht. Wir sind stolz und zuversichtlich, dass diese Resolution als Fortschritt in die europäische Geschichte eingehen wird.

Erstens, weil das Europäische Parlament durch seine Bezeichnung der Prostitution und ihrer inhärenten Ausbeutung als „Menschenrechtsverletzung im Widerspruch zu der Charta der Grundrechte der Europäischen Union“ und als Hindernis zur Gleichstellung von Frauen und Männern ein sehr starkes politisches Signal an diejenigen Mitgliedsstaaten schickt, in denen offenbar deutliche Meinungsverschiedenheiten herrschen.

Zweitens, weil diese Resolution helfen kann, den 15-jährigen Kreislauf liberaler Zuhälterei mit zu beenden. Es ist genau in der Mitte der Europäischen Union, dass Länder wie Deutschland und die Niederlande die legale Ausbeutung des Körpers von Frauen unter dem Namen der Anerkennung von „Sexarbeit“ theoretisiert und umgesetzt haben und Zuhälterei entkriminalisiert haben, indem sie aus Zuhältern „Geschäftsleute und Investoren im Sexgewerbe“ machten. Zehn Jahre nach Einführung dieser Gesetze, sind die Ergebnisse eindeutig: Die Zuhälter und ihre internationalen Menschenhandelsnetzwerke sind unter der Legalisierung des „Sexmarktes“ wohl gediehen und dies auf Kosten der prostituierten Menschen, die immer jünger sind, immer gefährdeter sind und aus weniger entwickelten Drittstaaten stammen.

Montag, 12. Mai 2014

Buchrezension: Sklavenmarkt Europa von Michael Jürgs


cover.do
Quelle: Randomhouse
Es ist ein Milliardengeschäft, das von der Globalisierung ebenso profitiert wie andere Geschäftsbereiche: Menschenhandel. Michael Jürgs hat sich auf die Fährten der Menschenhändler kreuz und quer durch Europa begeben, er hat EUROPOL und andere Ermittler bei ihrem Kampf gegen dieses Verbrechen begleitet und zeigt in seinem Buch “Sklavenmarkt Europa – das Milliardengeschäft mit der Ware Mensch”, dass der Kapitalismus eben vor nichts Halt macht, auch nicht davor Menschen zu Waren zu machen. Mehr als die Hälfte der Opfer von Menschenhandel werden zur Prostitution gezwungen – hier, mitten unter uns. Der andere Teil wird als Arbeitssklaven, Organspender oder von Pädophilen missbraucht.

Im ersten Kapitel “Rohstoff Mensch: Leidtragende” wirft Michael Jürgs einen Blick zurück in die Geschichte, als ehrbare Kaufleute und ganze Städte wie Liverpool reich wurden durch Sklavenhandel. Nicht nur die USA, alle Kolonialherren beteiligten sich am Geschäft mit den Sklaven, auch Brandenburg-Preußen. Ein bislang kaum beleuchtetes Feld ist die arabische Sklaverei.

Das zweite Kapitel “Global Player: Menschenhändler” beleuchtet die Gegenwart. Freihandelszonen gelten nicht nur für die legale Wirtschaft, sondern auch für den Menschenhandel, dem Trafficking in Human Beings, wie der internationale Polizeibegriff dafür lautet. Sklavenmärkte gehören keineswegs der Vergangenheit an, auch heute finden sie sich mitten in Europa.
"58 Prozent des im Menschenhandel erzielten Gewinns werden auf dem internationalen Sexmarkt erzielt. Dahinter rangieren Erlöse aus Zwangsarbeit, wozu auch wie Sklaven gehaltene Dienstboten gerechnet, mit 36 Prozent  seit der weltweiten Finanzkrise ab 2007/2008 hat sich deren Zahl verdoppelt – dann folgen fürs Betteln und für Diebstahl von ihren Sippschaften an Banden verkaufte Kinder für einen Marktanteil von 1,5 Prozent."
Die Ware Frau verspricht große Einnahmen. Europaweit werden damit jedes Jahr 12,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Herkunftsländer der Frauen sind die ärmsten Länder Europas, wie zum Beispiel Moldawien, wo ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung das Land verlassen hat.
"Die Mädchen werden rücksichtslos ausgebeutet, und falls sie sich wehren, falls sie mehr als die lächerlichen paar Euro verlangen, die ihnen vielleicht bleiben, so lange missbraucht, bis sie jeglichen Widerstand aufgeben. Sobald sie nach Einschätzung ihrer Besitzer im Bordellbetrieb verbraucht sind, per Flatrate nicht mehr an den Mann zu bringen, werden sie entweder auf die unterste Stufe des Sexmarktes abgeschoben, die Straßenstriche in einem der Länder, aus denen sie einst voller Hoffnung auf ein besseres Leben aufgeborchen sind. Oder aber in die Freiheit entlassen, die sie sich aber selten leisten können, weil sie von dem , was sie angeschafft haben, kaum etwas abbekommen haben."
Obwohl es zum Beispiel bei EUROPOL verschiedene Initiativen zur Bekämpfung des Menschenhandels gibt, sind doch die Ressourcen der Ermittler endlich – die der Menschenhändler hingegen unerschöpflich. Gleichzeitig hängt es oft noch am Informationsaustausch, an Übersetzern, an grenzübergreifenden Gesetzen, an der Korruption von Beamten vor Ort, die mit den Menschenhändlern gemeinsame Sache machen.
"Menschenhändler müssten wie internationale Terroristen bekämpft werden, mit allen erlaubten Mitteln, und angesichts der Not ihrer Opfer manchmal wohl auch mit den unerlaubten."
Die Methoden der Menschenhändler sind unterschiedlich, sie arbeiten mit Gewalt, mit Tarnfirmen, sie haben Folterspezialisten, die die Mädchen auf dem Weg in ihre Zielländer gefügig machen. Seit 2009 sind die Ermittlungen von EUROPOL im Bereich Zwangsprostitution um das Achtfache gestiegen.