Ursprünglich veröffentlicht auf Feminist Times - wir danken Feminist Times und Philippa Willits für die Erlaubnis zur Veröffentlichung einer deutschen Übersetzung.Debatten über die Sexindustrie hängen oft mit feministischem Bewusstsein zusammen, und ein Argument welches mir immer wieder auffällt ist das Prostitution legalisiert werden sollte, da ohne Sexarbeiter_innen diese armen, bemitleidenswerten Menschen mit Behinderung niemals Sex haben könnten.
Menschen, die niemals in ihrem Leben Interesse daran gezeigt haben Kampagnen gegen die Kürzung von Leistungen für Menschen mit Behinderung oder für Barrierefreiheit zu unterstützen, beschäftigen sich plötzlich mit unserem "Recht" auf Sex? Das ist unredlich, und es versteckt sich eine gar nicht mal so subtile Diskriminierung hinter dieser Rhetorik.
Die Annahme, dass niemand freiwillig Sex mit einem behinderten Menschen haben würde ist nicht nur falsch, sie ist auch beleidigend. Eine kindliche Sicht auf Menschen mit Behinderung trägt außerdem zu der Meinung bei, dass Sex mit einem/einer von uns falsch oder komisch sei, zusätzlich zu dem Stigma und den Vorurteilen die unsere Leben eh bereits einschränken.
In der gegenwärtigen Medienlandschaft werden wir dargestellt als faule Schnorrer_innen. In Filmen sind wir mutige, inspirierende Charaktere, die existieren um andere dazu zu motivieren aktiv zu werden, weil ihnen schuldbewusst klar wird wie schrecklich doch unsere Leben sind. Und im medizinischen Bereich sind wir selbst das Problem mit unseren schiefen Körpern und Psychen, die teure und aufwändige Behandlungen beanspruchen, worüber die Krankenkassen sich ärgern.